Smart hat schon ganz auf Elektroautos umgestellt. Jaguar will 2025 folgen, Volvo und Mini dann 2030. Und nun hat auch Fiat-Chef Olivier François den Abschied vom Verbrenner verkündet, und zwar ebenfalls für 2030. Die Formulierung ist zwar nicht ganz eindeutig, aber doch viel versprechend. 

Die Äußerung fiel in einer Diskussion am Vorabend des World Environment Day am morgigen Samstag (5. Juni). Laut François, der auch Marketingchef (CMO) des Stellantis-Konzerns ist, soll die Fiat-Palette bis 2030 auf Elektroautos umgestellt werden. Die Nachricht verbreitete der Stellantis-Konzern per Newsletter.   

"Zwischen 2025 und 2030 wird unsere Produktpalette schrittweise auf rein elektrische Fahrzeuge umgestellt." (Fiat-Chef Olivier François)

Das Zitat ist ein klein wenig uneindeutig, aber für uns bedeutet das: Die Elektrifizierung, die 2020 mit dem Fiat 500 e begonnen hat, soll bis 2030 abgeschlossen sein, wobei allerdings die nächsten Schritte wohl erst 2025 folgen.

Bisher hat Fiat nur zwei Elektroautos im Angebot: den Fiat 500 e und den e-Ducato. Dagegen hat die Marke noch fünf Verbrenner-Baureihen, nämlich den konventionellen 500, den 500X und 500L sowie den Panda und den Tipo (in drei Karosserievarianten).

Unsere Kollegen von InsideEVs Italien glauben, dass zuerst der Panda elektrifiziert wird. Sie berufen sich dabei auf die Studie Centoventi vom Genfer Autosalon 2019, die der erwähnte Olivier François mit dem Panda in Verbindung gebracht hat, und zwar in einem Interview mit dem französischen Automagazin L'Argus.

Bildergalerie: Fiat Concept Centoventi (2019)

In dem Interview vom Februar 2020 hatte der Manager gesagt:

"Der zukünftige Panda muss das Elektroauto demokratisieren. (...) Das Centoventi-Konzept lässt in gewisser Weise in Bezug auf Eigenschaften und Geist die Zukunft des Panda und unseres Angebots im B-Segment erahnen." (Olivier François im Februar 2020)

Anmerkung am Rande: Seltsamerweise ordnet François den Panda hier ins B-Segment ein, statt wie üblich ins A-Segment (Kleinstwagen). Aber er erklärt das in den folgenden Sätzen:

"Er wird uns auch ermöglichen, das Problem der geringen Margen zu lösen, das diesen Markt [vermutlich das A-Segment, d. Red.] seit langem prägt. Der Centoventi-Ansatz (...) wird auch im C- oder sogar im unteren D-Segment mit einem 4,50 bis 4,60 Meter langen Fahrzeug zum Einsatz kommen. Mittelfristig werden wir über ein komplettes und sehr verjüngtes Sortiment von sechs Modellen verfügen."

Der letzte Satz könnte bedeuten, dass aus den heute zwei Elektroauto- und fünf Verbrenner-Baureihen künftig sechs Elektro-Modelle werden, darunter der 500 e und ein Panda e, vielleicht auch entsprechende X-Modelle mit SUV-Flair. Diese könnten dann auch größer sein, in höheren Klassen antreten und höhere Preise haben – um das Problem mit den niedrigen Margen in den niedrigen Klassen zu lösen. Auch einen 500L könnte es weiter geben, wenn auch mit anderer Konzeption: "Der 500L wird weiterhin im Katalog bleiben, aber ich möchte ihn durch etwas anderes als einen Minivan ersetzen."

fiat-500-elettrica-olivier-francois-e-stefano-boeri (Bildquelle: https://it.motor1.com/news/511936/fiat-auto-elettriche-2030/)
Olivier François: "Der zukünftige Panda muss das Elektroauto demokratisieren."

Der Panda-Nachfolger werde allerdings "nicht unbedingt Panda heißen", so Olivier François. Und es werde auch nicht bei einem Modell bleiben, sondern es soll eine ganze Modellfamilie geben: 

"Wir glauben immer noch fest an die doppelte DNA von Fiat, mit der 500er-Familie und ihrer Premium-Positionierung auf der einen Seite, und auf der anderen Seite einem zugänglicheren, minimalistischeren Angebot, das durch das Centoventi-Konzept verkörpert wird (...). Der Panda ist heute ein Modell, aber daraus wird eine Familie werden, die nicht unbedingt Panda heißen wird. Wir krempeln die Ärmel hoch, um es zu entwickeln, und in Sachen Elektrifizierung scheint er mir sehr interessant zu sein. "

Im folgenden Video diskutieren Architekt Stefano Boeri (der sich auf "vertikale Gärten" in der Großstadt spezialisiert hat) und Fiat-Chef Olivier François über die Zukunft der Großstadt (auf Englisch mit deutschen Untertiteln). Nach etwa 29 Minuten sagt François, Fiat müsse Elektroautos auf den Markt bringen, die nicht mehr kosten als Verbrenner. Das werde zwischen 2025 und 2030 passieren. Dann sollen laut François die Kosten heruntergehen und "unsere gesamte Produktpalette wird elektrisch werden."