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Für eine persönlichere Erfahrung

Segway Ninebot Max G3: E-Scooter im Test

Der E-Scooter bietet viel Komfort und Reichweite, ist für Einsteiger aber etwas gewöhnungsbedürftig

Segway Ninebot Max G3
Bild von: InsideEVs
Stefan Leichsenring Stefan Leichsenring

Donnerstagnachmittag: Der E-Scooter ist da. Ein sackschweres, brusthohes Paket steht direkt vor der Haustür. In den nächsten Wochen testen wir den Elektro-Tretroller Segway Ninebot Max G3.

Inbetriebnahme

Nachdem wir es geschafft haben, den Lenker anzuschrauben und den Roller aus der Verpackung zu ziehen, laden wir den Roller erst einmal auf. Stecker rein und los geht's. Allerdings hat der Segway Ninebot Max G3 keinerlei physische Ladeanzeige. Solange keine Bluetooth-Verbindung mit dem Handy besteht, kann man also nicht sehen, ob der Roller ganz leer oder ganz voll oder irgendetwas dazwischen ist. Nach mehreren vergeblichen Pairing-Versuchen rät die KI-Onlinehilfe des Rollers, den Startknopf für 15 Sekunden zu drücken, bis ein Pieps ertönt und dann den Roller neu zu starten. Das funktioniert.

Segway Ninebot Max G3

Für Große: Der Segway-Roller hat einen ziemlich langen Lenker

Bild von: InsideEVs

Erste Fahreindrücke

Dann wagen wir uns erstmals mit dem Roller hinaus. Gott sei Dank passt er in den Aufzug, ansonsten hätte es schlecht ausgesehen, denn aus dem siebten Stock hätten wir das Ding nicht schleppen mögen. Obwohl es möglich gewesen wäre: Man kann den Roller zusammenklappen und dann die Lenkstange als Tragegriff verwenden.

Segway Ninebot Max G3 in zusammengeklapptem Zustand

Der Segway Ninebot Max G3 im zusammengeklappten Zustand

Bild von: InsideEVs

Das Handbuch hatte abgeraten, das Ding in belebter Umgebung oder gar in der Nähe von Fußgängern, Radfahrern oder Kraftfahrzeugen zu benutzen. Das ist leicht gesagt, aber wenn man in der Münchner Innenstadt wohnt, bleibt einem nicht viel anderes übrig. Nach ein wenig Üben im Hinterhof geht es hinaus ins urbane Verkehrsgewühl. Sicherheitshalber erstmal im Eco-Modus, denn der ist auf 15 km/h limitiert.

Der Kickscooter fühlt sich verflucht wackelig an. Das liegt daran, dass der Lenker direkt über der Vorderachse liegt und auch daran, dass er nun mal nur zwei Räder hat. Zudem ist der Lenker beim Max G3 extrem lang, auch im Vergleich zu den in München angebotenen Leihrollern. Damit eignet er sich wohl am besten für Große. Bei 1,75 Meter Körpergröße wäre ein kürzerer Lenker oder eine Verstellmöglichkeit wünschenswert.

Wenn man sich zu schwach abstößt, dann hilft es nichts, den Gashebel rechts am Lenker nach unten zu schieben. Denn ein gewisses Mindesttempo ist nötig, damit die Elektrounterstützung einsetzt. Am schwersten ist es, gleich nach einem Ampelstart rechts abzubiegen, dann kommen beide Probleme zusammen, das unsichere Gefühl und das Abstoßen.

Segway Ninebot Max G3: Das Display

Segway Ninebot Max G3: Das Display

Bild von: InsideEVs

Aber allmählich wächst das Selbstvertrauen, wir wechseln von Eco auf den Drive-Modus, in dem 20 km/h drin sind, und einmal auch kurz zum Sport-Modus, in dem der Gashebel schneller reagiert. Aber schnell kehren wir zum Drive-Modus zurück. Auch hier ist das Gas etwas schwer dosierbar. Vorsichtig anzufahren, um sich an eine Sichtlinie heranzutasten, ist wirklich schwierig. Das Ding saust mit einem Affenzahn los. Aber bei 20 km/h wird das Beschleunigen eingestellt. Wer Rad fährt und einigermaßen sportlich unterwegs ist, dem kommt diese Endgeschwindigkeit ziemlich lahm vor, aber so ist es nun einmal behördlich vorgeschrieben.

