Model-3-Konkurrent zeigt: Chinesische Marken sind in Sachen Hightech topfit

Am Mittwoch (14. April) abends stellte der chinesische Hersteller Xpeng sein drittes Elektroauto vor: Der großen Limousine P7 und dem Kompakt-SUV G3 folgt nun eine weitere Limousine, der P5. Den Akzent legte Xpeng bei der Vorstellung auf das den Innenraum und die autonomen Fahrfähigkeiten mit Lidar-Unterstützung. Zum Antrieb wurde offiziell nichts verraten.

Der Wagen ist 4.808 Millimeter lang; damit ist er nur acht Zentimeter kürzer als der P7. Der Radstand liegt bei 2.768 Millimetern. Xpeng verglich das Auto auf dem Event auch mit der etwa gleich großen Mercedes C-Klasse und dem BMW 3er. Der P5 hat offenbar einen kleinen Kofferraumdeckel, keine große Ladeklappe. In den Laderaum passen 450 Liter oder drei Golfbags.

Antreten soll der P5 gegen das zehn Zentimeter kürzere Tesla Model 3. Wir vermuten, dass das Auto eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie von CATL erhält, wie der große Bruder P7. Die NEFZ-Reichweite soll über 600 km betragen, wie der deutsch-britische Autojournalist Greg Kable offenbar am Rande der Veranstaltung erfuhr:

 
Xpeng P5
Die "X Headlights"
Xpeng P5
Die Silhouette mit bodenförmiger Dachlinie

Der P5 hat eine ähnliche Optik wie der P7, wirkt aber ein klein wenig pummeliger. Die Frontleuchten zeigen die gleiche X-Optik wie beim P7 - sie ist offenbar markentypisch und erinnert an das "X" im Markennamen (der eigentlich Xiaopeng lautet).

Das Interieur mit dem "schwebenden" Armaturenbrett soll besonders viel Innenraum bieten. Auffällig ist der große Touchscreen (nicht weniger als 15,6 Zoll) im Hochformat; dagegen scheint das Instrumentendisplay ziemlich klein zu sein:

Xpeng P5
Xpeng P5

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des P5 sollen die autonomen Fahrfähigkeiten sein, die bei Xpeng Navigation Guided Pilot (NGP) heißen. Die neue Software trägt offenbar den Namen XPilot 3.5. Zur Hardware gehören nicht weniger als 32 Sensoren – zehn mehr, als das Model 3 hat, wie Xpeng ausführte. Dazu gehören neben etlichen Radarsensoren und Kameras (darunter eine "trinocular front-view camera", also eine aus drei Einzelkameras bestehende Stereokamera) auch zwei Lidar-Sensoren.

Die autonomen Fahrfähigkeiten basieren auf denen des P7. Doch dieser konnte nur auf der Autobahn autonom fahren, was nur zehn Prozent der Fahrten chinesischer Nutzer abdeckt, so Xpeng. Beim P5 soll sich der Anwendungsbereich auf Städte erweitern. Das dort herrschende Chaos (querschießende Roller, Fußgänger auf Zebrastreifen, Kinder, Haustiere, Baustellen mit Pylonen etc.) mache die Vielzahl der Sensoren nötig.

Xpeng P5
"Cinema Mode" mit flachgelegten Frontsitzen. Was genau der Unterschied zum Sleep Mode sein soll, wurde nicht klar (ein ausfahrender Riesen-Monitor wird wohl nicht an Bord sein)

Zu den sonstigen technischen Highlights gehört die Sprachsteuerung, mit der man zum Beispiel den Spurwechsel veranlassen kann. Außerdem kann man so den Sleep Mode aktivieren: Die Frontsitze werden flachgelegt und ein Timer eingestellt, so dass man im Auto ein Mittagsschläfchen einlegen kann. Außerdem kann man eine Drohne vom P5 aus starten lassen, die das Auto umkreist und Bilder ins Cockpit überträgt.

Der P5 soll im vierten Quartal dieses Jahres in China auf den Markt kommen. Eine Version für Europa ist in Vorbereitung - vermutlich wird sie zuerst in Norwegen starten, wo der G3 bereits auf dem Markt ist und der P7 bald folgen soll. Zu den Preisen brachte CNBC in Erfahrung, dass das Auto (wie aufgrund der unterschiedlichen Größe zu erwarten) günstiger als der P7 sein soll. Da sogar der P7 laut CNBC in China günstiger ist als das Tesla Model 3, wird das erst recht für den P5 gelten.

Zum Antrieb, Preisen und Marktstart will Xpeng nächste Woche auf der Shanghai Auto Show Angaben machen, hieß es. Wir sind gespannt. Denn auch wenn das meiste noch Zukunftsvisionen zu sein scheinen: Das Auto könnte mehr bieten als so manches Hightech-Flaggschiff aus Deutschland. 

Die halbstündige Pressevorstellung in Chinesisch mit englischer Synchronisation können Sie sich hier ansehen:

Der Xpeng P7 war zuerst 2019 auf der Shanghai Auto Show als seriennahe Studie zu sehen. Auf den (chinesischen) Markt kam er im Sommer 2020. Kollege Tom Moloughney von InsideEVs USA testete das Auto bereits im August. "Mit 706 Kilometern nach NEFZ ist der P7 das Elektroauto mit der größten Reichweite, das derzeit in China hergestellt wird", schrieb Moloughney damals und gab die Akku-Größe mit 81 kWh an. Moloughney fuhr ein Modell mit 316 kW starkem Allradantrieb, das in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 sprinten soll.

Der Xpeng G3 gehört mit 4,45 Meter Länge zu den Kompakt-SUVs. Die Daten lesen sich eher bürgerlich: Für den Antrieb sorgt eine PSM an der Vorderachse mit 145 kW. Mit dem 66-kWh-Akku soll das Auto 451 km nach WLTP schaffen. Das Auto ist seit Ende 2020 auch in Norwegen auf dem Markt. Die Preise starten bei 358.000 Kronen, umgerechnet knapp 36.000 Euro.

Bildergalerie: Xpeng P5 (2021)