Der Stellantis-Konzern führt demnächst eine neue "Smart Car"-Plattform ein, die Autos für Schwellenländer tragen wird. Als erstes Modell ist ein Citroen New C3 geplant, der in Chennai (Indien) unter anderem für den dortigen Markt gebaut wird. Laut Konzernchef Carlos Tavares ist die Plattform auch für Elektroantriebe geeignet.

In Indien könnten aber auch Elektroautos für Europa entstehen. So könnte man von den niedrigen Lohnkosten des Landes profitieren, sagte Tavares bei einem Besuch in Chennai, wie Automotive News Europe und Reuters berichten.

"Bislang ist Europa nicht in der Lage, erschwingliche Elektroautos herzustellen, so dass die große Chance für Indien darin besteht, kompakte Elektroautos zu einem erschwinglichen Preis zu verkaufen", sagte Tavares. Entschieden sei das noch nicht, aber man arbeite diese Option aus. Kürzlich hatte Tavares gesagt, dass erschwingliche Elektroautos erst in fünf oder sechs Jahren zu erwarten seien.

Carlos Tavares (links), hier auf dem Pariser Autosalon mit dem französischen Staatspräsidenten Macron

Carlos Tavares (links): Europa ist nicht in der Lage erschwingliche Elektroautos zu bauen

Wenn in Indien mit der kostengünstigen Lieferantenbasis die Qualitäts- und Kostenziele von Stellantis bis Ende 2023 erreichbar seien, könnte dies den Export von Elektroautos in andere Märkte ermöglichen, so Tavares. 

Der ansonsten von vielen Marken wie Dacia, Smart, Mini, Polestar und Tesla präferierte Produktionsort China kommt für Stellantis offenbar nicht mehr in Frage. Nach der Schließung des Joint Ventures zwischen Jeep und dem chinesischen GAC-Konzern (Guangzhou Automobile Company) will der Konzern dort nur noch als Nischenanbieter auftreten. Zumal Tavares politische Probleme bei China-Investments befürchtet: "Es gibt wachsende Spannungen zwischen China und der westlichen Welt. Das wird sich auf das Geschäft auswirken. Die Macht, die diese Gelegenheit am besten nutzen kann, ist offensichtlich Indien", so der Manager.

Die Pläne zu dem Citroen New C3 hatte Tavares bereits im Mai gegenüber indischen Medien verraten. Der weniger als vier Meter lange Wagen solle 2023 eingeführt werden, hieß es damals. Die Smart-Car-Architektur, auf der er beruht, soll sich etliche Komponenten mit der CMP-Plattform von Stellantis teilen, die unter anderem auch den Peugeot e-208 und den Opel Astra-e trägt. Damals sagte Tavares, es sei von entscheidender Bedeutung, lokale Bezugsquellen für Batterien in Indien zu finden.

Nach der Einführung des New C3 will Stellantis bis 2024 zwei weitere Citroen-Modelle auf Basis der Smart-Car-Plattform bringen. Neben Citroen ist in Indien auch die Marke Jeep vertreten, mit Modellen wie dem Jeep Meridian, einem Siebensitzer-SUV auf der Basis des Compass. Stellantis verfügt über zwei Montagewerke in Indien und hat kürzlich ein Softwarezentrum in Bengalaru eröffnet. Dort soll das STLA SmartCockpit programmiert werden, eine Fahrzeugsoftware, die Stellantis 2024 einführen will.

Unser Titelbild zeigt den aktuellen Citroen C3, der auf der Plattform CMP basiert.