Laden über Steckdosen im Bordstein wird in Braunschweig getestet
Das System von Rheinmetall gibt bis zu 22 kW Wechselstrom ab und ersetzt eine Ladesäule.
Bordsteinladen: Ehrlich gesagt, wir dachten, das heißt, man parkt sein Auto auf öffentlichen Straßen am Bordstein und lädt an einer der kastenförmigen Wechselstrom-Ladesäulen. Aber nein, hier geht es um Ladepunkte direkt im Bordstein. Das System stammt von Rheinmetall und wird nun in Braunschweig erprobt.
BS Energy, wie die Stadtwerke in Braunschweig heißen, testet das System an zwei Stellen im Stadtgebiet mit jeweils drei Ladebordsteinen. Das Ladesystem fällt kaum auf, benötigt wenig Platz und nimmt keinen Raum auf dem Gehweg ein, so der kommunale Versorger.
Ein Elektro-Smart wird direkt am Bordstein geladen
Die sechs Ladebordsteine verfügen über jeweils einen Ladepunkt mit einer Leistung von bis zu 22 kW. Die Anmeldung erfolgt wie üblich per App, Ladekarte oder QR-Code. Das Ladekabel muss man mitbringen, aber das ist bei den meisten normalen Wechselstrom-Ladesäulen genauso. Das Lademodul ist robust und witterungsbeständig, so BS Energy weiter. Es verfügt über Abläufe, die vor Regen- und Kondenswasser schützen sowie über eine Temperaturkontrolle, um Schäden durch Hitze oder Kälte zu vermeiden. Bei Bedarf lässt es sich zügig austauschen,
"Das Bordsteinladen ermöglicht uns eine Verdichtung der Ladeinfrastruktur in Bereichen, die stark bebaut sind oder städtebaulichen Restriktionen unterliegen", erklärt BS-Energy-Vorstandsmitglied Volker Lang. "In einer Stadt wie Braunschweig, die viel historische Bausubstanz vorweisen kann, können wir durch die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur dem steigenden Bedarf nach Ladeinfrastruktur zudem nachkommen, ohne das optische Bild zu beeinflussen."
Neu ist das System allerdings nicht, wie wir festgestellt haben. Es wurde bereits vor drei Jahren präsentiert. Hersteller Rheinmetall hat eine eigene Subhomepage dazu. Dort wird erklärt, was alles unter dem so simpel erscheinenden Modul steckt.
Im Ladebordstein oder darunter verborgen ist zum Beispiel ein 4G-Modem, das zur Authentifizierung der Kundschaft nötig ist, sowie ein Thermomanagement mit Heizung und Kühlung, um im Sommer das Überhitzen und im Winter das Vereisen zu verhindern. Bei Regen ist das Laden problemlos möglich, da die Elektronik wasserdicht nach Schutzklasse IP68 gekapselt ist. Bei Überflutungen allerdings unterbricht ein eigener Wasserstandssensor den Ladevorgang.
Das System hält auch ein Überfahren durch LKWs aus. Es lässt sich einhändig bedienen und soll auch von Personen mit Mobilitätseinschränkungen nutzbar sein. Wer im Rollstuhl sitzt, muss allerdings eine Einsteckhilfe benutzen. Der Stromzähler befindet sich in einer separaten Säule, die extra errichtet werden muss, wenn sie noch nicht vorhanden ist.
Bereits im Sommer 2023 hat Hersteller Rheinmetall einen Test in Köln gestartet. Der Host des Youtube-Kanals Strombock hat das System dort selbst ausprobiert und konnte seinen Tesla problemlos laden. Er zeigt den extra errichteten Stromzähler-Kasten und erörtert, ob nicht vielleicht Hunde auf den Stecker pinkeln könnten.
Unter dem Strich
Das Laden über eine Dose im Bordstein klingt charmant: Man opfert keinen wertvollen Platz, der auf den engen Fußgängerwegen in der City ohnehin schon Mangelware ist, das System ist offenbar sehr robust und sieht gut aus. Wir wollen nicht meckern, aber es gibt auch Nachteile. So ist ein Stromzähler-Kasten nötig, der extra aufgestellt werden muss wenn noch nicht vorhanden. Zudem muss man sich zum Anschließen tief bücken. Und wir wissen nichts über die Kosten. Aber wie Youtuber Strombock in seinem Videos richtig sagt: Am Ende ist man froh um jede Lademöglichkeit ...
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