Vor dem Losfahren zeigte der Roller eine Restreichweite von 77 km an. Nach fünf Kilometern im Stadtverkehr hat sich der Wert auf 67 km reduziert. Zumindest in der Stadt mit häufigen Sprints und Bremsen ist die Reichweite also etwas geringer als die Herstellerangabe von 75 km.

Bremsen, Fahrwerk und Absperren

Die Bedienung und das Fahren sind zunächst nicht einfach. Vor allem, wenn man nach links über die Schulter blicken muss, um sich zum Linksabbiegen einzuordnen, fühlt man sich mit dem wackeligen Ding unsicher. Man sieht auch ungern nach unten, um die Klingel, die Blinkertasten oder den Fahrmodus-Schalter zu betätigen.

Aber schon nach kurzer Zeit geht es besser. Auch ein kleiner Berg mit vier Prozent Steigung nimmt der Segway problemlos, bleibt stoisch bei seinen 20 km/h, während man auf dem Rad schon arge Mühe hätte, dieses Tempo zu halten.

Beim Bremsen kommt der Max G3 nicht so schnell zum Halt wie ein Trekkingrad mit großen Scheibenbremsen: Der Max G3 ist ja ziemlich schwer und lässt sich auch mit den beiden Ein-Finger-Bremsen nicht so schnell zum Stehen bringen. Dafür ist der Segway komfortabler als das Rad.

Segway Ninebot Max G3: Einstellung der Federn hinten

Einstellung der Federn hinten

Bild von: InsideEVs

Dank der Federung sowie den weich aufgepumpten 11-Zoll-Reifen spürt man Kanaldeckel oder Trambahnschienen kaum. Die aufwendige Hydraulik-Federung ist die Spezialität des Max G3.

Die beiden hinteren Federn lassen sich sogar einstellen. Dazu setzt man den beiliegenden Inbus in eines der Löcher an der um die Feder herumführende Schelle ein und dreht nach links für weicher oder nach rechts für härter. Sinnvollerweise sollte man auf beiden Seiten das Gleiche einstellen. Nach fünf Drehbewegungen in Richtung "Soft" wird der Roller noch weicher und angenehmer. Schön wäre nur, wenn man die Einstellung am Roller ablesen könnte, sodass man sich nichts merken muss.

Um nicht jedes Mal ein Fahrradschloss zum Anketten mitnehmen zu müssen, empfiehlt es sich, das Smartphone mit der App als Schlüssel zu verwenden. Bevor man die Sperrfunktion in der App aktivieren kann, muss man einen Entsperrcode mit den vier Haupttasten am Lenker festlegen, zum Beispiel "oben, unten, links, rechts". Nun lässt sich der Roller mit dieser Tastenkombination entsperren, auch wenn man das Handy nicht dabei hat oder es defekt ist. Ist Bluetooth aktiviert, wird der Roller auch durch bloßes Einschalten benutzbar.

Rechtliches

Wer neu auf dem Roller ist, sollte sich vor der Benutzung über die Rechtslage informieren. Einen Führerschein braucht man nicht für einen E-Scooter, man muss aber über 14 Jahre alt sein. Außerdem sollte man auf keinen Fall ohne Versicherung fahren, denn das stellt eine Straftat dar, keine bloße Ordnungswidrigkeit. Also erst ein Versicherungskennzeichen besorgen; dazu kann man einen Versicherer auf einer Kfz-Versicherungsvergleichsseite wie Check24 auswählen. Oder man schaut beim Elektronikdiscounter Mediamarkt vorbei und nimmt das Kennzeichen gleich mit.

