Niedriger Stromverbrauch ist dafür wichtiger als niedrige Batteriekosten, so Lucid

Das kalifornische Startup Lucid Motors will nach der technisch faszinierenden Oberklasse-Limousine Air günstigere Elektroautos bauen. Das sagte nun Lucid-Chef Peter Rawlinson bei einer Telefonkonferenz, über die Autocar berichtet. 

Bei einer Elektroauto-Konferenz der britischen Händlerorganisation Society of Motor Manufacturers and Traders (SMMT) sagte Rawlinson, dass die Modelle des Startups "zunehmend erschwinglicher" werden sollen, sobald man die Produktion des Air in der zweiten Hälfte des Jahres zum Laufen gebracht hat.

"Unser Werk in Arizona kann über die derzeit 34.000 Einheiten pro Jahr hinaus erweitert werden. Wir folgen dem Motto: Mit einem High-End-Produkt beginnen und es schrittweise erschwinglicher machen."

Dabei will Rawlinson, der vor seiner Tätigkeit bei Lucid als Tesla-Chefingenieur arbeitete, offenbar bis zur Einstiegsklasse hinuntergehen: "Ich habe eine klare Vision, um an das mythische Elektroauto für 25.000 US-Dollar heranzukommen. Und um das voranzutreiben braucht man vor allem eines: Technologie." Über ein 25.000-Dollar-Auto hatte Tesla-Chef Elon Musk beim Battery Day im Herbst 2020 gesprochen.

Bei der Verwirklichung von günstigen Elektroautos spielen naturgemäß die Batteriekosten eine große Rolle. Doch ein alleinige Konzentration darauf ist laut  Rawlinson falsch. Der Fokus sollte zunächst auf dem Stromverbrauch liegen. Da hat Rawlinson natürlich recht: Um die Batteriekosten zu senken, kann man entweder auf eine günstigere Chemie ohne Metalle wie Nickel oder Kobalt setzen, wie Lithium-Eisenphosphat (LFP). Oder man kann den Stromverbrauch senken und eine kleinere Batterie einbauen.

"Wie viele Meilen kann ich pro Kilowattstunde fahren? Was ist ein guter Wert?", fragte Rawlinson rhetorisch und gab sich selbst die Antwort:

"Mit einem relativ luxuriösen Auto wie dem Lucid Air erreichen wir 4,5 Meilen pro kWh. Stellen Sie sich vor, wir könnten mit einem günstigeren Auto 6 Meilen pro kWh erreichen." (Lucid-Chef Rawlinson)

Die gleiche Zahl von 4,5 Meilen pro kWh für den Air nannte Lucid auch kürzlich in einem Dokument für Investoren und verglich den Wert mit der Konkurrenz:

Lucid Investor Deck (2021)

4,5 Meilen pro kWh entsprechen 14 kWh pro 100 Kilometer, was in der Tat ein sehr niedriger Stromverbrauch ist. Porsche gibt für den Taycan das Doppelte an, nämlich rund 28 kWh/100 km. Wenn man den Wirkungsgrad verdoppelt, reicht die halbe Batteriegröße, sagte Rawlinson – offenbar ohne Porsche zu nennen. So würde man nicht nur die Batteriekosten halbieren, sondern auch noch das Gewicht der Batterie. "Das ist doch besser als nur die Batteriekosten zu senken?", so Rawlinson.

Der Lucid Air Grand Touring soll 832 Kilometer mit einer Ladung schaffen – nach amerikanischer EPA-Norm. Zur Batteriegröße in kWh macht Lucid keine Angaben. Außerdem soll der Wagen einen extrem gute Aerodynamik haben und dank 900-Volt-Architektur schneller Reichweite nachladen als der Porsche Taycan. Die zugrunde liegende Plattform soll auch für künftige Modelle genutzt werden, wie Lucid vor einem Monat bekannt gab. Das erste zu erwartende Modell wird der Lucid Gravity sein, ein SUV, das 2023 starten soll. Von besonders günstigen Elektroautos war damals nicht die Rede.

Bildergalerie: Lucid Air Dream Edition