Jahrelang sanken die Preise für Elektroauto-Batterien, doch von 2021 auf 2022 stiegen sie erstmals wieder. Zu den Gründen gehören vor allem steigende Rohstoffpreise und die allgemein hohe Inflation.

Der Durchschnittspreis für Lithium-Ionen-Batteriepakete erhöhte sich im Jahr 2022 auf 151 Dollar pro Kilowattstunde, während es im Vorjahr noch 141 Dollar waren, so eine Untersuchung der Rohstoff-Analysten von BloombergNEF. Die genannten Preise beziehen sich nicht auf Batterien für Elektroautos, sondern auf einen Durchschnitt, in den auch andere Elektrofahrzeuge, Busse und stationäre Speicher eingehen.

Batteriepreis-Entwicklung 2013 bis 2022

Bei reinen Elektroautos lagen die Preise für ein Batteriepaket 2022 bei durchschnittlich 138 Dollar/kWh. Auf Zellebene lag der Preis bei 115 $/kWh. Damit sanken die Kosten für das "Darumherum" von früher etwa 30 auf nun nur noch 17 Prozent. Dies ist unter anderem auf kostengünstige Cell-to-Pack-Ansätze zurückzuführen, so der Bericht.

In China waren die Batteriepreise mit 127 $/kWh am günstigsten, in den USA und Europa waren sie um 24 bzw. 33 Prozent höher. Die höheren Preise kommen unter anderem durch die Importkosten zustande, denn die meisten Elektroauto-Batterien kommen nach wie vor aus Asien.

Die Batterie-Nachfrage hat sich 2022 fast verdoppelt – auf 603 GWh 

Trotz der gestiegenen Preise legte die Nachfrage nach Batterien auch im Jahr 2022 deutlich zu. Im Gesamtjahr soll die 603 Gigawattstunden erreichen, was fast einer Verdoppelung gegenüber 2021 entspräche. 

Die Preise hätten im Jahr 2022 noch stärker steigen können, wenn der Kostendruck nicht durch günstigere Batteriematerialien teilweise kompensiert worden wäre. So sind Lithiumeisenphosphat-Batterie (LFP-Akkus) auf dem Vormarsch, genauso wie NMC-Kathoden (aus Nickel, Mangan und Cobalt) mit einem geringeren Gehalt an teurem Cobalt. LFP-Zellen kosten nach dem Bericht 20 Prozent weniger als NMC-Zellen. Allerdings enthalten bisher praktisch alle Elektroauto-Batterien Lithium, und dessen Preise stiegen ebenfalls deutlich. So kosteten 2022 auch LFP-Batteriepakete 27 Prozent mehr als im Jahr 2021.

LFP-Zellen sind rund 20 Prozent billiger als NMC-Zellen

Wegen der steigenden Preise sind Batterie- und Autohersteller dazu übergegangen, sich die wichtigsten Rohstoffe durch längerfristige Verträge zu sichern; teilweise investieren die Firmen sogar selbst in Bergbau- und Raffinerieprojekte, so BloombergNEF.

Für das nächste Jahr erwarten die Experten etwa konstante Batteriepreise, und 2024 sollen sie sogar wieder sinken, weil dann mehr Lithium gefördert werde. Bis 2026 soll der durchschnittliche Preis für Batteriepakete sogar auf unter 100 $/kWh fallen. Damit wird die magische Schwelle zwei Jahre später erreicht als bisher erwartet. Dies dürfte sich auch auf die Markteinführung günstiger Elektroautos auswirken. Der VW-Konzern will 2025 günstige Einstiegsmodelle bringen, Tesla hat sein geplantes Einstiegsmodell unterhalb des Model 3 auf unbekannte Zeit verschoben.

Geopolitische Risiken und Handelshemmnisse seien kurzfristig die größten Unsicherheiten für die Batteriepreise. Wenn diese Spannungen zurückgingen, würde das die Preisentwicklung dämpfen. Auch neue Technologien wie siliciumreiche Anoden und Lithiummetall-Anoden, Festkörperbatterien und neue Produktionsmethoden für die Zellen könnten die Preise sinken lassen, glaubt BloombergNEF.

Unser Titelbild zeigt eine 58-kWh-Batterie von VW mit neun Modulen.