US-Batteriespezialist Lyten will Northvolt kaufen
Damit keimt wieder Hoffnung auf für eine Zukunft der Zellfabriken in Skellefteå und Heide
Lyten, bekannt als US-Spezialist für Lithium-Schwefel-Batterien, will den insolventen schwedischen Zellhersteller Northvolt übernehmen. Man habe verbindlich vereinbart, die schwedischen Fabriken von Northvolt und Northvolt Drei im norddeutschen Heide sowie das geistige Eigentum von Northvolt zu kaufen, meldet die amerikanische Firma offiziell.
Die Vermögenswerte sollen etwa 5 Milliarden US-Dollar wert sein; wieviel Lyten dafür gezahlt hat, wurde nicht bekannt gegeben. Die Übernahme wird jedoch vollständig durch Eigenkapitalbeteiligungen privater Investoren finanziert, so Lyten.
Northvolt hat eine Produktionskapazität von 16 GWh Batteriezellen und in Bau befindliche Anlagen für weitere 15 GWh. Die Zellfabrik Northvolt Ett im nordschwedischen Skellefteå soll wieder arbeiten und auch das Entwicklungszentrum Northvolt Labs in Västerås (rund 100 km westlich von Stockholm) soll wieder aufgenommen werden. Auch der Bau von Northvolt Drei, der geplanten Zellproduktionsanlage in Heide (Schleswig-Holstein) mit einer anfänglichen Kapazität von 15 GWh soll fortgesetzt werden. Dazu arbeite man mit Northvolt und der deutschen Regierung zusammen, schreibt Lyten.
Mehrere Mitglieder des derzeitigen Northvolt-Führungsteams wollen zu Lyten zu wechseln. Auch ein Großteil der entlassenen Mitarbeiter an den genannten Standorten soll wieder eingestellt werden.
Lyten strebt außerdem die Übernahme von Northvolt Six in Québec an. Dort war eine 60-GWh-Anlage geplant, die in der ersten Phase 15 GWh produzieren sollte. Gespräche mit Northvolt North America, der kanadischen Regierung und der Regierung von Québec seien schon in Gang.
Vor der Übernahme von Northvolt Ett und Drei hat Lyten schon andere Northvolt-Anlagen gekauft. Im November 2024 erwarb die Firma den zu Northvolt gehörenden Lithium-Metall-Batteriespezialisten Cuberg in Kalifornien. Anfang Juli gab Lyten dann die Übernahme von Northvolt Dwa bekannt, einem Werk in Danzig, in dem Zellen zu Modulen und Batterien für stationäre Anwendungen zusammengesetzt werden. Diese Übernahme soll noch im August abgeschlossen werden.
Die schwedische Regierung äußerte sich zustimmend: Die stellvertretende Ministerpräsidentin Ebba Busch sagte, die Übernahme sei "ein Gewinn für Schweden" und für die ehemaligen Northvolt-Mitarbeiter. Man habe eng mit dem Treuhänder und Lyten zusammengearbeitet, um den Deal Wirklichkeit werden zu lassen.
Lytens wolle "der führende Anbieter von sauberen, lokal bezogenen und hergestellten Batterien und Energiespeichersystemen in Nordamerika und Europa" sein, sagte Lyten-Chef Dan Cook. Die Übernahme von Northvolt verschaffe der Firma die nötigen Anlagen und "das schwedische Talent", womit das Ziel um Jahre näher rücke.
"Die Nachfrage nach Batterien aus europäischer und nordamerikanischer Produktion wächst stetig", ergänzte LYten-Vorstandsvorsitzender Lars Herlitz. Northvolts Produktionsanlagen mit kostengünstiger, sauberer Energie, Lytens Lithium-Schwefel-Batterietechnologie und seine US-Lieferkette für Batteriematerialien seien "die perfekte Kombination".
Näheres zur Übernahme soll am morgigen Freitagvormittag in einer Pressekonferenz verkündet werden. Die Übernahme muss noch durch die schwedischen, deutschen und europäischen Behörden genehmigt werden. Lyten erwartet den Abschluss der Übernahmen im vierten Quartal dieses Jahres, also frühestens im Oktober.
Lyten produziert derzeit Lithium-Schwefel-Batterien im Silicon Valley und verkauft sie an Drohnen- und Rüstungshersteller. Außerdem sollen die Lithium-Schwefel-Akkus künftig auch in stationären Energiespeichern (BESS, Battery Energy Storage Systems) eingesetzt werden. Im Jahr 2024 gab Lyten bekannt,d as LYten-Zellen in das Elektrofahrzeug Chrysler Halcyon Concept (Wikipedia Englisch) integriert wird und auch an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) eingesetzt werden.
Unter dem Strich
Nimmt das Drama um Northvolt doch noch ein gutes Ende? Die schwedische und die deutsche Regierung, aber auch die europäische Kommission würden das wohl begrüßen, denn jede Zellfabrik in Europa mehr bedeutet weniger Abhängigkeit von den asiatischen Produzenten wie CATL, BYD, Samsung, LG, Sk On, Panasonic etc. Zudem wären die deutschen und die europäischen Subventionen für das Werk in Heide nicht verpufft. Aber noch ist die Transaktion nicht in trockenen Tüchern. Und es bleibt unklar, wie die doch rechts spezielle Lithium-Schwefel-Chemie von Lyten zu den Elektroauto-Zellen von Northvolt passen soll.
Unser Titelbild zeigt die Fabrik Northvolt Ett in Skellefteå.
Quelle: Lyten
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