Leapmotor B05 (2026) im Test: Fahrspaß und Stress im ID.3-Gegner
Tolles Fahrwerk, knappe Platzverhältnisse und übergriffige Helfer: Warum der Kompakte Nerven kostet
Auch wenn die Kompaktklasse in den letzten Jahren Federn gegenüber den SUVs lassen musste, ist sie in Europa immer noch ein beliebtes Segment. In Deutschland entschlossen sich 2025 16,7 Prozent für einen klassischen Kompakten. Das bleibt auch in China nicht unbemerkt. Vor allem nicht, wenn des Konzerns Hauptsitz in den Niederlanden residiert.
Jetzt schickt Stellantis also den Leapmotor B05 ins hart umkämpfte C-Segment. Vollelektrisch wird das hierzulande hauptsächlich vom VW ID.3 und vom Cupra Born dominiert. Zwei Autos, die vor allem über ihre Fahrdynamik punkten. Fahrzeuge aus dem "Reich der Mitte" sind dafür eher nicht bekannt. Kann der Chinese da mithalten?
Bildergalerie: Leapmotor B05 (2026) im Test
Um eine ähnliche Dynamik entwickeln zu können, kommt der B05 ebenfalls mit Heckantrieb und einer exakt austarierten Balance von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse. Der Elektromotor liefert maximal 160 kW (218 PS) und 240 Nm Drehmoment. Mit 6,7 Sekunden auf 100 km/h suggeriert der Neue schon mal einen gewissen Anspruch auf Sportlichkeit – sogar eine Launch-Control ist mit an Bord.
Die Energie saugt sich der Kompakte wahlweise aus einer 56,2-kWh-Batterie mit bis zu 401 Kilometer Reichweite oder aus einem 67,1-kWh-Akku mit 482 kombinierten Kilometern nach WLTP. 168 kW maximale Ladeleistung gibt's oben drauf. Leapmotor erwähnt damit eine Ladung von ungewöhnlichen 30 auf 80 Prozent in 17 Minuten.
Ein Schelm, wer hier denkt, der B05 bräuchte eventuell eine gewisse Anlaufzeit vor diesen 30 Prozent, die eine 10-auf-80-Prozent-Angabe möglicherweise unspektakulärer aussehen ließen.
| Schnelle Daten | Leapmotor B05 (2026) ProMax Design |
| Antrieb | Heckantrieb |
| Systemleistung / Max Drehmoment | 160 kW (218 PS) / 240 Nm |
| Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h |
| 0 - 100 km/h | 6,7 Sekunden |
| Stromverbrauch / Reichweite (WLTP) | 15,9 kWh / 482 km |
| Akku | 67,1 kWh |
| Maximale Ladeleistung / 30 - 80 Prozent | 168 kW / 17 Minuten |
| Preis | 31.900 Euro |
Karosserie und Design | Innenraum | Antrieb und Fahreindrücke | Preise | Fazit
Karosserie und Design
Und auch beim Blick auf den frisch in Deutschland eingetroffenen Chinesen muss ich beim VW-Konzern bleiben. Und ich bin mir sicher, dass das nicht an meinen altersschwachen Augen liegt: Der Leapmotor B05 wirkt einfach wie eine vierte Generation des Scirocco. Wenn die Wolfsburger ihn nicht bauen, dann wohl jemand anders.
Die Front erinnert am stärksten an den 2017 ausgelaufenen Kompaktsportler. Der schlichte schlanke Aufbau mit der durchgehenden schwarzen Leiste, die etwas schwülstigeren Scheinwerfer. Selbst das geklebte Logo auf der Haube und die dynamische Anstellung der Lufteinlässe in der Schürze wecken nostalgische Gefühle.
Selbst die Gürtellinie läuft auf 4,43 Metern einen ähnlichen Weg und stellt so die Radkästen in ein wuchtiges Licht. Statt Bügelgriffen hat der B05 strömungsgünstig anliegende Optionen erhalten (manuell zu öffnen). Am Heck erscheint mittig dieselbe Falz. Nur das obligatorische Leuchtband zwischen den etwas schmaleren Heckleuchten und die schwarz abgesetzte Heckschürze sorgt für etwas Eigenständigkeit.