Um das Kennzeichen abzuholen, sollte man die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) und die Herstellerschlüsselnummer (HSN) aus der Datenbescheinigung mitnehmen. So oder so, für Fahrerinnen und Fahrer ab 23 Jahren kostet die Versicherung meist weniger als 50 Euro für ein Jahr, für Jüngere ist es etwas teurer.

Ansonsten gelten ähnliche Verkehrsregeln wie für ein Fahrrad oder das 25-km/h-E-Bike: Man fährt also auf dem Radweg. Es gibt aber wichtige Unterschiede. Anders als mit dem Rad muss man den Radweg aber auch dann benutzen, wenn für Radfahrende keine Benutzungspflicht besteht (kein blaues Schild). Wie beim Rad gibt es keine Helmpflicht, auch wenn dieser Schutz empfehlenswert ist, genauso wie eine Warnweste, zumindest bei Dunkelheit.

Ein Unterschied zum Rad ist das Thema Alkohol: Die Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit wird hier nicht erst bei 1,6 Promille, sondern schon bei 1,1 Promille erreicht. Und schon ab 0,5 Promille riskiert man 500 Euro Bußgeld, 2 Punkte in Flensburg und 1 Monat Fahrverbot.

Bildergalerie: Segway Ninebot Max G3

Preis und Ausstattung 

Der Segway Ninebot Max G3 kostet 999 Euro, die Straßenpreise beginnen schon bei 799 Euro. Es gibt durchaus günstigere E-Scooter, aber der von Segway wirkt sehr solide. Und erstaunlicherweise ist das Ding deutlich billiger als so manches Mittelklasse-Fahrrad, für das wohl mindestens 1.500 Euro zahlt. Dabei hat der Roller deutlich mehr Technik an Bord.

Und wie ist es im Vergleich zum Leihroller? In München zahlt man einen Euro pro Fahrt plus 20 bis 35 Cent pro Minute. Eine halbstündige Fahrt kostet also mindestens sieben Euro. Nach etwa 150 Fahrten hat sich der gekaufte Max G3 also amortisiert. Im Winter wird man selten damit fahren, aber wer 50 Fahrten im Jahr macht, hat den Break-even nach drei Jahren erreicht. Dazu kommt: Nicht überall gibt es Leihroller, schon in kleineren Städten wie Freising bei München bleibt nur ein gekaufter Scooter.

Zur Ausstattung des Segway Max G3 gehören eine Fahrradklingel, zwei Blinker, zwei Scheibenbremsen, ein LED-Licht vorn, ein Rückstrahler hinten, ein Display, die Federn vorn und hinten und ein Ladekabel. Hier sind die wichtigsten technischen Daten:

  • Maximale Leistung: 2.000 Watt 
  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 20 km/h
  • Maximale Steigung: 30 Prozent
  • Batterie: 597 Wattstunden
  • Maximale Reichweite: 80 km (bei 15 km/h im Eco-Modus)
  • Ladezeit: ca. 3:30 Stunden
  • Leergewicht: 24 kg
  • Scheibenbremsen vorn und hinten
  • Doppelte hydraulische Federung
  • Segride (Stability Enhancement System) 
  • TFT-Display
  • Segway AirLock (Bluetooth-Entsperrtechnologie)
  • Apple Find My
  • Preis: 999 Euro (Straßenpreise ab 799 Euro)

Fazit

Der Segway Ninebot Max G3 war der erste E-Scooter, den InsideEVs getestet hat. Daher ist es notgedrungen ein Test aus Anfängersicht geworden. Eine Fahrt durch die Stadt auf dem Segway fühlt sich für uns wackeliger und unsicherer an als auf dem Fahrrad.

Dennoch, auch als Anfänger kommt man mit so einem E-Scooter zurecht. Dazu ist nur etwas Übung nötig. Das Positive an dieser Art der Mobilität ist ja nicht zu unterschätzen: Man fährt komfortabler und mit weniger Anstrengung als mit dem (Muskel-)Rad, man schwitzt auch beim Bergauffahren nicht und kommt an der Ampel schneller los. Trotzdem, das Fahrrad ist unkomplizierter, es fühlt sich sicherer an und man kann damit auch in den Biergarten fahren.