MG4 EV Urban (2026) im Fahrbericht: Besser als ID. Polo und Co.?
Der Zusatz "Urban" täuscht, das Fahrzeug ist 4,40 Meter lang
Man kennt es manchmal aus dem Supermarkt. Von der Verpackung brüllt es "Jetzt mehr driin zum gleichen Preis". Doch oft genug handelt es sich um Etikettenschwindel. So auch beim neuen MG4 EV Urban? Schließlich verspricht er die Größe eines VW ID.3 zum Preis eines Hyundai Inster oder Renault 5. Nur eine Mogelpackung oder ein echter Preisbrecher?
Wir konnten das neue Elektroauto aus China nun erstmals fahren. Tatsächlich ein "überzeugendes Gesamtpaket mit einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis", wie es MG vollmundig verspricht? Hier zunächst die wichtigsten Daten:
| Schnelle Daten | MG4 Urban (2026) |
| Antrieb | FWD 110/118 kW |
| 0–100 km/h / Höchstgeschwindigkeit | "unter zehn Sekunden"/160 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 15,3 - 15,5 kWh/100 km |
| Akku netto | 43/54 kWh |
| WLTP-Reichweite | 325/416 km |
| DC-Ladeleistung | 82/87 kW |
| Preis | ab 24.990 Euro |
Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit
Karosserie/Design
Der MG4 EV Urban leistet sich ein Kuriosum: Er trägt zwar den Zusatznamen "Urban", ist aber mit 4,40 Meter länger als der aktuelle MG4 (den es weiterhin gibt). Und er liegt damit deutlich über einem VW ID.3 Neo.
Das Design des Urban ist gefällig mit klar gezeichneten Flächen, kurzen Überhängen und einem langen Radstand von 2,75 Meter. Schlanke LED-Scheinwerfer und ein durchgehendes LED-Lichtband am Heck prägen den Auftritt. In der Realität wirkt der Urban kleiner als er tatsächlich ist. Anders als ein Renault 5 haut einen die Optik nicht vom Hocker, doch man schaut gerne hin.
Bildergalerie: MG4 EV Urban (2026) im Test
Gleichzeitig folgt die Gestaltung funktionalen Kriterien: Ein Luftwiderstandsbeiwert von 0,263 sowie ein aktives Luftleitsystem im Frontbereich sollen Effizienz und Reichweite verbessern. Es gibt keine Spielereien bei den Türgriffe, sondern vier massive Bügel. Ausgezeichnet! Verschiedene Außenfarben stehen je nach Ausstattung ohne Aufpreis zur Verfügung.
Innenraum
Im Innenraum verfolgt MG ein klar strukturiertes und digital orientiertes Konzept. Die horizontal gestaltete Cockpit-Architektur kombiniert reduzierte Linien mit logisch angeordneten Bedienelementen. Zentral sind ein 12,8-Zoll-Touchscreen sowie ein 7-Zoll-Instrumentendisplay integriert. Smartphone-Integration über Apple CarPlay und Android Auto gehört zum Serienumfang. Leider erweist sich das Infotainment oft als verschachtelt, wenn man bestimmte Funktionen sucht.
Zusätzlich bleibt die Bedienung durch physische Tasten für Klima- und Medienfunktionen bewusst einfach gehalten. Sehr bemerkenswert ist die für die Preisklasse hohe Materialgüte: Was wie Metall aussieht, fasst sich auch so an. Etwa die beiden Drehregler für Temperatur und Lautstärke unter dem Touchscreen. Die Lautstärke liegt etwas unpraktisch rechts, vermutlich eine Konzession an den für MG wichtigen britischen Markt. Qualitativ nur mäßig sind die Lenkstockhebel. Auch das Instrumentendisplay könnte man schöner integrieren und grafisch noch aufwerten.
Das Platzangebot fällt trotz kompakter Karosserie großzügig aus: Der Radstand von 2.750 Millimetern ermöglicht viel Platz im Fond, dazu kommen 30 Ablagefächer und ein Kofferraumvolumen von 470 Litern plus 98 Liter Stauraum unter dem Ladeboden. Bei umgelegter Rückbank steigt das Ladevolumen auf bis zu 1.362 Liter. Vorne sitzt man subjektiv etwas enger, dazu trägt die hoch angeordnete Mittelkonsole bei. Gut: Es gibt einen Haltegriff für den Beifahrer im Dachhimmel.
