VW nimmt stationären 40.000-kWh-Speicher in Salzgitter in Betrieb
Neuer Batteriespeicher in Salzgitter soll Stromspitzen aufnehmen; mit der Energie wird an der Strombörse EPEX gehandelt.
Elli, die Lade- und Batteriesparte des Volkswagen-Konzerns, hat ihren ersten stationären Energiespeicher mit einer Speicherkapazität von 40 Megawattstunden, also 40.000 kWh, in Betrieb genommen. Der Großspeicher wurde in Salzgitter an das Stromnetz angeschlossen.
Der Speicher kann rund 20 Megawatt Leistung abgeben, was bei einer Speicherkapazität von 40.000 kWh einer sehr moderaten Entladerate von 0,5 C entspricht. Der Energiespeicher soll dazu dienen, Strom in Zeiten des Überschusses aus dem Netz zu übernehmen und ihn bei Dunkelflaute wieder abzugeben – mit einem entsprechenden Gewinn. Damit will Elli in den Stromhandel an der europäischen Strombörse EPEX einsteigen. Weitere Speicherprojekte sind bereits in Planung, so VW.
Bei der Inbetriebnahme war sogar VW-Chef Oliver Blume anwesend, was verdeutlicht, wie wichtig das Projekt für den Konzern ist. "Für uns sind Energiespeicher und Energiehandel ein neues strategisches Geschäftsfeld mit Wachstumschancen", so der Manager. Mit Elli steuere, speichere und handele der Konzern künftig Energie.
Versammelte VW-Prominenz (von links nach rechts): Elli-Chef Giovanni Palazzo, Technikvorstand Thomas Schmall, Konzernchef Oliver Blume, Elli-Technikvorstand Mark Möller, PowerCo-Chef Frank Blome und Thomas Lehnert, Chef der ESS-Sparte von PowerCo
Technische Basis sind Batteriesysteme der konzerneigenen Batterietochter PowerCo. Mit ihrem Geschäftsbereich Energy Storage Solutions (ESS) entwickelt und produziert PowerCo industrielle Großspeicherlösungen auf Grundlage der "Einheitszelle". Diese soll künftig nicht nur in Elektroautos eingebaut werden, sondern auch in stationäre Speicher.
Am Standort Salzgitter entstehe "ein geschlossenes Batterie-Ökosystem", schreibt VW. Das reiche "von der Zellfertigung über stationäre Speicher bis zur marktbasierten Vermarktung durch Elli". VW betreibt in Salzgitter auch ein Zellwerk. In der Fabrik werden seit Dezember Zellen produziert. Dabei handelt es sich allerdings um NMC-Zellen. Für häufige Lade-Entlade-Vorgänge, wie sie für ESS typisch sind, eignen sie sich weniger als die sehr zyklenstabilen LFP-Zellen.
Die Batterien sind in 13 Container integriert. Die Anlage wird als virtuelles Kraftwerk eingesetzt. Ein Trading-Team von Elli "handelt und optimiert die Anlagen algorithmisch und mit eigenem Marktzugang, um Erlöse zu maximieren und zugleich Systemdienstleistungen bereitzustellen", so VW.
An der Strombörse EPEX ist Elli bereits seit 2023 aktiv; damals handelte es sich allerdings noch um ein kleineres Pilotprojekt auf Basis von alten Batterien aus dem VW e-Up. Mit dem neuen PowerCenter wird die Speicherkapazität nun deutlich größer. Man übernehme nun erstmals die Rolle eines Speicherbetreibers, erklärt Elli-Chef Giovanni Palazzo. So soll sich Elli "vom Ladeanbieter zum Energieunternehmen" entwickeln.
Künftig sei ein Managed Battery Network (MBN) geplant, das neben den eigenen Großspeichern perspektivisch auch Fahrzeugbatterien umfassen soll. Damit dürfte Vehicle-to-Grid-Technik (V2G) gemeint sein. Ein entsprechendes Pilotprojekt stellte VW auf der IAA vor. Konzernfahrzeuge auf der MEB-Plattform mit 77-kWh-Batterie sind ab der Softwareversion ID.S 3.5 technisch zum bidirektionalen Gleichstrom-Laden befähigt, hieß es damals.
Unter dem Strich
Früher war der Strompreis durch die vielen permanent laufenden Kraftwerke, darunter viele Kernkraftwerke, mehr oder weniger konstant. Mit den regenerativen Energiequellen Sonne und Wind ist die Variabilität höher, was sich in den Preisen an der Strombörse EPEX niederschlägt. Am Spotmarkt wurden dort allein im Monat Februar europaweit 81,5 TWh gehandelt. Der 40-MWh-Speicher von VW ist da wohl nur ein sehr kleiner Player, aber Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut.
Quelle: Elli (ESS), VW (V2G), EPEX
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