Vulcan Energy Resources will den Akku-Rohstoff hierzulande gewinnen

Die wertvollen Metalle Cobalt, Nickel und Mangan kann man bei der Akkuproduktion vermeiden, schließlich gibt es die Lithium-Eisenphosphat-Chemie. Nur Lithium-Ionen-Akkus ohne Lithium kann man nicht bauen. Woher also den Rohstoff nehmen? Die deutsche Firma Vulcan Energy Resources möchte das Alkalimetall aus Thermalwasser aus den Tiefen des Oberrheingrabens extrahieren, wie nun die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

Auch wenn Lithium für den Alltagsverstand ein Exot ist: Das dritte Element im Periodensystem ist häufiger als das weit bekanntere Blei. Lithium ist allerdings feiner verteilt. Selbst Lithium-Minerale wie Ambygonit enthalten nur neun Prozent Lithium, und auch die Mineralien kommen wieder nur fein verteilt vor.

Meist wird Lithium derzeit in der Nähe von Salzseen gewonnen. So lagern im Salar de Uyuni (Bolivien, unser Titelbild) die wahrscheinlich größten Lithium-Vorkommen. Doch eines der weltweit größten Vorkommen soll bei uns in Deutschland liegen, ist Horst Kreuter, Mitgründer von Vulcan Energy Resources, überzeugt.

Nach Schätzungen bietet die Region des Oberrheingrabens genug Lithium für über 400 Millionen Elektroautos. Bis zum Jahr 2024 will Kreuter 15.000 Tonnen Lithium-Hydroxid (LiOH) im Jahr gewinnen. Ab 2025 sollen weitere Anlagen dann für eine Jahresproduktion von 40.000 Tonnen sorgen – genug für eine Million Elektroautos. Billig ist das allerdings nicht: Die nötigen Investitionen sollen sich auf 1,7 Milliarden Euro belaufen. An der Börse eingesammelt hat Vulcan Energy Resources gerade mal 75 Millionen Euro.

Gänzlich unrealistisch ist das Vorhaben nicht, denn die Autoindustrie zeigt sich interessiert. So werde Daimler die Verwendung prüfen, sobald Vulcan Energy Produktionsmengen in Aussicht stellen kann, zitiert die FAZ eine Unternehmenssprecherin.

Eine Gewinnung hätte zwei Vorteile: Erstens wäre die deutsche Autoindustrie weniger abhängig von Importen und zweitens soll bei Gewinnung und Transport weniger CO2 entstehen. Zudem steht die Produktion in Südamerika in der Kritik, weil sie Bauern das Grundwasser entziehen soll. Dort wird Salzwasser aus großen Tiefen heraufgepumpt und an der Sonne durch Verdunstung aufkonzentriert.

Auch Kreuter will Lithium aus hochgepumptem Wasser gewinnen. Doch er will dem heißen Wasser Wärme zur Stromgewinnung entziehen und es dann wieder zurück pumpen. So wird dem Boden kein Wasser entzogen und der gewonnene Strom verbessert die Ökobilanz. Zudem dürfte der Stromgewinnung dafür sorgen, dass sich die Lithium-Gewinnung rentieren könnte.   

Auch EnBW prüft eine Gewinnung von Lithium aus Thermalwasser, das der Energieversorger in einem Geothermie-Kraftwerk in Bruchsal ohnehin an die Erdoberfläche fördert. Eine Pilotanlage soll zeigen, ob sich das Projekt lohnt. Das potenzielle Produktionsvolumen schätzt EnBW auf 900 Tonnen jährlich, was für immerhin 20.000 Batterien reicht.