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Schnellladen an der Autobahn: Vielfach schlechte Bedingungen

ADAC-Untersuchung von 50 Rastanlagen und Autohöfen ergab zu wenige oder defekte Schnelllader und mangelnden Komfort.

Rosis Autohof in Bad Hersfeld
Bild von: ADAC e. V.

Zwei Drittel der E-Autofahrer und 85 Prozent der E-Langstreckenfahrer fahren mit ihrem Auto gelegentlich oder sogar meist Ladesäulen entlang der Autobahn an. Der ADAC hat nun die Ladebedingungen an den 15 längsten Autobahnen untersucht. Das Ergebnis war wenig erfreulich.

Damit ist das Resultat ähnlich negativ wie 2024. Während damals nur Rastanlagen untersucht wurden, die direkt an der Autobahn liegen, kamen nun zusätzlich Autohöfe in den Fokus, etwas abseits der Autobahn liegen. Von jeweils 25 Rastanlagen und Autohöfen sind über die Hälfte "mangelhaft" bis "sehr mangelhaft", nur 13 erhalten das Urteil "gut", keine einzige ein "sehr gut". 

Kriterien waren die Anzahl der Ladesäulen oder Ladepunkte, deren Ladeleistung, die generelle Funktionstüchtigkeit sowie Bezahlmöglichkeiten und Kostentransparenz. Am meisten punkten konnten Anlagen, wenn sie über mindestens zehn Ladepunkte verfügten, die jeweils 150 kW Leistung oder mehr lieferten und betriebsbereit waren. Zu einem Viertel ins Gesamturteil floss ein, welchen Komfort die Anlagen boten – so zum Beispiel Überdachung, Gastronomie oder Sanitäranlagen.

ADAC-Test zur Ladeinfrastruktur an Autohöfen: Die einzelnen Testergebnisse

Ladeinfrastruktur an Autohöfen: Die einzelnen Testergebnisse

Bild von: ADAC e. V.

Am schlechtesten schnitten die beiden Autohöfe Aral Autohof Bremen Hemelingen an der A1 und Total Autohof Großweitzschen an der A14 ab. Diese verfügten über keinerlei Lademöglichkeit. Ebenfalls unbefriedigend für die ADAC-Tester: Gut jede fünfte Anlage bot ausschließlich langsame 50-kW-Säulen an – das ist viel zu wenig Ladeleistung für Langstreckenfahrer.

Hintergrund der vielen gedrosselten 50-kW-Säulen auf Rastanlagen: Bei der Auftragsvergabe für die Schnelllader an Rastanlagen durch die Tank & Rast wurde kein förmliches Vergabeverfahren durchgeführt. Das führte zu einer Klage, die den weiteren Ausbau jahrelang blockierte. Zwischenzeitlich wurden viele dieser Ladesäulen auf 100 kW "aufgebohrt", aber auch das reicht nicht aus: Mindestens 150 kW sind nötig, damit die Ladezeit unter 30 Minuten bleibt, so der Automobilclub.

Positiv registrierten die Tester, dass 31 Anlagen (62 Prozent) bereits über Ultraschnell-Ladesäulen mit 300 kW verfügten, sodass sie auch bei zwei angeschlossenen Fahrzeugen noch jeweils bis zu 150 kW bieten. Zwei Anlagen, darunter Rosis Autohof Fulda Nord an der A7 (unser Titelbild) und der Inntaler Autohof Raubling an der A93 – hatten sogar 400-kW-Ladesäulen installiert und schnitten insgesamt mit "gut" ab.

Generell erzielten Autohöfe deutlich bessere Urteile als Rastanlagen: Alle 13 "gut"-Bewertungen gingen an Autohöfe. Spitzenreiter im Test wurde der Euro Rastpark Schweitenkirchen an der A9, gefolgt vom Aral Autohof Königslutter an der A2.

ADAC-Test Ladeinfrastruktur 2025 an Rastanlagen: Die einzelnen Testergebnisse

Ladeinfrastruktur 2025 an Rastanlagen: Die einzelnen Testergebnisse

Bild von: ADAC e. V.

Kritisch sieht der ADAC, dass nur ein Viertel der Anlagen mit einer ausreichenden Ladeleistung von mindestens 150 kW über zehn oder mehr Ladepunkte und damit über ein zahlenmäßig ausreichendes Angebot verfügte. Hinzu kam, dass die Tester auf knapp einem Drittel dieser Anlagen mindestens einen defekten Ladepunkt vorfanden.

In Sachen Komfort lässt man die E-Autofahrer an den Autobahnen buchstäblich im Regen stehen, egal ob auf dem Autohof oder der Rastanlage: Keine einzige Anlage im Test bot überdachte Lademöglichkeiten. Ebenso unerfreulich war, dass an lediglich zwei Autohöfen das Längsparken für Camper oder Fahrzeuge mit Anhänger möglich war, ohne abzukoppeln. Auch die Platzierung der Ladesäulen – etwa weit weg von der Anlage bzw. schlecht beleuchtet – führte oft zu Abwertungen.

Weitere Abzüge gab es wegen undurchsichtigen Bezahlmodalitäten. Dieses grundsätzliche Problem von Ladesäulen existiert auch an Autohöfen und Rastanlagen. Nur ab etwas mehr als der Hälfte der untersuchten Anlagen war die Direktbezahlung via Kreditkarte möglich. Ebenfalls problematisch bleibt die mangelnde Preistransparenz beim Laden: Zwar wurde an fast allen Ladeanlagen mit mindestens 150 kW der Kilowattstunden-Preis vor dem Laden angezeigt. Der Endpreis erschien jedoch nur an 16 Anlagen (44 Prozent) – an der Tankstelle wäre dergleichen undenkbar.

Für den weiteren Hochlauf der Elektromobilität fordert der Automobilclub deutlich mehr und leistungsstärkere Ladepunkte entlang der Autobahnen. Preise sollten transparent und Bezahlmodalitäten einfach sein, mit der Möglichkeit zur Kartenzahlung an allen Ladesäulen. Auch Überdachung, ausreichende Beleuchtung und Pausenmöglichkeiten sollten zur Verfügung stehen – damit Laden genauso einfach und bequem funktioniert wie Tanken.

Unter dem Strich

Wie schon letztes Jahr beurteilt der ADAC die Ladeinfrastruktur an Autobahnen kritisch. Dabei schnitten Rastanlagen besser ab als Autohöfe. Allerdings sind die direkt an der Autobahn gelegenen Rastanlagen in der Regel teurer – zumindest beim Sprit. Ob das auch für Strom gilt, wurde nicht untersucht – es ging ausschließlich um Funktionalität, Zahl der Ladepunkte und ihre Ladeleistung, Bezahlmodalitäten und Komfort. Und da liegt noch einiges im Argen.