Es gibt Tage, da jagt eine Elektroauto-Neuheit die andere, aber an anderen Tagen rührt sich dann wieder gar nichts. Solche stillen Tage geben uns Gelegenheit, uns mit Elektroautos zu beschäftigen, die vor längerer Zeit vorgestellt wurden – nach dem Motto: "Was ist eigentlich mit dem XYZ?"

So stellen wir hier nun den Stand der Dinge zum Thema TOGG zusammen. Das Kürzel steht nicht etwa für ein Auto, sondern für die "Türkische Automobil-Initiativgruppe" (Türkiye’nin Otomobili Girişim Grubu), ein Konsortium von fünf türkischen Unternehmen. Diese enthüllte im Dezember 2019 zwei Elektroautos, ein Kompakt-SUV und eine Stufenhecklimousine.

Bildergalerie: TOGG SUV (2019)

Zuerst soll offenbar das SUV auf den Markt kommen, und zwar schon 2022. Zwei Antriebsversionen und zwei Akkupakete (für 300 oder 500 Kilometer Reichweite) wurden angekündigt, und auf der Website von TOGG hat es den Anschein, als würden die Daten noch immer gelten:

  200-PS-Version 400-PS-Version
Antrieb Heckantrieb Allradantrieb
Leistung 147 kW 2 * 294 kW = 588 kW
0-100 km/h 7,6 Sek. 4,8 Sek.
Reichweite 300 oder 500 km 300 oder 500 km

Die Akkugrößen – offenbar gibt es zwei verschiedene – wurden noch nicht verraten. Doch sollen sich die Batterien in weniger als 30 Minuten auf 80 Prozent aufladen lassen.

Weder der Name des neuen Modells noch die genauen Maße sind bisher bekannt – nur der Radstand von 2,80 Meter wurde genannt. Zum Vergleich: Der VW ID.4 hat einen Radstand von 2,77 Metern, der Hyundai Ioniq 5 liegt bei 3,00 Metern. Chefdesigner für das türkische SUVs ist Murat Günak, der bis 2007 das VW-Design verantwortete.

Innen gibt es eine ungewöhnlich gestaltete Mittelkonsole:

TOGG-SUV
TOGG-SUV

Außerdem zeigen die Bilder vier große Displays; hinzu kommen noch die Displays der Außenspiegel, die an den A-Säulen angebracht sind. Denn das Fahrzeug soll offenbar wie der Audi e-tron Kameras statt Außenspiegeln haben. Außerdem werden Over-the-air-Updates unterstützt und das Auto soll autonome Fahrfähigkeiten ("Level 2+") besitzen. Von einem Augmented-Reality-System und Car-to-X-Technik ist ebenfalls die Rede.

togg-canli-yayin (Bildquelle: https://tr.motor1.com/news/499983/togg-tesisi-canl%C4%B1-yay%C4%B1n/)
Der Bau des TOGG-Autowerks begann im Sommer 2020

Das Yerli Otomobil (wörtlich "Inländisches Auto") soll in der Hafenstadt Gemlik gebaut werden, die etwa 90 Kilometer südlich von Istanbul liegt. Die Fabrik ist derzeit im Bau und soll laut TOGG-Website schon im dritten Quartal 2021 fertig werden. Den aktuellen Stand der Bauarbeiten kann man in einem Youtube-Livestream sehen. Danach befindet sich die Fabrik noch im Rohbau:

Ab Ende 2022 soll in Gemlik das Elektro-SUV gebaut werden. Die Produktionskapazität soll nicht weniger als 175.000 Autos jährlich betragen. Zuerst soll es das Auto natürlich in der Türkei geben, gleichzeitig auch schon in Deutschland als erstem Exportmarkt.

Die Batteriezellen sollen zunächst aus dem geplanten deutschen Batteriezellen-Werk des chinesischen Batterieherstellers Farasis kommen, später sollen sie in der Türkei gefertigt werden, wie das Handelsblatt im Oktober 2020 berichtete. Dabei soll sogar Lithium aus Westanatolien verwendet werden.

Bis 2030 will das TOGG-Konsortium insgesamt fünf Modelle auf den Markt bringen, darunter neben dem Kompakt-SUV und der Stufenhecklimousine auch ein Hatchback, ein Kompaktvan und ein Kleinwagen-SUV.

Der Bau eines türkischen Elektroautos ist ein langjähriges Projekt des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Schon heute werden Autos in der Türkei hergestellt, allerdings von ausländischen Marken, so zum Beispiel der Fiat Tipo.