Leapmotor B05 (2026) im Test
Leapmotor B05 (2026) im Test
Leapmotor B05 (2026) im Test
Und ja, genauso sportlich knackig wie damals der "Rocco" steht jetzt auch der B05 auf knappen 2,74 Metern Radstand da. Kurze Überhänge, leicht keilförmiger Stand. Gerade im gesetzten Gelb wirkt das durchaus ansprechend - je nach Blickwinkel. Schauen Sie bitte nicht von oben rechts auf das Auto, dann wirkt er wieder etwas beliebiger wie seine Brüder B10 und C10. Bleiben Sie auf Augenhöhe oder tiefer!
Innenraum
Im Innenraum ist den Designern dann offenbar das Vorbild abhanden gekommen. Es gibt kaum optische Reize oder pfiffige Gimmicks, abgesehen von der Ambientebeleuchtung um die Lüftungsdüsen. Im Testwagen dominieren zwei Bildschirme, viel Plastik und eine Farbe: Grau. Zudem wirkt das haptisch an manchen Punkten wie ein Neoprenanzug. Robust? Wahrscheinlich. Innovativ? Eher weniger.
Am Ende der Testfahrt rochen meine Hände dann auch nach Gummi. Dennoch liegt das Lenkrad griffig und kompakt in der Hand. Es wirkt insgesamt alles nur etwas uninspiriert und unpersönlich.
Leapmotor B05 (2026) im Test
Leapmotor B05 (2026) im Test
Leapmotor B05 (2026) im Test
Die hochgezogene Mittelkonsole vermittelt zudem ein leicht beengtes Gefühl vorne, wenn auch objektiv gesehen genug Raum für Kopf und Beine zur Verfügung steht. Zudem kann das Gestühl unkompliziert per seitlichen Schaltern an der Sitzkonsole an den Körper angepasst werden. Personen abseits der Norm könnten jedoch Probleme bekommen.
Im Fond ist dennoch für reichlich Beinfreiheit gesorgt. Nur liegt der Fahrzeugboden BEV-typisch recht hoch, sodass ein harter Winkel in den Knien entsteht. Der Raum für die hinteren Passagiere geht jedoch enorm zu Lasten des Stauraums: Nur 295 Liter gibt Leapmotor für den B05 an. Zum Vergleich: Die deutschen Lieblinge Born und ID.3 kommen mit 385 und 383 Litern bei wesentlich geringerer Fahrzeuglänge. Auch mit umgeklappter Rückbank bleibt er mit 1.205 Litern hinter der Konkurrenz.
Etwas undurchsichtig lässt sich auch das Infotainment bedienen. Der Aufbau wirkt leicht verschachtelt, die Eingewöhnungsphase benötigt Zeit. Andere Systeme sind da wesentlich unmittelbarer. Unnötig erscheint auch die ständige Autorisierung durch Eintippen eines Pin-Codes zum Start. Zudem finden sich kaum physische Tasten im Fahrzeug. Selbst für die Spiegelverstellung ist der Umweg über den Bildschirm nötig, was schnelle Nachjustierungen während der Fahrt verhindert.
| Abmessungen | Leapmotor B05 ProMax Design (2026) |
| Länge x Breite x Höhe | 4.430 x 1.880 x 1.520 mm |
| Radstand | 2.735 mm |
| Gewicht | 1.855 kg |
| Zuladung | 370 kg |
| Kofferraumvolumen | 295 - 1205 Liter |
Antrieb und Fahreindrücke
Auf der Straße profitiert der Leapmotor B05 vom europäischen Joint-Venture. Seine Herkunft verschweigt der Chinese gekonnt mit einem knackig direkten Fahrgefühl. Von wegen schwammig und nachwippend? Der Kompakte bricht mit der gängigen Auslegung. Sogar die Lenkung stimmt in das unmittelbare Feedback mit ein.
Was ist hier los? Die Antwort ist ganz einfach: Der Kompakte wurde zusammen mit den globalen Fahrwerksspezialisten von Stellantis entwickelt und ist speziell auf die europäischen Fahrgewohnheiten abgestimmt. Und das passt! Ob auf engen Landstraßen oder kurvigen Abschnitten. Der B05 wuselt sich gekonnt und unbeeindruckt durch die Rheinebene.
