Magna, der kanadisch-österreichische Autozulieferer und Auftragsfertiger, stellt auf der Elektronikmesse CES seinen neuesten Elektroantrieb vor. Die neue eDrive-Lösung der vierten Generation arbeitet mit 800 Volt und soll besonders leicht und kompakt sein.

Magnas eDrive der nächsten Generation kann als Primärantrieb genutzt werden, also zum Beispiel für die Hinterachse eines Hecktrieblers. Aber der eDrive ist auch als Sekundärantrieb geeignet, wobei es optional eine "eDecoupling"-Einheit gibt. Ein solcher Antrieb wäre zum Beispiel für einen Allradler geeignet, bei dem sich die sekundäre Achse nur bei Bedarf zuschaltet und abgekoppelt werden kann, wenn nicht die volle Leistung benötigt wird. 

Bildergalerie: Magna eDrive auf der CES 2024

Eignen soll sich der neue eDrive für Fahrzeuge des C-, D- und E-Segments, also für die Kompaktklasse, Mittelklasse und obere Mittelklasse. Der Antrieb liefert eine Spitzenleistung von 250 kW und ein maximales Achsdrehmoment von 5.000 Nm.

Der Antrieb ist eine Drop-in-Lösung, das heißt, man soll sie problemlos in bestehende Fahrzeugkonzepte anstelle eines anderen Antriebs integrieren können. Dazu trägt auch das geringe Gewicht von nur 75 Kilo und die um 20 Prozent verringerte Höhe (im Vergleich zum bisherigen eDrive von Magna) bei.

Eine Besonderheit ist, dass man den eDrive auch um 90 Grad um die Antriebsachse gedreht einbauen kann. Das erleichtert bei engen Architekturen den Einbau an der Vorder- oder Hinterachse. So kann der Antrieb hinten sozusagen flach eingebaut werden, vorne aber hochkant. Das System soll außerdem in einem weiten Geschwindigkeitsbereich effizient arbeiten. Dabei wird laut Magna ein Wirkungsgrad von 93 Prozent im realen Fahrbetrieb erreicht – sogar auf der Autobahn.

Der neue eDrive soll zudem in der Produktion besonders umweltfreundlich sein. So gelang es, den Einsatz von Aluminium und schweren Seltenen Erden zu reduzieren. Im Vergleich zum aktuellen eDrive konnten zudem die produktionsbedingten CO2-Emissionen um etwa 20 Prozent verringert werden.

Über die Motortechnologie (Permanentmagnet- oder Induktionsmotor, Art der Wicklung, Kühltechnik etc.) verliert Magna kein Wort. Dem mitgelieferten Bild nach enthält der eDrive aber neben dem Motor auch ein Getriebe, während ein Inverter offenbar nicht zu der Einheit gehört – demnach handelt es sich nicht um eine komplette Elektro-Antriebsachse, sondern nur um eine Zwei-in-Eins-Lösung.

Schon vor zwei Jahren stellte Magna auf der CES einen eDrive vor. Das System namens EtelligentReach bestand aus zwei E-Motoren inklusive den dazugehörigen Invertern und Getrieben sowie einer Software. Das System sollte in einem 2022 startenden Elektroauto debütieren. Wenig später verkündete Magna, dass man die sekundäre Antriebsachse für die MEB-Allradler liefert. Diese bieten eine 80-kW-Asynchronmaschine. 

Unterm Strich

Magna verrät nicht viel zu seinem neuen eDrive, insbesondere hält man sich zu den Fahrzeugen bedeckt, in denen er eingesetzt werden soll. Vielleicht hat man aber auch noch keinen Kunden. Da es sich um eine 800-Volt-Lösung handelt, scheidet wohl eine Verwendung im MEB aus. Schade, denn VW könnte eine stärkere Induktionsmaschine für die Vorderachse gut brauchen. Denn der heutige 250-kW-Allradantrieb von VW ID.4 GTX etc. bietet kaum mehr Leistung als der neue Heckantrieb mit 210 kW.


Wenn Sie sich die Pressekonferenz von Magna ansehen wollen, hier ist das Youtube-Video mit dem neuen Magna-Entwicklungschef Jörg Grotendorst. Um den eDrive geht es von etwa 18:20 bis 21:00 min. Zu sehen sind vor allem mehr Bilder von dem Antrieb. Einige Screenshots sehen Sie in unserer Bildergalerie oben: