Die Serienfertigung des Twike 5 verschoben: Das dreirädrige Elektrofahrzeug, das eigentlich 2021 starten sollte, wird nun erst ab Mitte 2022 in Kleinserie produziert. Nach jetzigem Entwicklungsstand wird das elektrifizierte Liegerad in 3,8 Sekunden auf Tempo 100 sprinten und in der Spitze 190 km/h erreichen.

Vor allem zeichnet sich das Twike 5 jedoch durch die hohe Effizienz aus. So soll der WLTP-Stromverbrauch bei nur 6,9 kWh/100 km liegen. Damit werden Reichweiten von mehr als 400 Kilometer möglich – auf der Twike-Website ist sogar von über 500 km die Rede. Das bezieht sich auf die größte angebotene Batterie (30 kWh).

Der Elektroantrieb für das ungewöhnliche Fahrzeug kommt von Vitesco. Der Zulieferer firmierte bis 2019 als Antriebssparte von Continental. Im Twike 5 zum Einsatz kommt ein System namens EMR3. Die dritte Generation des EMR (Electronics Motor Reducer) kombiniert einen Permanentmagnet-Synchronmotor (PSM), eine Leistungselektronik (Inverter) und ein Untersetzungsgetriebe (Reducer). Das System mobilisiert 150 kW sowie bis zu 2.900 Nm Drehmoment.

Bildergalerie: Twike 5 (Stand von 2021)

Im Twike 5 wird aber offenbar nicht die volle Power des Antriebs genutzt. Das Fahrzeug soll nur 70 kW Leistung und 1.800 Nm Drehmoment an der Antriebsachse bekommen. Zu den Vorteilen des Antriebs gehört niedriges Gewicht und geringe Größe: Er wiegt nur 76 Kilo und ist in den Abmessungen (40x35x55 cm) kaum größer als ein Flugzeug-Bordcase.

Mit der Verwendung im Twike 5 wird der Antrieb erstmals außerhalb des Pkw-Bereichs eingesetzt. Das EMR3-System wird bisher bei über 20 Pkw-Modellen von europäischen und asiatischen Herstellern genutzt, so Vitesco Technologies.

"Neben der Leistungsfähigkeit war für uns vor allem auch der Wirkungsgrad von zentraler Bedeutung," so Twike-Chef Martin Moescheid. "Der EMR3 hat in allen Lastbereichen eine hohe Effizienz, so dass wir sehr niedrige Verbrauchswerte erzielen können. Darüber hinaus ist diese Antriebseinheit besonders leicht, äußerst robust sowie einfach zu adaptieren. Auch der Hintergrund einer bereits laufenden, qualitativ hochwertigen Serienproduktion hat maßgeblich zu unserer Entscheidung beigetragen."

Bei den Batterien hat sich Twike offenbar noch nicht entscheiden. Die begrenzte Verfügbarkeit macht die Auswahl offenbar nicht leichter. Offenbar erwägt man, eine "robuste, aber in der Kapazität doch kleinere Akkuzelle" umzustellen, wie das Unternehmen schreibt. Möglicherweise sind LFP-Zellen gemeint. Jedenfalls ist die absehbar geringere Speicherkapazität auch der Grund für verstärkten Feinschliff in Sachen Aerodynamik: Man strebt einen cW-Wert von 0,21 an, was den Stromverbrauch auf 6,5 kWh/100 km reduzieren könnte.

Das Twike – ein "Kofferwort" aus Twin und Bike – geht zurück auf Studierende der ETH Zürich, die 1986 einen ersten Prototypen des geschlossenen Liegerads entwickelten. Die Pedale sind bis heute an Bord. Während beim Vorgängermodell Twike 3 damit der Elektroantrieb mechanisch unterstützt wird, dient die Pedalkraft beim Twike 5 dazu, Strom für den E-Motor zu erzeugen. 

Bildergalerie: Twike 5 (Stand von 2020)