Was taugt der Model-3-Konkurrent mit 700 Kilometer Reichweite?

InsideEVs hatte das Glück, als erstes westliches Medium den Xpeng P7 zu testen – zeitgleich mit dem New Yorker Börsengang von Xpeng im August 2020. Wir haben die Gelegenheit gern ergriffen, da der P7 weltweit auf großes Interesse stieß, obwohl das Auto derzeit nur in China erhältlich ist. 

Der P7 gilt als direkter Konkurrent des Model 3 von Tesla, obwohl er von der Größe her zwischen Model 3 und Model S liegt. Der Preis liegt jedoch ähnlich wie beim Model 3, ist sogar etwas niedriger. Das macht den Xpeng P7 zu einem attraktiven Angebot. Wenn er in der Praxis nicht patzt, was wir nun mit unserem Test herausfinden wollten. 

Mit 706 Kilometern nach NEFZ ist der P7 das Elektroauto mit der größten Reichweite, das derzeit in China hergestellt wird. Damit liegt der P7 auch 38 Kilometer vor dem Tesla Model 3 Long Range, für den das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) eine offizielle Reichweite von 668 Kilometern angibt. 

Xpeng mietete für uns einen großen Teil des Parkplatzes des MetLife-Stadions in East Rutherford (New Jersey), nur ein paar Meilen westlich von der Wall Street, wo der Börsengang stattfand. Mein Freund, der Elektroauto-Fan Chris Neff half uns bei den Videoaufnahmen und hat auch die Fotos in der Bildergalerie gemacht, die mich beim Fahren des P7 auf der Rennstrecke zeigen. 

Auf der Rennstrecke

Xpeng hatte einen schönen Kurs mit Bereichen für Spurts auf 70 mph (113 km/h) und Bremsen-Tests vorbereitet, dazu einen Slalom, einen schnellen Spurwechsel. Auch eine ordentliche Zahl von engen Kurven gab es. Darauf hat sich der P7 bewundernswert geschlagen. Er ist nicht ganz auf dem Niveau, das die besten Sportlimousinen der Welt bieten, aber er hat sich gut gehalten. 

Definitiv klar wurde, dass die Aufhängung mehr auf Komfort als auf sportliche Kurvenfahrten bei 50 km/h ausgelegt ist. Aber wie im Video angemerkt, ist der P7 wohl auch eher ein Auto, das den typischen chinesischen Kunden zufrieden stellen soll. Nachdem ich die Grenzen des Fahrzeugs kennengelernt hatte, machte es wirklich Spaß, den P7 zu fahren, und er erwies sich als gut berechenbar. 

Xpeng P7 on the track

Auf der Geraden verzögerte der P7 mit seinen Brembo-Bremsen außergewöhnlich gut, aber auf der Rennstrecke konnte ich die Räder trotz ABS bei sehr hartem Einsatz kurzzeitig zum Blockieren bringen. Vermutlich könnte dies mit einem Software-Update behoben werden; es überrascht etwas, dass dies nicht schon geschehen ist. Apropos, der P7 ist ein extrem gut vernetztes Fahrzeug und erhält Over-the-Air-Updates für viele seiner Systeme. 

Was die Rekuperation angeht, so gibt es zwei Modi: einen mit starker und einen mit schwacher Bremsenergierückgewinnung. Doch auch mit starker Rekuperation kann man das Auto mit einem Pedal fahren. Ich konnte es durch Gaswegnehmen nicht zum Stillstand bringen. Es gelang mir nicht, den Kriechgang zu deaktivieren.

Doch der größten Nachteil des P7 ist für mich die leichte Verzögerung mit der er auf Gasbefehle reagiert. Es ist nicht viel, Sekundenbruchteile wohl nur. Aber ich habe mich so daran gewöhnt, dass Elektroautos sofort losrasen, wenn ich das Gaspedal antippe, dass mich solche Wartezeiten stören.

Laut Xpeng besitzt das allradgetriebene P7-Performance-Modell, das ich gefahren bin, 430 PS (316 kW) und beschleunigt in 4,3 Sekunden von null auf 100 km/h. So ähnlich fühlte sich das auch an. Ich denke, wenn sie es schaffen, die leichte Verzögerung zu eliminieren, können sie die Zeit auf unter 4 Sekunden drücken.

Bildergalerie: Xpeng P7 Performance (2021)

Fazit

Der Xpeng P7 hat seine Schwächen, aber die würden uns nicht davon abhalten, ihn zu kaufen. Für den Preis hat er viel zu bieten, darunter eine 81-kWh-Batterie mit Thermomanagement, die die heckgetriebene P7-Version zum reichweitenstärksten Elektroauto aus chinesischer Produktion macht. Die allradgetriebene Performance-Version, die ich gefahren bin, hat etwa 130 Kilometer weniger Reichweite nach NEFZ.

Der P7 hat etliche moderne Fahrerassistenzsysteme, darunter Xpengs XPilot, und fährt derzeit autonom auf Level 2. Laut Xpeng besitzt der P7 die Hardware für autonomes Fahren auf Level 3 und die Fahrzeuge sollen 2021 per OTA-Update dafür freigeschaltet werden, sobald China offiziell das autonome Fahren auf Level 3 erlaubt.

Der P7 lässt sich in 28 Minuten von 30 auf 80 Prozent aufladen, doch die maximale Ladeleistung mit Gleichstrom konnten wir nicht ermitteln. Laut Xpeng kann man in zehn Minuten den Strom für weitere 120 Kilometer Reichweite nachladen. Der P7 hat zwei Ladeanschlüsse, einen am linken und einen am rechten vorderen Kotflügel. Einer ist für das DC-Schnellladen bestimmt, der andere für das AC-Laden.

Die Auslieferungen des P7 an Kunden begannen Ende Juni 2020, die Preise in China liegen bei 229.900 bis 349.900 Yuan (derzeit etwa 29.000 bis 45.000 Euro), wenn man die Förderung einbezieht. Der Xpeng-Vertreter auf der Fahrveranstaltung sagte uns, dass die Marke bis Ende Juli bereits 18.700 Einheiten des P7 an Käufer in China ausgeliefert hat.

Xpeng P7 Performance

Motor Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse
Leistung 316 kW (430 PS)
Beschleunigung 0-100 km/h 4,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
Länge 4,88 Meter
Breite 1,90 Meter
Höhe 1,45 Meter
Batterie 81 kWh
Elektrische Reichweite 630 km (NEFZ)