Trotz neuer Elektromodelle: Toyota traut der reinen E-Mobilität wenig zu

Toyota hat in den letzten Jahren immer dem Hybridantrieb Vorrang vor dem Elektroantrieb eingeräumt und verwies regelmäßig auf die hohen Hybridquoten bei seinen Autos. Die aktuelle Modellpalette spiegelt diese Prioritäten. 

So hatte die Toyota Motor Corporation (also im Wesentlichen Toyota und Lexus) im Jahr 2020 weltweit 55 elektrifizierte Modelle auf dem Markt. Darunter waren 45 Hybridmodelle, aber nur vier Elektroautos:

Toyota’s Path to Carbon Neutrality

Doch kürzlich kündigte Toyota nicht weniger als 15 neue Elektroautos an, wovon sieben Fahrzeuge zur Submarke bZ gehören und auf der rein elektrischen Plattform e-TNGA basieren. Das erste Modell der Reihe ist der Toyota bZ4X, der ab 2022 produziert wird:

Toyota’s Path to Carbon Neutrality

Insgesamt will Toyota bis 2025 sein Angebot an elektrifizierten Fahrzeugen von 55 auf 70 Modelle ausweiten, darunter sind 15 Elektroautos. Mit anderen Worten: Derzeit sind 7 Prozent der angebotenen Modelle Elektroautos, in vier Jahren sollen es 21 Prozent sein. Das ist eine Verdreifachung, also durchaus ein wirkliches Umsteuern in Richtung Elektromobilität.

Toyotas Erwartungen an den Markt sind aber nach wie vor niedrig, wenn es um Elektroautos geht. Sehen wir uns an, wie der Konzern die Zukunft in Europa, den USA und weltweit sieht.  

Europa: 10 Prozent Elektroautos im Jahr 2025

Für Europa will Toyota im Jahr 2025 "mehr als 55 elektrifizierte Produkte" anbieten, darunter mindestens 10 emissionsfreie Fahrzeuge. Was den Absatz angeht, so erwartet Toyota, dass in zehn Jahren Elektroautos etwa 45 von insgesamt 200 Millionen Autos ausmachen werden, also etwa 23 Prozent. Bei Toyota dagegen sollen sie nur zehn Prozent ausmachen: Der Absatz im Jahr 2025 soll auf 1,5 Millionen Autos steigen, wovon "mindestens 150.000" emissionsfrei sein sollen. Die weitaus größte Zahl, nämlich 1,2 Millionen (80 Prozent) sollen Hybride oder Plug-in-Hybride sein.

Zum Vergleich: Die VW-Gruppe (also VW inklusive Skoda, Seat, Audi etc.) will im Jahr 2030 in Europa 60 Prozent seiner Verkäufe mit Elektroautos bestreiten:

VW Power Day 2021: Alle Charts

USA: 15 Prozent Elektroautos im Jahr 2030

Auch für die USA erwartet Toyota keinen großen Erfolg mit BEVs und FCEVs: Im Jahr 2030 sollen nur etwa 15 Prozent der Verkäufe auf diese entfallen. Das Schwergewicht legt Toyota weiterhin auf Hybride (HEVs) und Plug-in-Hybride (PHEVs). Zusammen mit BEVs und FCEVs sollen sie 70 Prozent des Verkäufe von Toyota und Lexus ausmachen. Anders ausgedrückt: Für BEVs und FCEVs erwartet Toyota 15 Prozent, HEVs und PHEVs sollen 55 Prozent ausmachen, der Rest von 30 Prozent sind Verbrenner.

Weltweit: Maximal 20 Prozent Elektroautos im Jahr 2030

Weltweit will Toyota im Jahr 2030 rund 8 Millionen elektrifizierte Fahrzeuge verkaufen, davon 2 Millionen Elektroautos (BEVs) und Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEVs). Wieviel das im Vergleich zum Gesamtabsatz ausmacht, gab Toyota nicht an. Geht man davon aus, das der Absatz gleich bleibt (im Jahr 2020 verkaufte Toyota inklusive Daihatsu und Hino etwa 10 Millionen Autos weltweit), dann läge der Anteil von BEVs und FCEVs im Jahr 2030 bei 20 Prozent. Das dürfte aber das Maximum sein, denn Toyota wird wohl von einem steigenden Gesamtabsatz ausgehen.

Nach wie vor setzt Toyota also vor allem auf Hybride und Plug-in-Hybride, während Elektroautos nur eine Nischenrolle spielen sollen. Dennoch fühlt sich Toyota dem Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2050 verpflichtet. Zum Erreichen dieses Ziels will man sich nicht auf eine einzige Technologie festlegen – das heißt, man traut der reinen Elektromobilität noch nicht so recht. Für 2030 erwartet man offenbar Elektroauto-Quoten am Toyota-Absatz von nur 10 bis 20 Prozent. Danach wird Toyota dann wohl umso schneller auf Elektromobilität umsteuern müssen, denn mit Hybriden und Plug-in-Hybriden ist die Klimaneutralität wohl kaum zu erreichen.