Volvo EX30 Cross Country (2026) im Dauertest (3): Geliebt trotz Macken
Nach 5.700 Kilometern bleiben hoher Verbrauch, wenig Platz und ein lauter Dachkorb – aber auch verdammt viel Charakter
Ein Rasenmäher auf dem Dach eines 428 PS starken Elektroautos klingt nicht nach dem großen skandinavischen Abenteuer. Für den Volvo EX30 Cross Country war es trotzdem ein wichtiger Moment. Denn endlich konnte sein auffälligstes Zubehörteil beweisen, dass es mehr kann, als hervorragend auszusehen und auf der Autobahn Lärm zu machen.
Nach drei Monaten und mehr als 5.700 Kilometern endet damit unser Dauertest. In Teil 1 ging es um den ersten Eindruck, die Fahrleistungen und die Frage, ob unter der Abenteuer-Optik mehr steckt als etwas graues Plastik. Teil 2 widmete sich Familie, Hund, Innenraum und Bedienung. Jetzt folgt die abschließende Bilanz.
Bildergalerie: Volvo EX30 Cross Country (2026) im Dauertest, Teil 3
Der Dachkorb hat endlich einen Job
Rasenmäher, Autoreifen, Holz oder andere sperrige und dreckige Gegenstände sind genau die Art Ladung, für die der Dachkorb sinnvoll ist. Der Rasenmäher ließ sich mit mehreren Zurrgurten sicher befestigen, der Kofferraum blieb frei und vor allem sauber. Wer Garten, Waldstück oder ein Hobby mit viel unhandlichem Zeug hat, kann das Ding tatsächlich gebrauchen.
Das funktioniert besser, als der eher dekorative Eindruck zunächst vermuten lässt. Der Korb ist groß genug, stabil und gut zugänglich. Trotzdem würde er bei mir nach jeder Fahrt wieder in der Garage landen. Denn schon ab ungefähr 80 bis 90 km/h beginnt er, sich akustisch einzumischen. Auf der Autobahn wird daraus ein dauerhaftes Rauschen, das gerade bei längeren Fahrten ziemlich nervt.
Der Dachkorb ist deshalb kein Zubehör, das ich das ganze Jahr auf dem Auto lassen würde. Für zwei, drei Fahrten mit Reifen, Brennholz oder Rasenmäher wäre er perfekt. Danach käme er wieder herunter. Zum Glück lässt er sich mit überschaubarem Aufwand demontieren. Das Cross-Country-Feeling muss also nicht dauerhaft gegen die Ohren arbeiten.
Unter dem Försterkostüm steckt ein Sprinter
Der Kontrast zwischen Optik und Antrieb blieb bis zum letzten Tag der größte Unterhaltungsfaktor. Mit Dachkorb, Schmutzfängern, groben Reifen und seinen kompakten Proportionen sieht der Volvo aus wie ein elektrisches Suzuki-Jimny-Försterauto. Ein kleiner schwarzer Kasten, der gleich den Waldweg kontrolliert oder nach dem Rechten im Wildgehege sieht.
| Schnelle Daten | Volvo EX30 Cross Country (2026) |
| Antrieb | 2 x Permanentmagnet-Synchronmaschine (Front: 115 kW (156 PS), Heck: 200 kW (272 PS)) / Allradantrieb |
| Leistung / max. Drehmoment | 315 kW (428 PS) / 543 Nm |
| 0 - 100 km/h | 3,7 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| Stromverbrauch / Reichweite (WLTP) | 18,7 kWh / 425 km |
| Akku (netto) | 65 kWh |
| Max Ladeleistung / 10 - 80 Prozent | 175 kW / 26,5 Minuten |
| Preis | ab 57.290 Euro |
| Testwagenpreis | 61.330 Euro |
Darunter steckt allerdings ein Auto, das in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Zwei Elektromotoren liefern zusammen 315 kW beziehungsweise 428 PS und 543 Nm. Damit bewegt sich der EX30 in Regionen, die man früher mit Sportwagen wie dem Audi R8 verbunden hätte. Nur eben jetzt mit Elch-Grafik und Dachkorb.
Das wirkt auch nach mehreren Monaten noch völlig überdimensioniert. Der Volvo braucht diese Leistung nicht. Wahrscheinlich braucht kein 4,23 Meter langes Kompakt-SUV diese Leistung. Aber genau sie macht einen großen Teil seines Reizes aus. Auf der Landstraße hat der vermeintlich harmlose Förster bereits mehr als einem drängelnden Hintermann beim Herausbeschleunigen aus der Ortschaft seine Grenzen gezeigt.
Dabei fährt der EX30 nicht ständig nervös oder aggressiv. Im normalen Alltag ist er angenehm gelassen, liegt satt auf der Straße und bietet einen guten Federungskomfort. Erst wenn man das Strompedal deutlich durchdrückt, wirft er das Holzfällerhemd in die Ecke. Dann schiebt der Allradler so brutal und selbstverständlich an, dass man sich eher selbst bremsen muss.
