Elektroauto-Preise: Im Westen steigen sie, in China fallen sie
Ein neuer JATO-Bericht erklärt, warum Elektroautos bei uns einfach nicht billiger werden
In den letzten Jahren ist der Elektroauto-Markt ständig gewachsen, und auch das Modell-Angebot hat zugenommen. Dennoch blieben die Preise für E-Autos hoch, zumindest in Europa und den USA. In China dagegen sanken die Preise, sodass Elektroautos (BEVs) dort inzwischen die Norm sind, wenn es darum geht, ein neues Fahrzeug zu kaufen.
Während in China auch günstige Elektroautos angeboten werden (wie zum Beispiel der extrem populäre Wuling Hongguang Mini EV), sind die E-Autos in Europa und den USA in der Regel teure SUVs, die häufig auch noch von Premium-Marken kommen. Die Unterschiede im Preisniveau verdeutlicht nun eine Studie vom Analysten-Unternehmen JATO Dynamics.
Wuling Hongguang Mini EV (2020)
Nach dem Report sind die durchschnittlichen Verkaufspreise von Elektroautos in den USA und den wichtigsten Ländern Westeuropas in den letzten sieben Jahren gestiegen. Dagegen sank der Durchschnittspreis in China.
Nach den JATO-Daten stieg der durchschnittliche Elektroauto-Verkaufspreis in Europa von 2015 bis jetzt von knapp 49.000 auf fast 56.000 Euro. In den USA sind E-Autos noch teurer; dort stieg der durchschnittliche Verkaufspreis von etwa 53.000 Euro auf fast 64.000 Euro.
So ist in Europa ein BEV im Durchschnitt 27 Prozent teurer als ein Benziner; in den USA liegt der Preisunterschied sogar bei 43 Prozent. Hier macht sich auch die Vorliebe der Amerikaner für große SUVs und Pick-ups bemerkbar. In China dagegen sind die verkauften Elektroautos schon seit 2017 im Mittel billiger als Benziner:
Während ein chinesisches E-Auto im Jahr 2015 durchschnittlich noch umgerechnet mehr als 66.000 Euro kostete und damit deutlich teurer war als die BEVs in Europa und den USA, lag der Durchschnittspreis zuletzt nur noch bei knapp 32.000 Euro. Damit war ein chinesisches BEV im Mittel um ein Drittel (33 Prozent) günstiger als ein Benziner-Fahrzeug. Auch wenn die Preise wegen anziehender Rohstoffkosten und neuer Premium-Oberklasse-Modelle (wie dem Nio ET7) zuletzt wieder etwas stiegen: China hat eindeutig die Nase vorn, wenn es um günstige Elektroautos geht.
Ein Grund für die hohen BEV-Preise im Westen ist nach dem Bericht, dass sich die Hersteller in Europa und den USA auf margenstarke Segmente konzentriert haben, während in China der Massenmarkt Priorität hat. So ist im Westen das Angebot an teuren Elektroautos deutlich größer als die Nachfrage danach, und die günstigen Elektroautos, die die Verbraucherinnen und Verbraucher suchen, gibt es nur selten – die Ausnahme Dacia Spring bestätigt die Regel. Dagegen decken sich in China Angebot und Nachfrage ziemlich gut, wie die folgende Grafik zeigt:
In diesem Fall scheinen die chinesischen Planwirtschaftler Nachfrage und Angebot besser in Einklang gebracht zu haben als die westlichen Marktwirtschaften – kein Ruhmesblatt für unsere Industrie. So ist es kein Wunder, dass China nach wie vor der weltgrößte Elektroautomarkt ist: Dieses Jahr könnten im Reich der Mitte 4,5 Millionen BEVs verkauft werden, so die Prognosen.
Auch interessant
Microlino: Elektro-Zwerg jetzt zum Kampfpreis im Leasing
Neuer Skoda Peaq wird zur Kommandozentrale der Tour de France
Subaru lockt Käufer von Elektroautos mit XXL-Garantie
Citroën ë-C3 Tonic (2026): Elektro-Einstieg ab 20.450 Euro
Offiziell: Das kostet der BMW i3 50 xDrive First Edition
VW ID.3 Neo (2026) im ersten Kurztest: Gelungen geändert
Porsche blickt auf sein erstes Elektroauto zurück: „Das Timing war nicht ideal“