So funktioniert die Lade-Routenplanung beim Audi Q6 und A6 e-tron
Cariad erklärt das komplexe Zusammenspiel von Hardware und Software
Sommerzeit ist Reisezeit, und bei einem Elektroauto spielt auf der Langstrecke die Laderoutenplanung eine entscheidende Rolle. Denn niemand will sich selbst die passenden Ladestopps zusammensuchen und diese dann womöglich noch anpassen, wenn man auf einem Abschnitt mehr verbraucht als gedacht. Die VW-Softwaresparte Cariad erklärt nun, wie ihre Lösung funktioniert. Verwirklicht ist sie bereits im Audi Q6 e-tron und A6 e-tron.
Wie so eine Laderoutenplanung funktioniert, dürfte im Grunde bekannt sein. Aber das Zusammenspiel zwischen Software, Kartenmaterial, dem Infotainment des Autos oder einer Handy-Software ist komplexer als vielen bewusst ist. Eine "Cloud-native", also wohl in der Cloud laufende Software verarbeitet dabei Fahrzeugdaten und verschiedene Online-Daten. So wird nicht nur der Verbrauch des Fahrzeugs bei vorausgehenden Fahrten berücksichtigt, sondern auch, wie der Mensch am Steuer aktuell fährt. Steigungen sowie die Außentemperatur werden ebenfalls eingerechnet.
Audi Q6 e-tron, hier als Sportback
Audi A6 e-tron, hier als Avant
Dazu kommen noch Live-Daten zur Verkehrslage sowie die Verfügbarkeit der Ladepunkte. Bei Störungen an einer eingeplanten Ladestation oder ein Stau wird die Route automatisch angepasst. Sind die Onlinedaten nicht verfügbar, weil keine Datenverbindung besteht, wechselt die Lösung auf die Onboard-Software und stellt so sicher, dass die Routenplanung immer zur Verfügung steht.
Mit der Software kann man die minimale Restreichweite bestimmen, die man am Endziel und an den einzelnen Ladestationen haben möchte (Bild: A6 e-tron)
"Das System berücksichtigt auch die persönlichen Präferenzen der Fahrer, beispielsweise mit welchem Batteriestand sie ihr Ziel erreichen möchten", erklärt Francisco Ramon Moreno Garcia, der Chef der Laderoutenplanung bei Cariad. "Fahrer können Ladestationen zudem nach Ladeleistung oder Zahlungsmethode filtern."
Die Software berücksichtigt beim Berechnen der zeitoptimierten Route auch die Verzögerung durch Staus und Ladestopps (Bild: A6 e-tron)
Stehen die Wünsche der Person am Steuer fest, berechnet die Navigationslösung eine "global optimierte Route" vor, das heißt die Strecke mit dem geringsten Zeitbedarf. Liegt das Ziel außerhalb der Restreichweite, werden automatisch die Ladestopps geplant und die Ladezeit mit einberechnet. Denn manchmal kann man Zeit sparen, indem man eine längere Route akzeptiert, auf der bessere Schnelllader verfügbar sind. In manchen Fällen sind auch zwei kurze Ladestopps besser als ein langer. "Das System wertet diese Variablen kontinuierlich und nahezu in Echtzeit aus, um die zeiteffizienteste Fahrt anzubieten. Nutzer können jedoch auch manuell Ladestopps hinzufügen, wenn sie dies wünschen", so Moreno Garcia.
Den Laderoutenplaner kann man auch in der myAudi App auf dem Smartphone nutzen.
Aber das ist noch nicht alles. Von modernen Laderoutenplanern wird verlangt, dass es auch eine Anbindung des Smartphones gibt. Denn dann kann man die Langstrecke bequem am Frühstückstisch planen. Beim Audi Q6 und A6 e-tron ist das über die myAudi App möglich. Dabei werden die Daten des Fahrzeugs aus der VIN (Fahrzeugidentifikationsnummer) gewonnen, die vermutlich ans Handy übertragen wird, wenn man die App mit dem Auto koppelt.
Damit die mobile Navigationslösung nicht für jede Marke des Konzerns neu programmiert werden muss, haben die Cariad-Fachleute ein markenübergreifendes SDK (Software Development Kit) entwickelt, das sich in die existierenden Apps der einzelnen Marken integrieren lässt. So bleibt das markenspezifische Erscheinungsbild der App gewahrt, aber VW, Skoda etc. können ebenfalls von der Software profitieren.
Die Routenberechnung der App basiert auf einem Backend-Dienst, also auf einem Programm, das auf einem Server läuft. Dieses nutzt dieselbe Routing-Engine wie das Fahrzeug und berücksichtigt dabei das spezifische Verbrauchsprofil und die Ladeeigenschaften jedes individuellen Autos. Dabei werden eine Vielzahl von Einflussfaktoren eingerechnet – darunter Antriebsart, Marke, Modelljahr, Batteriekapazität und mehr.
Unter dem Strich
Wer mit dem Elektroauto nach Kroatien oder nach Nordschottland will, ist auf eine gute Laderoutenplanung angewiesen. Sie sollte berücksichtigen, ob die Fahrerin oder der Fahrer einen Bleifuß hat oder sehr effizient fährt, ob es bergauf oder bergab geht, ob man wegen zähfließendem Verkehr auf der Autobahn nur ein Durchschnittstempo von 30 km/h schafft und vieles mehr.
Auch die Wünsche der Insassen – zum Beispiel zum Ladesäulenanbieter oder zur Restreichweite bei der Ankunft am Lader bzw. am Endziel – sollten eingerechnet werden. Zudem soll man mit der App die gleiche Route erhalten. Und wenn im Gebirge die Datenverbindung aussetzt, muss das Ganze weiter funktionieren. Man kann sich vorstellen, dass das Thema komplex ist, und so haben die Software-Fachleute unsere Hochachtung ...
Quelle: Cariad
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