Welche Autos schon 800-Volt-Technik bieten, können viele Elektroauto-Fans herunterbeten: Hyundai, Kia, Genesis, Taycan, Lucid Air und Audi Q6 e-tron sind ein paar Stichworte dazu.

Aber an welchen Ladesäulen kann man eigentlich mit dieser Spannung laden? Das fragte mich kürzlich eine Kollegin und ich wusste keinen Rat. Eine Schande, die ich nicht lang auf mir sitzen lassen wollte. Hier also ist die Antwort.

Welche Autos können mit 800 Volt geladen werden?

Bisher ist 400 Volt noch der Standard bei Elektroautos. Sogar hochklassige Autos von Premiumherstellern nutzen diese Spannungslage. Aber mit dem Porsche Taycan kam 2019 ein 800-Volt-Fahrzeug auf den Markt, 2021 folgte mit dem Ioniq 5 ein erster Mittelklassewagen mit dieser Technik. Inzwischen sind schon über ein Dutzend 800-Volt-Autos verfügbar:

  Spannungslage Max. Ladeleistung laut Hersteller
Audi e-tron GT 800 Volt 270 kW
Audi Q6 e-tron 800 Volt 260 bzw. 270 kW
Genesis GV60, Electrified GV70, Electrified G80 800 Volt 240 kW
Hyundai Ioniq 5 und 6 800 Volt 180 bzw. 240 kW
Kia EV6 und EV9 800 Volt 180 bzw. 240 kW
Lotus Eletre und Emeya 800 Volt k.A. ("an der 350-kW-Säule")
Lucid Air 924 Volt 300 kW
Porsche Macan 800 Volt 270 kW
Porsche Taycan 800 Volt 270 bzw. 320 kW
Rimac Nevera 800 Volt 500 kW
Xpeng G6 800 Volt 215 bzw. 280 kW

Wie viel Ladeleistung braucht man für 800 Volt?

Wie hängt die Ladeleistung mit der Spannungslage des Autos zusammen? Nun, allgemein ist Leistung gleich Stromstärke mal Spannung, oder in Einheiten: 1 Watt ist 1 Volt mal 1 Ampere. Das heißt, die nötige Ladeleistung einer Gleichstrom-Säule hängt nicht nur von der Spannung, sondern auch von der Stromstärke ab.

Das Combined Charging System (CCS, Wikipedia-Link), mit dem im Europa allgemein das Schnellladen erfolgt, unterstützt in der aktuellen Version 2.0 bis zu 500 Ampere. So entsprechen 300 kW bei der maximalen Stromstärke immerhin schon 600 Volt, 350 kW entsprechen 700 Volt und bei 400 kW werden 800 Volt erreicht. Aber mit 400 kW kann bisher eigentlich nur der Supersportler Rimac Nevera laden, alle anderen 800-Volt-Autos sind auf maximal 320 kW begrenzt.

Und auch Ladesäulen mit niedrigerer Ladeleistung können hohe Spannungen bieten. So luden wir kürzlich den Xpeng G6 an einer Ladesäule von Shell Recharge, die laut Aufschrift auf 175 kW begrenzt war. Dabei wurde eine Ladespannung von 625 Volt angezeigt. Das kann gut der Spannungslage der Batterie entsprechen, denn auch 800-Volt-Fahrzeuge wie der 6 haben selten 800 Volt.

Xpeng G6 (2024): Wir haben einen Ladeversuch an einer 175-kW-Säule von Shell Recharge unternommen

Mit dem Xpeng G6 an einer 175-kW-Säule von Shell ...

Xpeng G6 (2024): Die Säule zeigte eine Ladespannung von 625 Volt an - das verrät das 800-Volt-System. Die Ladeleistung betrug auch noch bei 77% Ladestand beachtliche 125 kW, ein paar Minuten wurden 134 kW erreicht

... mit 625 Volt Ladespannung

Wie viele Ultra-Schnelllader gibt es in Deutschland?

Das offizielle Ladepunktverzeichnis der Bundesnetzagentur mit Stand von Ende März 2024 führt über 60.000 Ladestandorte in Deutschland auf. Davon bieten aber nur rund 680 Standorte mindestens einen Ladepunkt mit 350 kW oder mehr, 3.200 Standorte haben 300 kW oder mehr. Angaben zur maximalen Spannung sucht man in dem Excel-Dokument allerdings vergebens.

Nach Angaben des Ladesäulen-Datenlieferanten Eco-Movement gegenüber der Automobilwoche sollen rund 30 Prozent der deutschen Schnellladestationen die höhere Spannung unterstützen. Insgesamt handele es sich um rund 7.500 Stationen, so die Daten von Ende 2023.

Welche Lade-Anbieter unterstützen 800 Volt? 

Jetzt aber endlich zu der versprochenen Antwort auf die Frage nach den Ladesäulen, die 800 Volt unterstützen. Welche Anbieter offerieren solche 800-Volt-Säulen? Ionity gehört dazu. Das Joint Venture etlicher Autohersteller unterstützt an allen seinen Säulen die Technologie, wie aus dem bereits zitierten Artikel der Automobilwoche hervorgeht. In Deutschland sind das 138 Ionity-Standorte mit insgesamt 825 Ladepunkten, wie es auf der Ionity-Website heißt.

Auf der Website von EnBW heißt es ziemlich ungenau, über 1.000 EnBW-Schnellladestationen bundesweit ermöglichten "Ladeleistungen von bis zu 400 kW". Man investiere weiter in den Ausbau. Gegenüber der Automobilwoche wurde die Firma konkreter: "Rund 90 Prozent unserer mehr als 3.500 Schnellladepunkte erreichen Spannungswerte von 800 Volt und mehr", so ein Unternehmenssprecher. 

Auf der Website von Fastned ist zu lesen, viele Säulen unterstützten 300 kW, auch betreibe man immer mehr 400-kW-Säulen. Bei Allego heißt es, man habe über 750 Ladestandorte in Europa, bei denen (Ultra) Fast Charging möglich ist. Die Karte auf der Website verzeichnet zahlreiche Standorte mit 300 kW in Deutschland. Bei E.On haben wir keine Angaben gefunden; eine Karte bei GoingElectric verzeichnet jedoch hie und da 300-kW-Säulen.

Total Energies bietet laut Website 100 Standorte mit High Power Charging, worunter der Tankstellenbetreiber offenbar 350 kW versteht. Konkurrent Shell Recharge verspricht bis zu 360 kW, sagt aber nicht, wie viele solche Säulen es gibt. Bei Aral Pulse schließlich gibt es Säulen mit 150 und mit 300 kW. Wie viele, geht aus der Website nicht hervor.

Unter dem Strich

Immerhin knapp 20 Elektromodelle können bisher mit 800 Volt laden, mehr dürften bald hinzu kommen. Mercedes will die Technik in seinen Modellen EQE, EQS, EQE SUV und EQS SUV einführen, Smart plant es beim #5. Mit Einführung der 800-Volt-Architekturen MMA und EA bei Mercedes, Neue Klasse bei BMW und dem Audi A6 e-tron auf Basis von PPE kommen weitere Fahrzeuge hinzu. Vermutlich wird die hohe Spannung schon in ein paar Jahren Standard ab der Mittelklasse sein. Schnelllader, um die 800-Volt-Autos standesgemäß zu bestromen, gibt es schon heute in größerer Zahl, auch wenn das Netz natürlich noch dichter sein könnte.