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Onvo L60 startet wegen EU-Zöllen zuerst in Großbritannien

Kontinentaleuropa könnte aber schon im März folgen, so ein Nio-Manager

Onvo L60 (2025)
Bild von: Photo by Kevin Williams/InsideEVs

Die EU-Strafzölle gegen Elektroautos aus China haben Folgen: Nios neue Marke Onvo will seinen Europa-Erstling L60 zuerst in Großbritannien auf den Markt bringen, wo keine so hohen Zölle verlangt werden. Das sagte nun ein Nio-Manager gegenüber Automotive News Europe (ANE). Doch allzu lange müssen wir nicht auf das 4,82 Meter lange Elektro-SUV warten: Ab März könnte auch Kontinentaleuropa beliefert werden. 

Nach dem Bericht, den wir hier nach einer Autocar-Meldung zitieren, sagte Nio-Produktplaner Eric Yu, die Onvo-Exporte nach Kontinentaleuropa würden beginnen, sobald die Produktion 30.000 Einheiten pro Monat erreiche, was im März 2025 der Fall sein soll.

Bildergalerie: Onvo L60 (2025)

Onvo ist sozusagen die Volumenmarke von Nio: Während der günstigste Nio (der EL6) 53.500 Euro inklusive Batterie kostet, ist der Basis-L60 in China umgerechnet rund 6.000 Euro günstiger als das Model-Y-Einstiegsmodell, das es in Deutschland ab rund 40.000 Euro gibt. An diesem Preis dürfte sich Onvo in Europa orientieren. 

Großbritannien wird jedenfalls der erste europäische Markt sein, der in den Genuss des Onvo L60 kommt. Schon Anfang 2025 soll es so weit sein. Yu sagte gegenüber ANE, Onvo würde zuerst nach Großbritannien kommen, weil dort keine Einfuhrzölle auf in China gebaute Elektroautos erhoben werden. Die Preise sind noch nicht bekannt, doch angesichts der Positionierung als chinesische Volumenmarke dürfte Onvo von den Zöllen härter getroffen werden als die Premiummarke Nio, wo die Margen höher sind. Für die Nio-Stromer gilt laut ein EU-Einfuhrzoll von 31 Prozent (statt 10 Prozent vor Einführung der Strafzölle).

Während in China produzierende Firmen wie BYD, Chery, Mini, Polestar und Volvo eine Verlagerung der Produktion nach Europa planen, um die Zölle zu umgehen, hat Nio keine solchen Pläne. Die Chance, die Audi-Fabrik in Brüssel zu kaufen, hat die Firma verstreichen lassen.

Am 21. Dezember soll übrigens beim Nio Day noch eine zweite Nio-Volumenmarke "gelauncht" werden, die Firefly heißt, was das englische Wort für Glühwürmchen ist. Das passt, denn Gerüchten nach soll es sich um ein oder mehrere kleine Elektroautos handeln. Diese dürften von den Zöllen allerdings eher noch härter betroffen sein als das Mittelklassemodell Onvo L60. Autocar schreibt, die Onvo- und Firefly-Modelle würden wahrscheinlich irgendwann in Europa gebaut.

Zu den Besonderheiten des Onvo L60 gehört das 900-Volt-System. Ob das Auto deswegen schnell laden kann, ist aber nicht sicher. Nach Daten von CarNewsChina soll ein Ladehub von 30 auf 80 Prozent 24 Minuten dauern, was bei 85 kWh Speicherkapazität einer Ladegeschwindigkeit von nur 1,7 kWh/min entspricht – da lädt zum Beispiel ein VW ID.4 Pro mit 1,9 kWh/min schneller. Die Website evkx gibt dagegen eine Ladezeit von knapp 21 Minuten für 10-80 Prozent an, was etwa 2,8 kWh/min entspricht. Außerdem soll mit bis zu 260 kW geladen werden können, was mit einem 400-Volt-System kaum möglich wäre.

Eine weitere Besonderheit des L60 ist das Batterietausch-System: Die BYD-Akkus im L60 haben zwar andere Speicherkapazitäten als bei den Nio-Modellen, doch an den neueren Power Swap Stations von Nio kann man auch diese Akkus tauschen. 

Unter dem Strich

Nio will die Marke Onvo wegen der EU-Strafzölle zuerst nach Großbritannien bringen. Grund, sich aufzuregen? Nun ja, es wirkt eher, als hätte Nio die Möglichkeit genutzt, um (zu Recht) gegen die Zölle zu ätzen. Aber wenn der L60 deswegen nur ein paar Monate später zu uns kommt, wäre das kein Grund, sich zu ärgern. Schließlich gibt es mit dem Xpeng G6 oder dem Leapmotor C10 schon andere attraktive Mittelklasse-Stromer aus China bei uns.