21,9 kWh: Spaß kostet Strom
Diese Mischung aus Allrad, Leistung und Outdoor-Zubehör hat natürlich ihren Preis. Nach 5.712,5 Kilometern zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 21,9 kWh/100 km bei einem Durchschnittstempo von 57,9 km/h an.
Das ist für ein so kleines Elektro-SUV ziemlich viel. Der offizielle Wert unseres Testwagens lag bei 18,7 kWh/100 km. Allerdings fuhr der Volvo den gesamten Dauertest auf All-Terrain-Reifen und mit dem aerodynamisch eher unbegabten Dachkorb. Volvo weist selbst darauf hin, dass das Experience-Paket Einfluss auf Verbrauch und Reichweite hat, dafür aber keine separat homologierten Messwerte vorliegen.
Schönreden muss man den Wert trotzdem nicht. Der EX30 Cross Country ist kein Effizienzkünstler. Bei unserem Dauertest-Schnitt von 21,9 kWh/100 km ergeben sich aus den 65 kWh nutzbarer Batteriekapazität rechnerisch knapp 300 Kilometer Reichweite. Im normalen Alltag waren je nach Temperatur, Strecke und Tempo ungefähr 280 bis 300 Kilometer eine realistische Größenordnung.
| Abmessungen | Volvo EX30 Cross Country (2026) |
| Länge x Breite x Höhe | 4.233 x 1.837 x 1.567 mm |
| Radstand | 2.650 mm |
| Gewicht | 1.960 kg |
| max. Zuladung | 375 kg |
| Kofferraumvolumen | 318 - 1.000 Liter (+7 Liter Frunk) |
Wer auf der Autobahn dauerhaft schnell fährt, muss entsprechend früher laden. Wer dagegen viel Landstraße und Stadtverkehr im Programm hat, kann die Reichweite deutlich strecken. Die teils mehr als 400 Kilometer hohe Anzeige nach dem Laden sollte man jedoch nicht mit einer garantierten realen Reichweite verwechseln. Sie orientiert sich stark an den vorherigen Fahrten.
Laden kann er besser als sparen
Beim Schnellladen lieferte der Volvo erfreulich wenig Diskussionsstoff. Drei, vier Mal haben wir den EX30 an der Schnellladesäule gehängt – und jedes Mal zeigte sich ein vergleichbares Bild: Bereits nach 43 Sekunden standen 151 kW auf dem Display, kurzzeitig sogar 157 kW.
Nach 5:23 Minuten waren 13,03 kWh geladen und der Akkustand von 15 auf 36 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Leistung lag in diesem Abschnitt bei starken 145,24 kW. Auch bei 49 Prozent flossen noch 114 kW in die Batterie. Das ist ein überzeugender früher Ladeverlauf.
Eine vollständige und unter identischen Bedingungen wiederholte Messung von 10 bis 80 Prozent war das nicht. Die Werte zeigen aber, dass der EX30 bei niedrigem Akkustand und passender Batterietemperatur seine nominelle Ladeleistung erreicht und kurzfristig sogar leicht übertrifft. Der kleine Volvo lädt damit überzeugender, als er mit Strom umgeht.
Im Alltag hing der EX30 allerdings meistens an der heimischen Wallbox. Mit der 11-kW-Ladestation und PV-Anlage auf dem Dach war das alltägliche Laden bequem und günstig. Hinzu kommt der 22-kW-Onboard-Charger unseres Testwagens: An einer passenden öffentlichen AC-Säule ist der Akku in gut vier Stunden wieder voll. Gerade für Fahrer, die häufig öffentliche 22-kW-Säulen nutzen, ist das ein echter Vorteil gegenüber vielen Elektroautos, die dort nur 11 kW aufnehmen.
Was nach drei Monaten bleibt
Im Innenraum hat sich der erste Eindruck weitgehend bestätigt. Der EX30 ist sauber verarbeitet und fühlt sich an den entscheidenden Stellen solide an. Die Aluminium-Türöffner, das Lenkrad, die Sitze und viele kleine Details passen zum Anspruch. Bei den Kunststoffen in den Türen merkt man allerdings, dass dies das Einstiegsmodell von Volvo ist.
Das Google-basierte Infotainment gehört weiterhin zu den Stärken. Navigation, Sprachsteuerung, Routenplanung und Ladeplanung funktionieren schnell und zuverlässig. Auch die Volvo-App machte im Dauertest kaum Probleme. Klimatisierung, Ladestand, Verriegelung oder Fahrtenübersicht waren jederzeit gut erreichbar.
