Schnelllade-Analyse zeigt: 73-kWh-Variante lohnt sich kaum

Der Hyundai Ioniq 5 mit der großen 72,6-kWh-Batterie gehört zu den am schnellsten ladenden Elektroautos auf dem Markt; Reichweite wird hier sogar deutlich schneller nachgeladen als beim ungleich teureren Porsche Taycan. Aber wie steht es mit der Ioniq-5-Version mit der kleinen 58,2-kWh-Batterie? Wie schnell lädt diese Reichweite nach?

Der Youtube-Tester Andreas Haehnel hat kürzlich ein frühes Exemplar an einem Ionity-Schnelllader geladen. Die Außentemperatur betrug laut Video nur 16 Grad, war also suboptimal. Dennoch lässt Haehnels Video erkennen, wie gut die Variante mit kleinem Akku (und Hinterradantrieb) abschneidet:

Hier analysieren wir Haehnels Ladeergebnisse genauer.

Ladekurve mit charakteristischem Einbruch

Im Test wurde von 0 bis 90 Prozent Ladestand (SOC) geladen. Die Ladekurve ähnelt stark der des Ioniq 5 mit großer Batterie, wie wir später noch genauer zeigen. Auch der charakteristische Einbruch der Ladeleistung (hier bei etwa 60 Prozent SOC) ist in Haehnels Ladekurve wieder zu sehen. Es handelt sich also wohl nicht um einen Fehler der Ladesäule, wie der Youtuber mutmaßt, sondern um eine Eigenart des Ioniq 5.

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Die maximale Ladeleistung lag im Test bei ca. 177 kW. Wie die Ladekurve oben zeigt, ist diese hohe Ladeleistung von etwa 7 bis 45 Prozent SOC verfügbar. Dann sinkt der Wert auf etwas unter 145 kW ab; diese Leistung bleibt bis 57 Prozent erhalten. Nach dem erwähnten Einbruch geht es noch einige Zeit mit rund 140 kW weiter. Schließlich sinkt die Ladeleistung ab; bei 86 Prozent SOC sind 50 kW erreicht.

Ladezeit: Etwa 15 min für 20-80 Prozent

Laut dem Video dauerte die gesamte Lade-Sitzung (0 bis 90 Prozent) etwa 27 Minuten. Das Laden in dem von uns betrachteten Bereich von 20 bis 80 Prozent SOC dauerte etwas mehr als 15 Minuten.

Durchschnittliche Ladeleistung: 144 kW

Die durchschnittliche Ladeleistung im wichtigen Bereich von 20 bis 80 Prozent betrug 144 kW, also 81 Prozent des Maximalwerts. Dieses Ergebnis ist für die Akkugröße wirklich gut, und die Durchschnittswerte bleiben bis zu hohen SOC-Werten hoch. So ist unsere Matrix fast in allen Bereichen grün:

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C-Raten: Bis zu 2,85 C

Die so genannte C-Rate gibt an, wie sich die Ladeleistung zur Brutto-Kapazität des Akkus verhält. Zum Beispiel wird 1C erreicht, wenn der Akku in einer Stunde vollgeladen wird. Beim Ioniq 5 mit der kleinen 58-kWh-Batterie (brutto vermutlich 62 kWh) wäre dazu eine durchschnittliche Ladeleistung von 62 kW ausreichend. Würde das Vollladen nur eine halbe Stunde dauern, wäre 2C erreicht. Dazu wären dann durchschnittlich 124 kW nötig.

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Die maximal erreichte C-Rate des 58-kWh-Hyundai liegt bei etwa 2,85 C, durchschnittlich wurden im Bereich von 20 bis 80 Prozent SOC noch 2,3 C erreicht. Beide Ergebnisse sind sehr gut.

Reichweite nachladen mit 15,2 km/min

Die WLTP-Reichweite des Ioniq 5 mit der kleinen Batterie und Hinterradantrieb liegt laut Hyundai-Website bei 400 Kilometern. Wer weiter fahren will, möchte wissen, wie lange es dauert, bis Strom für zum Beispiel 100 weitere Kilometer nachgeladen sind. Dieser Wert hängt von der durchschnittlichen Ladeleistung, aber auch vom Stromverbrauch ab.

Den Stromverbrauch berechnen wir hier aus der WLTP-Reichweite und der verfügbaren Batteriekapazität von 58,2 kWh. Danach benötigt unser Ioniq 5 etwa 14,6 kWh pro 100 km. Teilen wir die durchschnittliche Ladeleistung von 144 kW durch diesen Wert (genau gesagt: 144.000 W geteilt durch 8.760 Wmin/km), so erhalten wir 16,4 km/min. 100 Kilometer Reichweite nachzuladen, dauert also nur etwa sechs Minuten.

Der Ioniq 5 mit dem kleinen Akku lädt also sehr schnell. Die Ergebnisse sind State-of-the-Art für diese Batteriekapazität. Nur wenige Modelle mit größeren Akkus erreichen noch bessere Werte.

