Volvo EX90 und Polestar 3 im Reichweiten-Vergleich
Gleiche Batterie, gleiche Motoren-Hardware, aber andere Leergewichte und Aerodynamik: Wie groß ist der Unterschied?
Update vom 1. Oktober 2025: Die getesteten 400-Volt-Versionen werden demnächst auf 800 Volt umgestellt. Lesen Sie dazu unsere Artikel zum Volvo EX90 mit 800 Volt und zum Polestar 3 mit 800 Volt.
Reichweite ist immer noch einer der wichtigsten Faktoren, wenn es um einen Elektroauto-Kauf geht. Nun hat ein erfahrener Reichweitentester den Volvo EX90 und den Polestar 3 in Sachen Reichweite und Verbrauch bei konstant 120 km/h verglichen. Dabei handelte es sich jeweils um die Allradversion mit der großen 107-kWh-Batterie.
Der norwegische Youtuber Kris Rifa testete die beiden Fahrzeuge in Spanien; die Temperaturen waren mit 20 bis 25 Grad ziemlich optimal für einen niedrigen Verbrauch, der Verkehr war den Videos nach gering. Kris fuhr etwa 200 km auf der Autobahn. Er wendete jeweils nach 100 km, um Faktoren wie die Höhendifferenz und Wind so weit wie möglich auszuschalten.
Er fuhr den EX90 einzeln (Youtube-Video), dann den Polestar 3 einzeln (Youtube-Video) und anschließend noch beide Autos parallel im Konvoi mit einer Kollegin (Video oben). Den Verbrauch las er im Bordcomputer ab und errechnete aus der Netto-Kapazität die Reichweite. Mit anderen Worten, er gab sich viel Mühe. Aber einen wissenschaftlichen Anspruch will er nicht erheben, wie er sagt.
Der Volvo EX90 ist immerhin 14 cm länger und 13 cm höher als der Polestar; dazu kommen kastenartige Grundformen – schlecht für die Aerodynamik. Der Polestar 3 ist deutlich coupéartiger und das Leergewicht um bis zu 200 kg niedriger. Aber beide Fahrzeuge kommen aus dem Geely-Konzern, basieren auf der gleichen Plattform (SEA), haben die gleiche Batterie und sogar die gleiche Motoren-Hardware, auch wenn die Leistung beim Polestar per Software etwas verringert wird. Die beiden Testautos hatten auch die gleiche Felgengröße. Hier die wichtigsten Daten:
| Polestar 3 Long Range Dual Motor |
Volvo EX90 Twin Motor Performance | |
| Antrieb | AWD 360 kW (180+180 kW) |
AWD 380 kW / (180+200 kW) |
| Akku (netto) | 107 kWh | 107 kWh |
| 0-100 km/h / Höchstgeschw. | 5,0 Sek. / 210 km/h | 4,9 Sek. / 180 km/h |
| Länge / Höhe | 4,90 m / 1,61 m | 5,03 m / 1,74 m |
| Leergewicht | 2.579-2.623 kg | 2.750-2.780 kg |
| Radgröße beim Testwagen | 21 Zoll | 21 Zoll |
| WLTP-Verbrauch | 19,6-21,8 kWh | 20,3-22,0 kWh |
| Test-Verbrauch | 23,0-24,0 kWh | 24-26 kWh |
| WLTP-Reichweite | 636 km | 570-632 km |
| Test-Reichweite | 432-451 km | 399-432 km |
Wie aufgrund der unterschiedlichen Karosseriegrößen und -formen sowie der Leergewichte zu erwarten, schnitt der Polestar um 1 bis 2 kWh/100 km besser ab als der Volvo, die Reichweite war um etwa 20 bis 30 km höher. Bei den WLTP-Verbräuchen allerdings unterscheiden sich die beiden Autos nur hinter dem Komma.
Warum ist der Verbrauchsunterschied bei Kris deutlich größer? Vermutlich weil die Aerodynamik im Autobahntest einen viel größeren Einfluss hat als im Normzyklus, wo die Durchschnittsgeschwindigkeit knapp unter 50 km/h liegt. Die Testverbräuche liegen bei den meisten Tests von Kris rund 60 bis 70 Prozent über den WLTP-Werten, und so war es auch hier.
Da die Bedingungen bei den Einzeltests einerseits und dem Vergleichstest andererseits nicht absolut gleich waren, ergaben sich unterschiedliche Resultate für jedes Auto. Diese hat Kris fein säuberlich in seine Ergebnistabelle eingetragen (siehe Screenshot oben). Der Polestar liegt auf Platz 1 bzw. 3, der Volvo auf Rang 4 bzw. 7. Beide Fahrzeuge ordnen sich also bei der Reichweite weit oben ein.
Unter dem Strich
Reale Verbrauchstests sind ein schwieriges Geschäft, das belegt auch der Vergleichstest von Kris. Es kommt auf eine Vielzahl von Bedingungen an. Dazu gehören Windverhältnisse, Sonneneinstrahlung und Außentemperatur, und diese Faktoren liegen außerhalb des Einflussbereichs von Testern wie Kris.
Wir glauben nach wie vor an die WLTP-Werte. Denn die sind am besten vergleichbar. Sie werden unter absolut vergleichbaren Bedingungen, ohne Wind und Klimaanlage, ohne störenden Verkehr und bei der gleichen Außentemperatur durchgeführt.
Dass die Verbräuche in der Realität oft höher sind, spricht nicht gegen den Wert der Norm-Zahlen. Man muss sie nur zu lesen wissen. Man muss die Bedingungen scharf kontrollieren und das eigene Fahrverhalten einberechnen. Eine sehr wichtige Rolle spielen auch Räder/Reifen, die Ausstattung sowie das gefahrene Tempo. Aus Kris' Tests nehmen wir mit, dass ein Auto bei 120 km/h und mit Klimaanlage gut und gerne 70 Prozent mehr Strom brauchen kann als nach Norm.
Quelle: Kris Rifa auf Youtube
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