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BMW Vision Driving Experience: Drehmoment-Monster mit 4 Motoren

Experimentalfahrzeug dient vor allem dem Test des neuen Zentralcomputers "Heart of Joy"

BMW Vision Driving Experience
Bild von: BMW

Fahrspaß bis an die Grenzen der Physik verspricht BMW von seinem neuen Versuchsträger namens Vision Driving Experience oder kurz VDX. Live und in Farbe vorgestellt wird das Fahrzeug erst bei der Auto Shanghai im April, doch nun gibt es erste Bilder und Informationen.

BMW betont, dass das Auto keinen Serienbezug hat. Doch der Form nach dürfte es auf der Karosserie der kommenden Neue-Klasse-Limousine basieren, die vermutlich BMW i3 heißen wird. Da das Fahrzeug nach Angaben von Autocar vier Elektromotoren besitzt, hat das Fahrzeug offenbar auch Bezüge zum elektrischen M3. Aber das wohl nur, weil dieser die extremste Motorisierung des i3 darstellen wird: Was beim Elektro-M3 funktioniert, wird wohl auch bei Varianten mit einem, zwei und drei Motoren funktionieren.

Bildergalerie: BMW Vision Driving Experience

Das Fahrzeug dient als rollender Prüfstand für eine Antriebs- und Fahrdynamikregelung, die eigens für die Neue Klasse entwickelt wurde, und bei BMW Heart of Joy genannt wird. Die kleine schwarze Box war schon auf der IAA 2023 zu sehen, als BMW-Chef Oliver Zipse das Ding in die Kamera hielt.

Zu den Hauptvorteilen der neuen Technik gehört offenbar, dass bei der Neuen Klasse offenbar fast ausschließlich per Rekuperation gebremst wird. Das soll die Effizient erhöhen, aber auch dem Fahrspaß zuträglich sein. "Heart of Joy" steuert Antrieb, Bremsen, Laden, Rekuperation und Teilfunktionen der Lenkung. Es soll Informationen zehnmal schneller als bisherige Systeme verarbeiten.

Zum Antrieb hält sich BMW sehr bedeckt. Noch nicht einmal die Leistung wird verraten, nur das Drehmoment, und das soll 18.000 Newtonmeter betragen. Vermutlich ist das jedoch das Drehmoment am Rad, nicht das summierte Drehmoment der vier Motoren. Um die Kraft auf die Straße zu bringen, besitzt der Wagen fünf Ventilatoren, mit denen sich die Karosserie an den Asphalt ansaugt. Jeder dieser "Impeller" verbraucht nicht weniger als 50 kW und zusammen erzeugen sie 1.000 Kilo Abtrieb, berichtet Autocar.

Das Heart of Joy steuert das Beschleunigen und Bremsen, die Fahrzeugstabilisierung (also wohl das ESP) sowie fahrdynamische Lenkungsfunktionen und das Lademanagement; letzteres vermutlich vor allem beim Rekuperieren. Der Zentralrechner und die dazugehörige, von BMW selbst entwickelte Software BMW Dynamic Performance Control ermöglichen "eine direkte Ansprache aller verbundenen Aktuatoren", also wohl die vier Elektromaschinen und die Radbremsen. Die Latenzen, also die Zeit vom Betätigen eines Pedals bis zur Reaktion darauf, liegen im Millisekundenbereich. Herkömmliche Systeme haben dagegen separate Steuergeräte und brauchen deutlich länger.

Bei dynamischer Fahrt soll die Technik für ein "unvergleichlich souveränes Kurvenverhalten" sorgen. Die Zahl der erforderlichen Regeleingriffe wird geringer, die Fahrspur präziser und stabiler. Dadurch sollen sich die Fahrzeuge intuitiver und geschmeidiger steuern lassen. Bei niedrigem Tempo, zum Beispiel im wie Stop-and-Go-Verkehr für sanftes Anhalten und Wiederanfahren sorgen. BMW verspricht sogar den "sanftesten Anhaltevorgang in der Automobilgeschichte".

Zudem ermöglicht die neue Steuerung einen niedrigeren Stromverbrauch. 98 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer sollen keine Reibbremse mehr benötigen, denn die Bremsleistung der Rekuperationsbremse reicht für den Alltag aus. Nur bei Gefahrenbremsungen muss die mechanische Bremse noch zupacken. Das führt zu einer Effizienzsteigerung von bis zu 25 Prozent.

Was das Auto gerade macht, wird beim VDX anhand der Felgen-Farbe deutlich: Grün bedeutet Beschleunigen, Blau steht für Rekuperation und Orange für Bremsen mit der Reibbremse.

Das Heart of Joy ist in der Neuen Klasse eines von vier zentralen Steuergeräten. Die anderen drei Superhirne sind für das automatisierte Fahren, fürs Infotainment und für Basisfunktionen wie Klimatisierung, Fahrzeugzugang, Innen- und Außenbeleuchtung zuständig.

Unter dem Strich

Der BMW Vision Driving Experience ist ein reines Entwicklungstool, ein Prüfstand zur Erprobung der neuen Antriebs- und Rekuperations-Steuerung. Dazu hat das Fahrzeug offenbar vier Elektromotoren, die wohl mindestens so stark sind wie beim Elektro-M3. Um die Kraft auf den Boden zu kriegen, besitzt der Wagen zudem extrem starke Ventilatoren, mit denen sich das Auto am Boden festsaugt.

Für die Serie bedeutsam ist wohl vor allem, dass Neue-Klasse-Fahrzeuge fast ausschließlich elektromechanisch bremsen, das heißt per Rekuperation. Die Bremsscheiben braucht man nur noch für Gefahrenbremsungen. Vielleicht ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie gänzlich überflüssig werden. Der Luftqualität würde es zugute kommen, denn beim rekuperativen Bremsen entsteht kein Feinstaub.