Antrieb/Fahreindrücke
Beim Antrieb basiert der MG4 EV Urban auf der neuen E3-Elektroplattform mit einem hochintegrierten 6-in-1-Antriebssystem. Elektromotor, Getriebe, Steuergerät, Ladegerät, DC/DC-Wandler und Leistungsverteiler sind dabei in einer kompakten Einheit zusammengefasst. Ergänzt wird das Konzept durch die sogenannte Cell-to-Body-Technologie, bei der die Batterie tragender Bestandteil der Karosseriestruktur ist. Das soll Gewicht sparen, die Verwindungssteifigkeit erhöhen und den Innenraum effizienter nutzbar machen.
Angeboten werden zwei Lithium-Eisenphosphat-Batterien mit 43 oder 54 kWh. Die kleinere Variante leistet 110 kW beziehungsweise 149 PS, die größere 118 kW beziehungsweise 160 PS. Beide Versionen treiben die Vorderräder an, bieten jeweils 250 Nm Drehmoment und beschleunigen in unter zehn Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt stets bei 160 km/h. Vier Fahrmodi, mehrere Rekuperationsstufen sowie serienmäßiges One-Pedal-Driving sollen Effizienz und Alltagstauglichkeit verbessern.
MG4 EV Urban (2026) im Test
Wir waren mit großem Motor und großem Akku unterwegs. Man sitzt als Fahrer recht hoch, der Beifahrersitz ist nicht höhenverstellbar. Am Fahrverhalten ist nichts auszusetzen, leise und unauffällig schnürt der Urban durch die Stadt und die Autobahn. Dank der gut austarierten Lenkung gibt es sogar einen Hach von Sportlichkeit, die 17-Zoll-Bereifung macht den Wagen aber für unseren Geschmack etwas zu straff im Abrollverhalten.
Verbrauch/Preis
Der WLTP-Verbrauch liegt je nach Version zwischen 15,3 und 15,5 kWh pro 100 Kilometer. Bei flotter Fahrweise kamen wir auf 16,0 kWh, moderat, aber nicht lahm sogar auf nur 13,5 kWh. Das kann sich sehen lassen. Mit der 54-kWh-Batterie erreicht der MG4 EV Urban offiziell bis zu 416 Kilometer Reichweite, die kleinere Batterie ermöglicht bis zu 325 Kilometer.
Geladen wird an Schnellladesäulen mit bis zu 82 beziehungsweise 87 kW, wodurch der Ladezustand in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent steigen. Eine serienmäßige Wärmepumpe soll den Energieverbrauch bei niedrigen Temperaturen senken. 87 kW Ladeleistung sind nominell eher unterwältigend. Hier muss ein ausführlicher Test zeigen, ob der MG diese 87 kW konstant hält, was diese Ziffer relativieren würde.
MG4 EV Urban (2026) im Test
Preislich startet der MG4 EV Urban in Deutschland vor Prämien bei 24.990 Euro für die Active-Version mit 43-kWh-Batterie. Darüber rangieren Comfort- und Premium-Varianten bis maximal 31.490 Euro. Bereits die Basisausstattung umfasst LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Navigationssystem, Rückfahrkamera, Vehicle-to-Load-Funktion sowie zahlreiche Assistenzsysteme. Zum Vergleich: Der Renault 5 beginnt bei 28.000 Euro, der neue VW ID. Polo derzeit sogar deutlich darüber.
Fazit:
Viel Auto fürs Geld: Der frühere Ford-Slogan ist beim MG4 EV Urban nicht übertrieben. Er punktet beim Platzangebot, dem Ambiente innen, dem Verbrauch und dem Preis. Lediglich die Ladeleistung erscheint ausbaufähig. Trotzdem scheint es nicht zu gewagt, ihn als einen kommenden Bestseller der Marke zu prognostizieren.
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