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Autoindustrie verliert 142.500 Jobs: E-Autos nicht allein schuld

Eine CAM-Studie sieht neben der Elektromobilität auch hohe Kosten und den wachsenden Wettbewerb als Gründe für den Stellenabbau

Diagramm: Stellenabbau in der deutschen Autoindustrie
Bild von: Center of Automotive Management

In der deutschen Autoindustrie gingen seit 2018 rund 142.500 Arbeitsplätze verloren. Das zeigt eine Auswertung des Center of Automotive Management (CAM). Allerdings sei das nicht allein mit der Transformation zur Elektromobilität erklärbar, so die Fachleute. 

Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 waren in der Branche nur noch rund 691.500 Menschen beschäftigt – der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung durch das Statistische Bundesamt im Jahr 2005. Gegenüber dem Beschäftigungshöchststand von 834.000 im Jahr 2018 sind das
rund 142.500 Arbeitsplätze oder 17 Prozent weniger.

"Dass der Wandel zur Elektromobilität Beschäftigung kosten würde, haben wir bereits 2017 in unserer CAM-Studie zu den 'Beschäftigungstrends der Elektromobilität in Deutschland' belegt – dieser Effekt war erwartet worden und ist eingetreten", so Studienleiter Stefan Bratzel. Die Untersuchung bezifferte den Beschäftigungseffekt auf minus 135.000 Stellen bzw. minus 17
Prozent gegenüber 2016. Dabei ging das CAM davon aus, dass Elektroautos und Plug-in-Hybride 50 Prozent des Absatzes ausmachen. 

Grafik: Ergebnisse der CAM-Studie von 2017
Bild von: Center of Automotive Management

Der Abbau beträgt nun tatsächlich 17 Prozent, obwohl der tatsächliche Marktanteil von BEVs und PHEVs im ersten Halbjahr 2026 erst bei rund 36 Prozent lag und damit deutlich unter der 2017 angenommenen Marke von 50 Prozent. Daraus schließt das CAM: Der Stellenabbau ist nicht allein durch die Umstellung auf Elektromobilität erklärbar. 

Auch die sich verschlechternden Bedingungen am Standort Deutschland spielen laut Studie eine Rolle. Dazu gehören hohe Energie- und Arbeitskosten, die Bürokratie und der zunehmende Konkurrenzdruck durch chinesische Hersteller, und zwar auch auf traditionellen Exportmärkten.

Besonders betroffen vom Personalabbau sind die Zulieferer: Ihre Beschäftigung sank zum Ende des ersten Halbjahres 2026 um 7,6 Prozent, bei den Fahrzeugherstellern lag der Rückgang bei 6,1 Prozent. Beide Werte liegen deutlich über dem Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes insgesamt (-2,7 Prozent).

Jetzt gelte es, die Standortbedingungen zu verbessern, statt den Stellenabbau pauschal der E-Mobilität zuzuschreiben, so das CAM. Gleichzeitig sollte die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern bei Elektromobilität sowie Software und KI reduziert werden. Es sollte versucht werden, Wertschöpfung nach Deutschland zurückzuholen. Wachstumsfelder wie automatisiertes Fahren und Robotik sollten "mutig erschlossen werden".

Unter dem Strich

17 Prozent: Der Beschäftigungsrückgang in der deutschen Automobilindustrie ist dramatisch. Das sei nicht allein der Elektromobilität zuzuschreiben, sagen die Fachleute des CAM. Die Herleitung wirkt etwas fragwürdig: Der Widerspruch zwischen einer älteren Studie und der heutigen Situation lässt diesen Schluss unserer Ansicht nach nicht zu. Aber die Behauptung ist plausibel.

Dass die Elektromobilität mitschuldig an dem Stellenabbau ist, steht außer Frage. Denn ein Großteil der Wertschöpfung bei Elektroautos entfällt auf die Batterie, und diese stammt häufig aus Asien. Aber weitere Faktoren kommen hinzu. Dass die deutschen Hersteller immer weniger Autos in China verkaufen, zählt hier nicht, denn der Großteil dieser Modelle wird nicht in Deutschland, sondern in China hergestellt.

Doch die hohen Produktionskosten und die Bürokratie hierzulande stehen außer Frage. Solche Faktoren dürften dazu führen, dass zum Beispiel der BMW iX3 in Ungarn gebaut wird und die kleinen Elektroautos des VW-Konzerns in Spanien. Auch die US-Zölle dürften eine Rolle spielen.