Der Premium-Anspruch wird beim DC-Laden nicht eingelöst

Der Honda e ist mit seinem knuddeligen Design ausgesprochen schick geworden und kommt mit Premium-Anspruch daher – und auch mit einem Premium-Preis. Es gibt das Auto in zwei Motorisierungen, die jedoch beide die gleiche Batterie besitzen.

Der Ladenetzanbieter Fastned hat eine Ladekurve zum Honda e veröffentlicht. In dieser Schnelllade-Analyse untersuchen wir diese Kurve näher und vergleichen das Schnelllade-Verhalten des Honda e mit der Konkurrenz.

Ladekurve: Relativ flach, aber niedriges Niveau

Laut deutscher Preisliste kann der Honda e mit bis zu 56 kW laden, während in den USA 50 kW angegeben werden. Es gab bereits Ladevorgänge, bei denen 49 kW erreicht wurden. Im Fastned-Beispiel war die maximale Ladeleistung mit 46 kW etwas geringer. Laut Fastned fand das Aufladen jedoch unter optimalen Bedingungen statt (Temperatur von etwa 30 Grad).

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Wie dem Diagramm zu entnehmen ist, wird die höchste Ladeleistung zwischen 10 und 20 Prozent Ladestand (State of Charge, SOC) erreicht; danach sinkt sie stufenweise ab. Positiv ist, dass auch noch bei einem Ladestand von 95 Prozent etwa 20 kW erreicht werden.

Ladezeit: Etwa 33 bis 35 Minuten

Das Laden von 20 auf 80 Prozent dauerte schätzungsweise etwa 33 bis 35 Minuten. Die Untergrenze von 33 Minuten stammt aus einem Test vom Youtuber Bjørn Nyland (siehe Video ganz am Schluss dieses Artikels). Bei diesem Test stellte er auch eine etwas höhere Ladeleistung als Fastned fest.

100 Kilometer Reichweite dürften in etwa 21 bis 23 Minuten nachgeladen werden, wenn man bei 10 oder 20 Prozent SOC startet.

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Durchschnittliche Ladeleistung: Nur 30 kW

Wichtiger als die maximale Ladeleistung ist natürlich die durchschnittliche Leistung in dem Bereich von 20 bis 80 Prozent. Sie beträgt beim Honda e 30 kW (im Diagramm unten schwarz markiert). Kein sehr beeindruckender Wert. Auch wenn man den Akku bis auf 10 Prozent leerfährt, kommt man nur auf 31 kW (zweite Spalte von links): 

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C-Raten: Nur 0,83 C im Durchschnitt

Die so genannte C-Rate gibt an, wie sich die Ladeleistung zur Kapazität des Akkus verhält. Zum Beispiel wird 1C erreicht, wenn der Akku in einer Stunde vollgeladen wird. Bei dem 35,5-kWh-Akku des Honda e wäre dazu eine durchschnittlichen Ladeleistung von 35,5 kW nötig. 2C wären erreicht, wenn der Vorgang nur eine halbe Stunde dauern würde, wozu hier eine Ladeleistung von 71 kW nötig wäre.

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Wie die Grafik oben zeigt, liegt die maximale C-Rate beim Honda e bei etwa 1,3C. Die durchschnittliche C-Rate beim Laden von 20 bis 80 Prozent beträgt 0,83 C. Das ist eine ziemlich niedrige C-Rate, vor allem, wenn man bedenkt, dass das Auto eine flüssigkeitsgekühlte Batterie hat. Damit könnte die beim Schnellladen anfallende Wärme eigentlich gut abgeführt werden, so dass auch höhere C-Raten möglich scheinen, ohne dass die Lebensdauer der Batterie durch zu hohe Temperaturen leiden würde.

Reichweite nachladen: Nur 3,8 Kilometer pro Minute

Für Langstreckenfahrer, die mit der Reichweite für eine Fahrt nicht auskommen, ist wichtig, wie lange es dauert, zusätzliche Reichweite nachzuladen. Denn dieser Wert entscheidet, wie lange man an der Ladestation Däumchen drehen muss, um den Rest der Strecke zu schaffen. Da die WLTP-Reichweite des Honda e mit 220 km ohnehin nicht groß ist, ist dieser Wert (in Kilometer pro Minute Ladezeit) bei diesem Auto besonders wichtig.

Wie schnell Reichweite nachgeladen werden kann, hängt von der durchschnittlichen Ladeleistung und vom Stromverbrauch ab. Letzteren berechnen wir hier aus der WLTP-Reichweite (220 km) und der verfügbaren Batteriekapazität, die nach der Schätzung von Bjørn Nyland 28,6 kWh beträgt. So ergibt sich ein Stromverbrauch von 13,0 kWh/100 km.

