Letzte Woche überraschte uns VW-Konzernchef Herbert Diess, indem er mit einem Elektro-Surfbrett auf dem Wolfsburger Mittelland-Kanal auf und ab fuhr. Ganz abgesehen davon, was man von der PR-Aktion halten mag, hat sich so mancher wohl gedacht: interessantes Sportgerät. Wir stellen es hier vor.

Das Bemerkenswerte an dem Ding ist, dass man sich damit nicht auf dem Wasser bewegt, sondern ein gutes Stück darüber schwebt. So soll man zum Beispiel durch Wellen kaum gestört werden. 

Offiziell nennt sich das Sportgerät Audi e-tron foil by Aerofoils. Es besteht aus einem Surfbrett, an dessen Unterseite ein 80 Zentimeter langer Carbon-Mast angebracht ist. Am unteren Ende des Masts ist wiederum ein Tragflügel mit einem Elektro-Jetantrieb befestigt.

Entwickelt wurde das Sportgerät nach den Worten von Herbert Diess von Franz Hofmann und seinem Team. Der surfte schon bei der Kieler Woche 2018 mit einem solchen Brett, wenn es auch noch Audi-Tarnfarben trug. Damals entwickelte Hofmann als Leichtbau-Experte noch CFK-Gastanks in Ingolstadt.

Privat fuhr Hofmann aber gerne Kiteboard und begeisterte sich für die Hydrofoils, die allmählich in den Segelsport einzogen, so zum Beispiel seit 2013 in den America’s Cup , wo die Segelboote seitdem per Tragflügel übers Wasser schweben. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sobald man sich aus dem Wasser gehoben hat, reduziert sich der Strömungswiderstand.

Zusammen mit Christian Rößler, der sich als Luft- und Raumfahrtingenieur gut mit Strömungen auskannte, stellte er erste Berechnungen an, simulierte die Strömungen – und kamen so zu einer ganz eigenen Form des Tragflügels. Sie frästen Formen, schliffen diese zurecht und laminierten anschließend im Keller den ersten Carbonflügel ihres Foils. Das war im Jahr 2015. Seitdem erprobte Hofmann das Foil unter seinem Kiteboard im Urlaub immer wieder.

Hofmann begann, sein Privatprojekt unterschiedlichsten Audi-Kollegen vorzustellen. Die waren offenbar bald überzeugt, so dass beschlossen wurde, ein Audi-Produkt daraus zu machen. Inzwischen kommt das Gerät auf den Markt.

Und wie fährt man mit diesem Ding? Nun, in der Theorie ist es recht einfach: Man stellt sich im Wasser auf das Brett und betätigt den "Abzug" der Fernbedienung. Während der E-Antrieb Fahrt aufnimmt, hebt sich das Brett langsam aus dem Wasser. Es soll kein großes Problem sein, so Franz Hofmann im Jahr 2019

"Nach ein paar Tagen Übung fliegt damit fast jeder Laie übers Wasser. Es ist leichter, als auf einem Balance-Board im Fitnessstudio zu stehen."

Das Elektro-Surfbrett von Audi ist indes nicht das einzige auf dem Markt. Es ähnelt zum Beispiel dem vor anderthalb Jahren vorgestellten Fliteboard. "Wir haben das e-foil nicht erfunden", bestätigt Hofmann. "Es gibt Hunderte Do-it-yourself-Projekte auf der Welt. Aber wir kombinieren unseren leistungsfähigen Flügel mit Jetantrieb. Das ist enorm effizient und besonders sicher." Denn Hofmann achtete darauf, dass man sich bei einem Sturz nicht an einem Propeller verletzen kann.

Der Jetantrieb des Audi-Sportgeräts besteht aus einem so genannten Impeller, einem kleinen ummantelten Propeller, der das Wasser beschleunigt, und einem darauffolgenden Stator, der den Drall aus der Strömung nimmt und so dafür sorgt, dass das beschleunigte Wasser gerade abfließt.

Für den Antrieb reicht nach Angaben von 2019 eine Batterieleistung zwischen 3 und 5 kW, abhängig vom Fahrergewicht. Der ins Board integrierte Akku speichert genug Strom für eine einstündige Fahrt, damit lassen sich über 30 Kilometer Strecke bewältigen. Bei etwa 17 km/h hebt der Flügel das Hydrofoil aus dem Wasser. Es sind Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h möglich.

Das Audi-Sportgerät kostet 12.499 Euro. Gegen eine Vorauszahlung von 100 Euro kann man es bereits vorbestellen. Die Produktion soll laut Bestell-Seite im August 2021 beginnen; die Vorbestellungen werden dann eine nach der anderen abgearbeitet.