Influencer, Promis, um Aufmerksamkeit buhlende Leute aus der Oberschicht: Es gibt immer Leute, die alles tun, um zu den ersten Besitzern eines trendigen neuen Fahrzeugs zu gehören. In den letzten Monaten war dieses trendige Fahrzeug der Tesla Cybertruck.

Diese Leute sind in der Regel keine Fans der Marke oder des Modells und reservieren sich das Auto nicht im Voraus. Stattdessen entscheiden sie sich auf Grundlage des entstandenen Hypes für ein Modell. Dann suchen sie ein Fahrzeug auf dem Gebrauchtmarkt, wo sie Spitzenpreise bezahlen. 

Dies hat sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell für andere entwickelt: Sie reservieren sich ein Auto am ersten Tag und genießen es für ein oder zwei Wochen, das heißeste neue Spielzeug zu haben. Dann verkaufen sie es für das Doppelte oder Dreifache des Neupreises und prahlen mit dem Gewinn, den sie gemacht haben. Der Gewinn ist vergleichbar mit dem, was man einnimmt, wenn man Dutzende von Eintrittskarten für ein Taylor-Swift-Konzert für das Dreifache des normalen Werts weiterverkauft. 

Tesla versuchte, diesen Spekulanten zuvorzukommen: Man ließ die Cybertruck-Kundschaft  eine Vereinbarung unterzeichnen (Artikel von InsideEVs USA), wonach der Wagen nicht innerhalb eines Jahres verkauft werden darf – es sei denn, der Besitzer hält sich an ein strenges Verfahren und Tesla genehmigt den Wiederverkauf.

Wer sich nicht an diese Vereinbarung hält, müsste "50.000 Dollar oder den Wert zu zahlen, den er als Gegenleistung für den Verkauf oder die Übertragung erhalten hat, je nachdem, welcher Wert höher ist." Tesla wäre auch berechtigt, den Spekulanten in Zukunft kein Fahrzeug mehr zu verkaufen.

Wie oft diese Vereinbarung durchgesetzt wurde , ist nicht bekannt. Die Wiederverkäufer jedenfalls empfanden das als Bluff und scherten sich nicht weiter um die Drohung. Nicht lange nach Auslieferungsbeginn wurden Cybertrucks schon für das Doppelte des Neupreises angeboten (Bericht von InsideEVs USA)

Eine Zeit lang brachte das den Wiederverkäufern hohe Gewinne ein. Aber diese Zeiten scheinen nun vorbei zu sein. Ein Anstieg der Cybertruck-Produktion im letzten Quartal und ein wachsender Zustrom gebrauchter Fahrzeuge haben die Gebrauchtpreise deutlich fallen lassen. Gebrauchte Cybertrucks, für die ursprünglich fast 200.000 Dollar verlangt wurden, sind in letzter Zeit um 10.000, 13.000 oder sogar um 30.000 Dollar im Preis gefallen.

Gebrauchte Cybertruck Preis DRops

Im Mai 2024 lag der durchschnittliche Listenpreis für neu eingestellte Fahrzeuge mit nur etwa 100 Meilen auf dem Tacho zwischen 130.000 und 140.000 Dollar. Dies liegt zwar leicht über dem Neupreis, aber die Zeiten riesigen Gewinne für die Verkäufer ist wohl vorbei. Vor allem, wenn man Steuern und Zulassungsgebühren einrechnet.

Für einige Autos werden immer noch mit 160.000 Dollar und mehr verlangt, aber es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Preise heruntergesetzt werden.

Wir haben dieses Phänomen in den letzten Jahren häufig beobachtet. Der Markt für Elektro-Pick-ups ist nur das jüngste Beispiel. Der Rivian R1T, der Ford F-150 Lightning und der Hummer EV erlebten alle eine anfängliche Boomphase, in der die Wiederverkaufspreise durch die Decke schossen und monatelang überhöht blieben.  

Wie beim Cybertruck wurden diese Fahrzeuge schon Wochen oder Tage nach dem Auslieferungsstart angeboten. Im Falle des Lightning und des Hummer waren die Händler mitschuldig an den überhöhten Preisen. Zehntausende Male wurden Demand Fees (Nachfragegebühren) auf neue und gebrauchte Fahrzeuge aufgeschlagen. Wie Tesla taten Ford und GM alles in ihrer Macht Stehende, um gegen Händler und Fahrzeug-Wiederverkäufer vorzugehen und übertriebene Gebrauchtpreise zu verhindern. Im zweiten Modelljahr waren die Aufschläge bereits weg oder zumindest stark reduziert. 

Nun scheint es, dass auch der Cybertruck die Hype-Phase verlässt. Mit steigender Produktion und mehr Fahrzeugen auf der Straße werden die Preise weiter sinken. Bevor man gucken kann, wird man einen gebrauchten Cybertruck unter dem Neupreis kaufen können und die Welt ist wieder in Ordnung.