Aus der durchschnittlichen Ladeleistung und dem Stromverbrauch lässt sich nun berechnen, wie schnell Reichweite nachgeladen wird. Dazu werden die 30 kW (siehe oben) durch den Stromverbrauch (130 Wh/km oder 7.800 Wmin/km) geteilt. 30.000 geteilt durch 7.800 ergibt 3,8; pro Minute Ladezeit werden als 3,8 Kilometer Reichweite nachgeladen. Das ist auch für einen Kleinwagen kein überzeugender Wert. Die geringe Reichweite und die niedrige Ladeleistung führen hier also zu einem schlechten Wert beim Reichweite-Nachladen. 

Das folgende Diagramm zeigt, wie die C-Rate im Verlauf des Ladevorgangs sinkt:

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Der graue Bereich markiert Nachlade-Geschwindigkeiten von 5 km pro Minute und weniger. Der Honda e liegt schon ab etwa 20 Prozent SOC darunter, und ab 40 Prozent SOC deutlich.

Vergleich mit anderen Elektro-Klein(st)wagen

Fiat 500 Elektro (umwandelbar)
Fiat 500 e (Cabrio)
Volkswagen e-up!
VW e-Up

Im Folgenden vergleichen wir die Ergebnisse des Honda e mit denen von anderen kleinen Elektromodellen, die wir bereits analysiert haben:

Beim Vergleich der Ladekurven liegt die rote Kurve des Honda weit unten; ähnlich schlecht schnitt bislang nur der e-Up (violett) ab:

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Die durchschnittliche Ladeleistung von 30 kW liegt nur wenig über dem Wert des VW e-Up:

Ladeleistungen und C-Raten im Vergleich
Modell Batterie
(brutto)
Ladeleistung
(maximal erreicht)
Ladeleistung
(Durchschnitt,
20-80%)
C-Rate
max.

C-Rate
(Durchschnitt,

20-80%)

Fiat 500 e (42 kWh) 42 kWh 85 kW 63 kW 2,0 1,5
Honda e 35,5 kWh 46 kW 30 kW 1,3 0,8
Renault Zoe Z.E. 50 55 kWh 46 kW 35 kW 0,8 0,6
Peugeot e-208 50 kWh 99 kW 53 kW 2,0 1,1
BMW i3 (42 kWh) 42,2 kWh 50 kW 47 kW 1,2 1,1
Mini Cooper SE 32,6 kWh 49 kW 45 kW 1,5 1,4
VW e-Up 36,8 kWh 37 kW 29 kW 1,0 0,8

Der Vergleich der C-Raten zeigt, wo das Problem liegt: Die durchschnittliche C-Rate liegt bei 0,8. Der Zoe hat eine noch niedrigeren Wert, doch er hat zumindest einen größeren Akku. Der VW e-Up hat ähnliche Werte wie der Honda. Die Konkurrenz belastet den Akku teilweise mit bis zu 2C, wie auch das folgende Diagramm zeigt:

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Und nun das wohl wichtigste Diagramm, das zum Nachladen von Reichweite: Hier zeigt sich das enttäuschende Abschneiden des Honda e erneut:

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Noch interessanter ist wohl die durchschnittliche Geschwindigkeit, mit der Reichweite nachgeladen wird. Beim Honda liegt diese wie erwähnt bei 3,8 km/min; die Konkurrenz liegt bei bis zu 9 km/min:

  • Fiat 500 e (42 kWh): 9 km/min
  • Honda e (35,5 kWh): 3,8 km/min
  • Renault Zoe Z.E. 50: 4,4 km/min
  • Peugeot e-208: 6,7 km/min
  • BMW i3 (42 kWh): 6,4 min/km
  • Mini Cooper SE: 6,1 km/min
  • VW e-Up: 3,9 km/min

Fazit

Insgesamt bietet der Honda e eine ziemlich enttäuschende Leistung beim Schnellladen. Für die Langstrecke mit Ladevorgängen unterwegs eignet sich das Auto damit weniger, und zwar auch im Vergleich mit anderen Klein- und Kleinstwagen, insbesondere dem noch kleineren Fiat 500 e. 

Eine geringe Ladeleistung ließe sich vielleicht besser verschmerzen, wenn die Reichweite groß wäre, aber dem ist nicht so: Der Honda schafft gerade mal 220 km nach WLTP-Norm, während etwa der Fiat oder der Peugeot rund 100 km mehr Reichweite haben.

Hier noch der (englischsprachige) Schnelllade-Test von Bjørn Nyland, bei dem er auch mit einigen anderen Elektroautos vergleicht:

Technische Daten des Honda e

  • Antrieb:1 E-Motor hinten mit 100 bzw. 113 kW
  • 0-100 km/h: 9,0 bzw. 8,3 Sek.
  • Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
  • Reichweite: 210 bis 220 km WLTP
  • Akku: 35,5 kWh brutto (etwa 28,6 kWh netto), Flüssigkühlung, Zellen von Panasonic
  • Aufladen: bis 6,6 kW AC, bis 56 kW DC
  • Länge: 3,89 Meter
  • Basispreis: 33.850 bzw. 38.000 Euro

Anmerkung: Gegenüber dem Originalartikel von Mark Kane haben wir vor allem die Bedeutung einiger Daten ausführlicher erklärt, außerdem haben wir im Vergleichs-Teil eine Tabelle weggelassen.