Northvolt meldet Gläubigerschutz an, Chef tritt zurück
Firma hat offenbar 5,8 Milliarden Schulden und wenig Cash
Northvolt ist pleite und beantragt Gläubigerschutz nach dem US-Insolvenzverfahren "Chapter 11". Damit erhält der schwedische Zellhersteller Zugang zu neuem Kapital. Das gab die Firma bereits am 21. November bekannt. Am gestrigen 22. November folgte die Meldung, dass Unternehmensgründer Peter Carlsson als Northvolt-Chef mit sofortiger Wirkung zurücktritt. Er bleibt aber Berater und Member of the Board (Aufsichtsratsmitglied).
Die Anträge nach Chapter 11 wurden beim US-Konkursgericht für den südlichen Bezirk von Texas gestellt. Das Verfahren ermöglicht es dem Unternehmen, seine Schulden umzustrukturieren und den Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Firma erfüllt weiter seine Lieferzusagen an Kunden, kommt Verpflichtungen gegenüber Zulieferern nach und bezahlt die Löhne der Beschäftigten.
Unternehmensgründer Peter Carlsson trat am Freitag mit sofortiger Wirkung als CEO zurück
Northvolt Ett (unser Titelbild), das erste Zellwerk des Unternehmens, mit Sitz im nordschwedischen Skellefteå, sowie das Entwicklungszentrum Northvolt Labs in Västerås (100 km westlich von Stockholm) bleiben in Betrieb. Die Tochtergesellschaften Northvolt Deutschland mit der geplanten Batteriefabrik in Heide sowie Northvolt Nordamerika mit der geplanten Zellfabrik in Montreal, werden separat finanziert und sind vom Gläubigerschutz-Verfahren nicht betroffen; sie werden separat finanziert, erklärt Northvolt.
Durch das Verfahren erhält Northvolt Zugang zu neuem Kapital in Höhe von 245 Millionen Dollar. Dieser Betrag setzt sich aus etwa 145 Millionen an Barmitteln, die Northvolt zur Absicherung beiseitegelegt hatte, und 100 Millionen von einem Zell-Abnehmer zusammen, bei dem es sich laut Reuters um Scania handeln soll.
Die Umstrukturierung soll im ersten Quartal 2025 abgeschlossen werden. In der Zeit bis dahin will Northvolt Gespräche mit Investoren sowie Kreditgebern, Aktionären und Kunden führen. Man werde sich "darauf konzentrieren, unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Stakeholdern zu erfüllen, darunter unseren Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten und den Regierungen der Länder, in denen wir tätig sind."
Rendering der geplanten Northvolt-Zellfabrik in Heide
Northvolt wurde 2016 in Stockholm gegründet. Northvolt Ett (schwedisch für Northvolt Eins) produziert seit Ende 2021 Lithium-Ionen-Zellen. Northvolt Dwa (polnisch für Northvolt Zwei) produziert seit 2019 Module und Batteriepakete. Northvolt Drei, eine Zellfabrik im norddeutschen Heide, wird seit März 2024 gebaut. Zudem waren eine Fabrik speziell für Volvo in Göteborg sowie Northvolt Fem (fünf) im schwedischen Borlänge und Northvolt Six in Montreal geplant.
Im September 2024 hatte Northvolt Notmaßnahmen zur Kostensenkung bekannt gegeben; so wurden die geplante Fertigung von Kathodenmaterialien sowie Northvolt Fem gestrichen und etwa ein Fünftel der Belegschaft entlassen. Als ein wichtiger Grund für die Schwierigkeiten von Northvolt gilt, dass die Gigafactory in Schweden viel Ausschuss produzierte. Deswegen soll BMW im Sommer 2024 einen Auftrag im Wert von zwei Milliarden Euro gestrichen haben. Damit sollte die schwedische Firma der dritte Zelllieferant von BMW neben CATL und Samsung SDI werden. Nach dem Ausstieg von BMW sollen vor allem Zellen für Scania, Audi und Porsche produziert worden sein.
Unter dem Strich
Northvolt stellt einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 und will seine Finanzierung bis Frühjahr 2025 auf neue Beine stellen. Die operative Führung als COO übernimmt nach dem Rücktritt von Gründer Peter Carlsson der Chef der Zellsparte, Matthias Arleth. Ob die Rettung der Firma gelingt, ist offen. Laut Reuters hat Northvolt Schulden von 5,8 Milliarden Dollar.
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