Ford erprobt das Potenzial von Wasserstoff als Energieträger für Nutzfahrzeuge. In Großbritannien startete jetzt ein entsprechendes Pilotprojekt mit acht Prototypen auf Basis des Ford E-Transit. Die Testfahrzeuge wurden mit Wasserstoff-Brennstoffzellen ausgerüstet.

Die acht Fahrzeuge sollen bis 2025 in jeweils sechsmonatigen Intervallen im Einsatz sein. Im Vordergrund der Praxistests stehen Aspekte wie Sicherheit, Speicherkapazität und Gewicht. Untersucht werden soll auch, wie sich gebrauchte Komponenten recyceln lassen.

Ford E-Transit mit Wasserstoff-Brennstoffzellen (Prototyp)

Die Nutzfahrzeugsparte Ford Pro will auch fundierte Daten zu den Gesamtkosten inklusive Energieverbrauch (Total Cost of Ownership, TCO) gewinnen. So will man ermitteln, ob Unternehmen mit hohen Fahrleistungen durch wasserstoffbasierte Brennstoffzellen-Fahrzeuge Vorteile bei Reichweite und Betriebszeiten erzielen können. Außerdem untersucht der Praxistest, wie eine sinnvolle Infrastruktur zum Nachtanken von Wasserstoff aussehen könnte. Die emissionsfreien Elektro-Prototypen messen sich dabei nicht mit der batterieelektrischen Transit-Version, sondern mit dem Diesel-Transporter.

Ford E-Transit: Die Batterie am Unterboden

Ford E-Transit: Die Batterie am Unterboden

Zur Technik des Wasserstoff-Transit machte Ford keine Angaben. Der geschlossene Aufbau legt aber nahe, dass die zusätzliche Technik – vor allem Wasserstoffflaschen und Brennstoffzellen-Stack – im Laderaum untergebracht ist. Möglicherweise hat das Auto aber auch eine kleinere Batterie, so dass im Unterboden Platz für Wasserstoff-Flaschen bleibt. Die normale Elektroversion des Transit besitzt einen Heckantrieb mit 135 oder 198 kW. Die 68-kWh-Batterie ermöglicht bis zu 317 Kilometer im WLTP-Zyklus. Aufgeladen wird entweder über Nach mit Wechselstrom oder rund 34 Minuten mit Gleichstrom (15-80 Prozent).

Ford forscht bereits seit den 90er-Jahren an der Brennstoffzellen-Technik, hat bereits zahlreiche Prototypen entwickelt und diverse Testflotten mit gewerblichen Kunden betrieben. Eine Brennstoffzellenversion des Ford Explorer testeten wir schon 2006 (bei Motor1). 2021 stellte das Unternehmen eine Brennstoffzellen-Version des E-Transit auf der britischen Cenex Low Carbon Vehicle Show vor.

Ford Pro will im Rahmen des Pilotprojekts auch seine Erfahrung mit der Umrüstung auf Wasserstoff-Technik erweitern. Diese findet auf dem Gelände von Ford in Dagenham statt. Die örtlichen Ingenieure erhalten dabei Unterstützung von E-Transit-Spezialisten aus dem nahe gelegenen Technikzentrum von Ford in Dunton.

"Ford ist davon überzeugt, dass Brennstoffzellen ihre Vorteile in erster Linie in den größeren und schwereren Nutzfahrzeugen ausspielen können", sagte Ford-Großbritannien-Chef Tim Slatter. Sie erzielten eine hohe Reichweite, ließen sich schnell auftanken und erfüllen damit die Ansprüche von Fuhrparkleitern in Sachen Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Besonders Langstreckentransporte, der Schwerlastverkehr, Transporte mit Nebenaggregaten wie zum Beispiel für die Kühlung sowie Betriebe mit begrenzten Auflade-Möglichkeiten während der Betriebszeiten könnten von der FCEV-Technik profitieren, so Ford.

An dem Pilotprogramm ist auch der Energieversorger bp beteiligt, der den Wasserstoff-Verbrauch und die Anforderungen an die Infrastruktur erfasst. Das Brennstoffzellen-System kommt offenbar von dem Engineering-Unternehmen Cambustion, die Wasserstoffspeicher von Viritech.