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EuroNCAP-Crashtests: Die Anforderungen werden verschärft

Künftig werden mehr physische Bedienelemente verlangt und es gibt einen neuen Frontalcrash.

MG3 im EuroNCAP-Crashtest
Bild von: ©ADAC/ABGEDREHT

EuroNCAP verschärft seine Crashtests und die Anforderungen an Neuwagen, die fünf Sterne erhalten, alle drei Jahre. Die Änderungen für 2026 sind die größten seit vielen Jahren. Hinzu kommen unter anderem ein neuer Crashtest bei niedriger Geschwindigkeit und höhere Anforderungen an die Assistenzsysteme.

Das European New Car Assessment Programme ist nicht nur ein "Europäisches Neuwagen-Bewertungs-Programm", sondern auch die dahinterstehende Verbraucherschutzorganisation mit Sitz in Brüssel. Zu den Mitgliedern gehören auch zahlreiche europäische Automobilclubs wie der ADAC. Dieser stellt nun die Änderungen in der Testprozedur zusammen. Das Testprogramm umfasst künftig vier neue Kategorien: sicheres Fahren, Unfallvermeidung, Unfallschutz und Rettung nach einem Unfall.

Sicheres Fahren

Fachleute unterscheiden zwischen aktiver und passiver Verkehrssicherheit. Die aktive Sicherheit umfasst Maßnahmen, die einen Unfall verhindern helfen. Ein Teil davon fällt in den Bereich Sicheres Fahren. Dazu gehören zum Beispiel Tempomaten, Abstands- und Lenkassistenten. Auch die Fahrerüberwachung per Kamera zur Warnung vor Sekundenschlaf sowie die Warnung vor dem Vergessen von (schlafenden) Kindern im Auto gehören dazu.

Auch die Fahrzeugbedienung fällt in diese Rubrik: So gibt es künftig Funktionen, für die physische Bedienelemente vorhanden sein müssen. Nach einem Artikel von Auto Motor und Sport soll dies für Blinker, Scheibenwischer, Warnblinkanlage, Hupe und Notruf (e-Call) gelten. Auch sollen die Hersteller "ermutigt" werden, für Sitz- und Spiegeleinstellung oder die Belüftung physische Bedienelemente anzubieten.

Unfallvermeidung

Der andere Teil der aktiven Sicherheit wird unter der Überschrift Unfallvermeidung abgehandelt. Dazu gehören zum Beispiel Notbremsassistenten oder Spurhaltesysteme. Nun werden auch Szenarien mit möglichen Unfallgegnern wie Zweirädern oder Leuten zu Fuß geprüft. Und die Szenarien werden ausgeweitet, zum Beispiel auf andere Auftreffwinkel, schlechtes Wetter und bisher nicht geprüfte Geschwindigkeitsbereiche. Außerdem wird bewertet, wie sanft oder ruppig Systeme wie der Spurhalteassistent eingreifen.

Unfallschutz

Zum Bereich passive Sicherheit gehören alle Maßnahmen zur Abschwächung von Unfallfolgen. In den neuen EuroNCAP-Bereich Unfallschutz fallen die Fahrzeugstruktur, Sicherheitsgurte, Airbags und Kopfstützen.

Neu ist ein Frontalcrash mit 35 km/hDenn nicht immer sind die Folgen bei höherem Tempo schwerwiegender als bei niedriger Geschwindigkeit. So ergab ein Test des kompakten Verbrennermodells MG3 (unser Titelbild) von 2025, dass bei 35 km/h höhere Kräfte auf die Person am Steuer einwirken als bei 50 km/h. Die Erklärung für dieses auf den ersten Blick paradoxe Ergebnis: Die meisten Hersteller legen Karosserie und Gurtstraffer für höhere Geschwindigkeiten aus. 

Eine Verbesserung der Situation versprechen adaptive Gurtstraffer, die sich auf die Aufprallgeschwindigkeit und das Gewicht der angeschnallten Person einstellen. Künftig werden verschiedene Dummies auf unterschiedlichen Positionen im Fahrzeug eingesetzt. Außerdem sollen computersimulierte Crashs mit digitalen Menschmodellen die Tests mit Dummies ergänzen, um ein realistischeres Bild der Unfallfolgen zu erhalten.

Rettung nach einem Unfall

In der letzten Bewertungskategorie liegt der Fokus auf der Zeit nach einem Unfall. Bewertet werden die Funktion des eCall-Systems, die Verfügbarkeit von Rettungskarten und mehr. Bei Elektroautos wird geprüft, ob die Traktionsbatterie abgekoppelt wird und wie die Systeme eine Überhitzung verhindern. Elektrische Türgriffe und Kofferraumklappen müssen nach einem Aufprall noch funktionieren, um eine Rettung zu ermöglichen. Fenster müssen auch dann noch zu öffnen sein, wenn das Auto in einen See oder einen Fluss gestürzt ist.

Unter dem Strich

Viele Kolleginnen und Kollegen fluchen bei unseren Testfahrten auf den intelligenten Geschwindigkeitsassistenten, der bei Überschreitung des Tempolimits warnt, oder auf die Kameraüberwachung der Person am Steuer. Doch diese und viele andere Systeme sind wichtig für die Sicherheit. Allerdings gibt es solche und solche Systeme: Allzu penetrant pfeifende Tempo-Warner nerven wirklich und werden schnell abgeschaltet, und wenn die Fahrerüberwachung schon bei einem schwachen Blinzeln reagiert, ist das auch nicht zielführend. All diese Dinge werden nun auch bei EuroNCAP geprüft.

Gut finden wir auch, dass physische Bedienelemente positiv bewertet werden. Vermutlich vergessen nicht nur wir Journalisten ab und zu, die Außenspiegel nach einem Fahrerwechsel richtig einzustellen. Wenn man dafür dann am Touchscreen nach dem richtigen Untermenü suchen muss, lenkt das kolossal ab. Außerdem sollte man wichtige Funktionen im Notfall schnell finden. Bedenken gibt es da zum Beispiel bei der Warnblink-Taste des Model 3, die Tesla-Neulinge selten auf Anhieb entdecken – sie befindet sich am Dachhimmel.