Normale E-Bikes fahren maximal 25 km/h, doch die so genannten S-Pedelecs unterstützen bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit kann sich die Pendelzeit bis zum Arbeitsplatz deutlich verkürzen. Wie gut S-Pedelecs tatsächlich sind, hat nun der Schweizer Automobilclub TCS in Kooperation mit dem ADAC untersucht.

Neun schnelle 45-km/h-Bikes wurden auf Fahreigenschaften, Handhabung, Antriebssystem, Bremsen und Beleuchtung sowie Qualität getestet. Das Gesamtergebnis fällt weitgehend positiv aus.

Testsieger ist das Charger3 Mix Touring HS 2022 von Riese & Müller. Gute Ausstattung und hoher Fahrkomfort konnten überzeugen
Testsieger: Charger3 Mix Touring HS 2022 von Riese & Müller

Acht Mal vergaben die Tester die Note "gut", nur ein Rad wurde mit "befriedigend" bewertet. Testsieger ist das Charger3 Mix Touring HS 2022 von Riese & Müller. Gute Ausstattung und hoher Fahrkomfort konnten überzeugen, außerdem verfügt das Bike über gute Bremsen und sehr gute Beleuchtung, inklusive Fern- und Bremslicht.

Testverlierer ist das X-Speed von Klever. Das vom Design her auffälligste S-Pedelec zeigt Schwächen bei der Motorunterstützung.
Testverlierer: X-Speed von Klever

Testverlierer ist das X-Speed von Klever. Das vom Design her auffälligste S-Pedelec zeigt Schwächen bei der Motorunterstützung. Der Antrieb setzt verzögert ein und hat einen langen Nachlauf. Die Anfahrt an einem steilen Berg gelingt nur mit Mühe, die Bremsen liegen nicht auf dem Niveau der restlichen Modelle im Test, und der Akku lässt sich dem Pedelec nur mühsam entnehmen.

Neu S-Pedelec im Test: Hier sind die Ergebnisse

Generell zeigt der Test, dass die S-Pedelecs vor allem für Pendelstrecken bis 20 Kilometer (einfach) geeignet sind. Diese Distanz lässt sich ohne übermäßige körperliche Anstrengung bewältigen. Bei längeren Strecken kann eine Ladepause nötig sein. Akku-Reichweiten von 50 Kilometern wären daher für eine optimale Nutzung von Vorteil, um auch genügend Strom für den Rückweg zu haben, findet der ADAC, der über den Test berichtet.

Für Fahrten ausschließlich im städtischen Umfeld kann ein langsameres E-Bike bis 25 km/h durch das ständige Stop-and-Go ähnlich schnell sein – und das bei deutlich geringeren Anschaffungskosten. Denn ein S-Pedelec ist nicht gerade billig: Die günstigsten getesteten Modelle gibt es ab etwa 4.200 Euro.

Dass die S-Pedelecs hauptsächlich vom Schweizer TCS getestet wurden, hat wohl seinen Grund in den deutlich höheren Verkaufszahlen in der Schweiz. In Deutschland wurden 2020 laut Zweirad-Industrie-Verband knapp 10.000 S-Pedelecs verkauft, in der viel kleineren Schweiz waren es etwa zweieinhalb Mal so viele.

Dass die S-Pedelecs bei den Eidgenossinnen und Eidgenossen so beliebt sind, liegt daran, dass in der Schweiz die Verkehrsvorschriften liberaler sind. So darf in der Schweiz auf dem Radweg gefahren werden. In Deutschland ist das nicht legal. Das gilt sogar auf der Landstraße, wo man mit 45 km/h ein veritables Verkehrshindernis ist. Auch Anhänger für Kinder sind bei uns nicht zugelassen. Zudem braucht ein S-Pedelec eine Kfz-Haftpflichtversicherung, also ein grünes Versicherungskennzeichen und man muss einen Schutzhelm tragen.

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Das größte Ärgernis bei der Nutzung eines S-Pedelecs ist jedoch nach unserer Erfahrung, dass Autofahrer oft sehr ärgerlich reagieren, wenn sie ein solches Zweirad auf der Straße sehen, obwohl es einen Radweg gibt. Denn viele wissen noch nicht, dass man mit einem S-Pedelec auf dem Radweg nichts zu suchen hat.