Dabei macht auch der Antrieb eine gute Figur, verzichtet auf den übertriebenen E-Kick beim Beschleunigen und peitscht den B05 ausgeglichen, aber flott nach vorne. Leider lässt er auch hier technische Möglichkeiten liegen und verzichtet beispielsweise auf Wippen am Lenkrad zur individuellen Rekuperationsanpassung. Die hat inzwischen sogar der Konzernmitstreiter Opel Astra.
Leapmotor B05 (2026) im Test
Leapmotor B05 (2026) im Test
Wer hier ständig nachjustiert, wird mit dem Leapmotor kaum glücklich, ist hier doch jedes Mal der Umweg über das Fahrmenü nötig. Dort sind auch verschiedene Modi hinterlegt, die damit aber kaum Beachtung finden, weil für sich schnell ändernde Situationen einfach zu umständlich zu handhaben.
Doch leider verspielt der Chinese seine gute Fahrvorstellung wieder, weil er sehr übergriffige und aggressive Assistenten in den Ring schickt. Der Spurhalteassistent regelt auf schmalen Straßen ständig gegen, führt das Auto auch bei entgegenkommendem Verkehr vom Fahrbandrand weg. Oftmals erkennt er Fugen oder Verfärbungen als Leitlinie und schiebt kräftig gegen. Dazu bimmelt es in einer Tour. Dieses Verhalten ist nicht nur Stress pur, sondern kontraproduktiv.
Im Leapmotor B05 assistiert leider niemand, hier wird ständig aktiv eingegriffen – ob fehlerhaft oder nicht, ist dem Auto leider egal! Ausstellen lässt sich das alles nur im Stand oder über ein angelegtes Profil. Während der Fahrt verweigert der Neuling eine Anpassung. Wo Assistenten zur Gefahr werden, sind sie leider alles andere als hilfreich. Hier muss dringend nachgebessert werden.
Leapmotor B05 (2026) im Test
Leapmotor B05 (2026) im Test
Auch wer etwas Ziehen will oder Fahrräder per Träger auf der Anhängerkupplung transportieren will, muss beim B05 passen. Leapmotor gibt weder Stützlast noch Anhängelast an – schade!
Preise
Der Leapmotor B05 startet als Pro Life mit 56,2-kWh-Akku bei 27.900 Euro. Der gefahrene ProMax Design mit 67,1-kWh-Batterie kostet 31.900 Euro. Vieles, das woanders Aufpreis kostet, ist hier schon mit drin. Optional sind nur weitere Farben. Das macht den Konfigurationsprozess einfach.
Die kompakte Konkurrenz kommt mit Opel Astra (ab 39.990 Euro) und Peugeot E-308 (ab 42.435 Euro) auch direkt aus dem eigenen Konzern. Beide können aber mit maximalen 100 kW bei den Ladedaten nicht mithalten. Der VW-Konzern stellt ID.3 Neo (ab 33.995 Euro) und den facegelifteten Cupra Born (ab 39.990 Euro) entgegen. Beide kommen mit bis zu 183 kW maximaler Ladeleistung und sollen auf einem "konstant hohen Niveau" laden.
Was alle Konkurrenten verbindet? Will man eine satte Ausstattung, wird's schnell teuer. Aus Korea gesellt sich der exakt gleich lange Kia EV4 ab 37.590 Euro hinzu. Eine weitere Option aus China steht mit dem BYD Dolphin ab 33.990 Euro zur Verfügung. Preislich unterbieten kann das derzeit also nur der MG4 EV Urban ab 24.990 Euro.
Fazit
Der Leapmotor B05 kommt mit ansprechendem Design und tollem Fahrverhalten. Allerdings verhagelt er sich den guten Eindruck durch den uninspirierten Neopren-Innenraum und eine geringe individuelle Nutzung aufgrund des geringen Ladevolumens. Zudem kommt der Kompakte mit undurchsichtiger Bedienung und teils katastrophalen Assistenten.
Wer geduldig ist und sich sein eigenes Profil ohne Helfer anlegen will, wird das verkraften. Wir empfehlen aufgrund dieser technischen Fehlleistungen dennoch vorerst mehr Geld in die Hand zu nehmen oder auf gute Leasingkonditionen bei den Konkurrenten zu achten.
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