An einige Bedienideen habe ich mich trotzdem nicht gewöhnt. Die Spiegelverstellung über Display und Lenkradtasten bleibt unnötig kompliziert. Das Handschuhfach braucht keine digitale Öffnung, und auch die Umschaltung der Fensterheber zwischen Vorder- und Hintertüren ist keine Verbesserung. Reduktion kann elegant sein. Manchmal spart sie aber vor allem Bauteile.
Auch der tastenlose Schlüssel blieb ein kleiner Nervfaktor. Meistens erkannte das Auto die Annäherung zuverlässig, gelegentlich stand man trotzdem vor der verschlossenen Tür. Dann hilft zwar die App, eine simple Öffnen-Taste am Schlüssel wäre aber schneller gewesen.
Eine Nummer zu klein
Allein oder als Auto für ein Paar funktioniert der EX30 hervorragend. Er ist kompakt, schnell, einfach zu parken und bietet vorn genügend Platz. Selbst mit meinen 1,93 Meter konnte ich bequem fahren, auch wenn die Beinauflage etwas länger sein dürfte.
| Modellübersicht | EX30 P3 electric | EX30 P5 electric | EX30 P5 Long Range electric | EX30 P8 AWD electric |
| Antrieb | RWD 110 kW, 343 Nm |
RWD 200 kW, 343 Nm |
RWD 200 kW, 343 Nm |
AWD 315 kW, 200 und 343 Nm |
| 0-100 km/h / Vmax | 8,6 Sek. / 180 km/h | 5,7 Sek. / 180 km/h | 5,3 Sek. / 180 km/h | 3,6 Sek. / 180 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 17,0–17,8 kWh | 17,0–17,8 kWh | 17,0–17,8 kWh | 17,5–18,0 kWh |
| Akku netto | 49 kWh | 49 kWh | 65 kWh | 65 kWh |
| WLTP-Reichweite | 324–339 km | 324–339 km | 462–475 km | 445–450 km |
| Preis ab | 34.990 Euro | 36.990 Euro | 43.490 Euro | 54.190 Euro |
Für eine Familie mit Kind und Hund ist er mir auf Dauer jedoch zu knapp. Unsere Hundebox passte nur quer in den Kofferraum, wodurch für Taschen und weiteres Gepäck weniger Platz blieb. Im Fond kommen Kinder gut zurecht, hinter einem großen Fahrer wird es für Erwachsene aber schnell eng.
Als Zweitwagen könnte ich mir den EX30 sehr gut vorstellen. Als einziges Familienauto wäre er für unseren Alltag dagegen nicht die richtige Wahl. Dafür müsste es der größere EX60 sein. Volvo, wie sieht es ab Dezember mit einem Dauertest aus?
Viel Geld für das Förstergefühl
Ganz günstig war unser kleiner Waldarbeiter ebenfalls nicht. Der Testwagen kostete zum damaligen Zeitpunkt korrekt 61.330 Euro. Davon entfielen 2.990 Euro auf das Experience-Paket mit 18-Zoll-Rädern, Cooper-All-Terrain-Reifen, Dachkorb und Schmutzfängern. Metalliclack und abgedunkelte Scheiben kamen ebenfalls hinzu.
Inzwischen hat Volvo den EX30 günstiger gemacht. Der vergleichbare P8 AWD Cross Country Ultra startet im Modelljahr 2027 bei 55.790 Euro. Damit bleibt er kein Schnäppchen, der Abstand zum damaligen Testwagenpreis fällt aber deutlich aus.
Braucht man die Cross-Country-Version? Eigentlich nicht. Die robuste Optik vergrößert weder Fond noch Kofferraum. Der Dachkorb ist laut und die zusätzliche Geländeanmutung wird von den meisten Besitzern vermutlich nur auf Feldwegen oder im Winter ausgenutzt.
Trotzdem ist genau diese Version die reizvollste. Sie sieht besser aus, besitzt mehr Charakter und vermittelt dieses leicht alberne, aber durchaus angenehme Wissen: Ich bin ein kleiner Förster. Rational lässt sich das nur schwer begründen. Emotional funktioniert es hervorragend.
Fazit
Der Opel Grandland Electric war in unserem Dauertest das vernünftige Familienauto. Viel Platz, bequem und überzeugend genug, um anschließend privat bei uns einzuziehen. Der Peugeot E-3008 war vor allem chic und fühlte sich innen deutlich aufwendiger inszeniert an.
Der EX30 Cross Country ist dagegen der Charakterkopf. Er ist zu klein für unsere Familie, nicht besonders sparsam und mit Dachkorb auf der Autobahn viel zu laut. Manche Bedienidee blieb bis zum letzten Tag unnötig kompliziert. Trotzdem war er emotional der stärkste der drei.
Er sieht großartig aus, fährt angenehm und besitzt einen Antrieb, der unter dem Försterkostüm jederzeit für ein Grinsen sorgt. Den Cross Country braucht man nicht. Vielleicht braucht man nicht einmal 428 PS in einem EX30. Aber ich mochte den rustikalen Racker.
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