Elektroautos sind an Bord verboten: So oder so ähnlich könnte man es bald an mehr und mehr Fähren lesen, wenn ein Beispiel aus Norwegen Schule macht. Die Fährlinie Havila Kystruten verbietet auf seinen Fahrten Elektroautos, Hybrid- und Wasserstofffahrzeuge, berichtet das ManagerMagazin.

Havila fährt als Konkurrent der bekannteren Postschiff-Linie Hurtigruten AS entlang der norwegischen Küste. Zur Begründung des Elektroauto-Verbots führt die Reederei Sicherheitsbedenken an: Ein möglicher Fahrzeugbrand wäre von der Mannschaft nicht zu löschen und würde einen aufwendigen Rettungseinsatz erfordern, die Passagiere würden gefährdet.

Havila Capella: Eines der vier Schiffe von Havila Kystruten

Havila Capella: Eines der vier Schiffe von Havila Kystruten

Möglicherweise wurde der Schritt von Havila durch das Unglück der "Felicity Ace" motiviert. Vor einem Jahr waren auf dem Transportschiff offenbar E-Fahrzeuge in Brand geraten. Das Feuer konnte nicht gelöscht werden, das Schiff sank zusammen mit tausenden Luxusfahrzeuge, wie unter anderem Motor1.com meldete.

Als Reaktion auf das Unglück kündigte die Internationale Seefahrts-Behörde IMO damals an, ihre Brandschutzvorschriften zu verschärfen. Autotransporter müssen danach aus Gründen der Sicherheit mit Wärmemeldern und Videoüberwachung ausgestattet werden.

Die deutschen Versicherer lehnen Mitnahmeverbote für Elektroautos ab, wie der Gesamtverband der Versicherer GDV meldet. Sie fordern stattdessen, die Löschanlagen auf Schiffen entsprechend zu ertüchtigen. "Elektroautos brennen nicht öfter als Verbrenner, aber sie brennen anders", sagt GDV-Chef Jörg Asmussen. "Anstatt Fahrer von E-Autos für ihr Investment in Nachhaltigkeit zu bestrafen, sollten sich die Reeder lieber jetzt schon auf eine Zeit mit wesentlich mehr E-Autos einstellen."

Unter Deck werden Brände auf Autotransportern bislang mit CO2 gelöscht, so der GDV. Wenn allerdings ein Lithium-Ionen-Akku brennt, werde neben Wasserstoff und giftigen Gasen auch Sauerstoff frei. Das CO2 könnte das Feuer deshalb nicht durch Sauerstoffmangel zum Ersticken bringen und sei vollkommen wirkungslos, schreibt der Versicherungsverband. Da dürfte er recht haben, denn manche Metalle brennen auch unter Kohlendioxid, zumindest bei erhöhter Temperatur.

Der Ratschlag des GDV erscheint zunächst zweifelhaft: Systeme mit Hochdruck-Wassernebel könnten einen E-Auto-Brand beherrschbar machen, so der Verband. Einen Chemiker schaudert es da zunächst, denn Lithium reagiert heftig mit Wasser; dabei bildet sich Wasserstoff – so kann es zu einer Explosion kommen. Aber der entscheidende Punkt ist wohl der Druck. Denn auch ein spezielles Löschsystem von Rosenbauer für brennende E-Autos auf der Straße arbeitet mit Wasser bei Hochdruck. Jedenfalls stimmt generell: Mit dem Brand einer Elektroauto-Batterie ist nicht zu spaßen.

Die Deutschen Versicherer setzen sich seit Jahren für einen besseren Brandschutz auf Schiffen ein, so der Verband. Die Löschsysteme seien immer noch die gleichen wie vor 50 Jahren und hätten mit der Größenentwicklung und den Brandlasten der Schiffe nicht Schritt gehalten. "Wir müssen sowohl die Brand-Detektion als auch die Löschsysteme auf und unter Deck grundlegend ändern. Sonst bleiben die meisten Brände unbeherrschbar, besonders solche von Lithium-Ionen-Akkus", warnt Asmussen.