Vergleich mit dem großen Akku

Im Folgenden vergleichen wir die Auflade-Daten des 58,2-kWh-Akkus mit denen des 72,6-kWh-Akkus (Test von Battery Life an einer Ionity-Säule und Hyundais Demo in Südkorea). Wie erwähnt, sieht die rote Ladekurve des kleinen Akkus ähnlich aus wie bei der großen Batterie, liegt aber niedriger:

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Die durchschnittliche Ladeleistung im Bereich von 20 bis 80 Prozent liegt etwa 15 bis 20 Prozent unter den Werten beim großen Akku. Die C-Raten dagegen liegen auf einem sehr ähnlichen Niveau:

Ladeleistung und C-Raten im Vergleich
Modell Antrieb /
Batterie
(kWh)
Ladeleistung
(maximal)

Ladeleistung
(Durchschnitt,
20-80%)
C-Rate
(maximal)
C-Rate
(Durchschnitt,
20-80%)
Hyundai Ioniq 5 (58,2 kWh)
von A. Haehnel
62 kWh 177 kW 144 kW 2,9 2,3
Hyundai Ioniq 5 (72,6 kWh)
bei Ionity

77 kWh 224 kW 170 kW 2,9 2,2
Hyundai Ioniq 5 (72,6 kWh)
(Hyundai-Demo)

77 kWh 225 kW 180 kW 2,9 2,3

Wohl der wichtigste Wert für Vielfahrer ist, wie lange das Nachladen von Reichweite dauert. Hier liegt die Variante mit dem kleinen Akku deutlich hinter der Version mit der großen Batterie. Der Hyundai schneidet aber auch mit dem kleinen Akku noch um Längen besser als als die Konkurrenz von VW und Tesla:

Reichweite-Nachladen im Vergleich
Modell

Batterie
(kWh)
Ladeleistung
(Durchschnitt,
20-80%)
Reichweite-Nachladen
(20-80%)
Hyundai Ioniq 5 (58,2 kWh RWD)
von A. Haehnel
62 kWh 144 kW 16,4 km/min *)
Hyundai Ioniq 5 (72,6 kWh AWD)
bei Ionity
77 kWh 170 kW 18,8 km/min
Hyundai Ioniq 5 (72,6 kWh AWD)
(Hyundai-Demo)
77 kWh 180 kW 19,9 km/min
Tesla Model 3 SR+ RWD von 2020 53 kWh 82 kW 11,4 km/min
Tesla Model 3 SR+ RWD von 2021 55 kWh 64 kW 9,4 km/min
VW ID.3 (62 kWh RWD) 62 kWh 70 kW 8,4 km/min

*) Anmerkung: Im englischen Original-Artikel geht unser US-Kollege Mark Kane von einer Reichweite von 370 km aus. Das ist der im Mai für Großbritannien kommunizierte Wert für die AWD-Version. Er kommt damit auf eine Geschwindigkeit beim Reichweite-Nachladen von 15,2 Kilometer pro Minute. Dieser Wert ist besser mit den Schnelllade-Ergebnissen für die große Batterie vergleichbar, die ebenfalls mit Allradantrieb getestet wurden.

Fazit

Wie der Hyundai Ioniq 5 mit der großen 73-kWh-Batterie lädt auch die Version mit der kleineren Batterie (58 kWh) großartig. Beide Batterien werden gleich stark belastet (fast identische C-Raten). Daher liegt die durchschnittliche Ladeleistung der kleinen Batterie unter der des großen Akkus.

Beide Ladekurven sind sehr ähnlich. Bis auf den seltsamen Leistungsabfall in der Mitte der Ladesitzung sehen die Ladekurven sehr gut aus. Es gibt nicht viele Autos, die mit Gleichstrom noch schneller laden können.

Die kleinere und leichtere 58,2-kWh-Batterieversion des Autos ist um einige Prozent sparsamer als die Version mit der großen Batterie. Der Unterschied beim Stromverbrauch reicht jedoch nicht aus, um den Unterschied in der Ladeleistung auszugleichen. So lädt die Version mit dem großen Akku Reichweite spürbar schneller nach.

Die Frage ist jedoch, ob der Unterschied den Mehrpreis des großen Akkus von rund 3.000 Euro rechtfertigt. Mit der großen Batterie ist die Reichweite um rund 70 km höher, aber 100 km Reichweite kann man nach unseren Ergebnissen auch bei dem kleinen Akku in nur sechs Minuten nachladen. Tester Andreas Haehnel sagt in seinem Video, die Version mit dem kleinen Akku lade so schnell, dass er diese Version kaufen würde. Dem würden wir beipflichten.

Anmerkung: Wir haben den Original-Artikel von Mark Kane beim Übersetzen durch Weglassen einiger Diagramme und Tabellen etwas gestrafft. Außerdem sind wir wie erwähnt für das Reichweite-Nachladen von der Reichweite des RWD-Modells ausgegangen, die Andreas Haehnel getestet hat. Die sonstigen Ergebnisse und das Fazit sind im Prinzip identisch.