Bentley gibt seine ambitionierten Elektro-Pläne auf
Der britische Luxushersteller arbeitete an nicht weniger als fünf neuen EVs, die bis 2035 enthüllt werden sollten
Bentleys ehrgeiziger Plan, sich zu einem ernstzunehmenden Player im Elektroauto-Geschäft zu entwickeln, ist jäh ausgebremst worden. Der britische Luxushersteller hat vier seiner fünf kommenden Elektro-Modelle gestrichen und will sich in den nächsten Jahren verstärkt auf die Hybridisierung konzentrieren. Vermutlich - wie bei so vielen anderen Edel- und Sportwagenherstellern - aus reinem Selbsterhaltungstrieb.
Eigentlich wollte das Unternehmen bis 2035 fünf neue Elektroautos auf die Straße bringen. Übrig geblieben ist nun nur noch das künftige „Urban SUV“, das 2027 erstmals gezeigt werden soll. Wie jeder andere Hersteller auch muss Bentley nun mal Geld verdienen, um zu überleben – und Ambitionen sind nicht automatisch gleichbedeutend mit Profit.
Ein Vorgeschmack auf Bentleys für 2027 geplantes elektrisches SUV.
Im vergangenen Jahr verbuchte die britische Marke ihr siebtes profitables Jahr in Folge. Wenn das so bleiben soll, dürfte eine massive Investitionsoffensive in Elektroautos derzeit nicht die schlaueste Idee sein.
„Wir müssen unsere komplette Produktpalette und alle künftigen Angebote neu denken und neu kalkulieren“, sagte Bentley-CEO Frank Walliser gegenüber Auto Express. „Wenn man unsere Planung mit der von vor zwei Jahren vergleicht, sieht sie komplett anders aus“, fügte er hinzu.
Die Entscheidung lässt sich auch mit Porsches Schritt verknüpfen, die Scalable Systems Platform (SSP) zu streichen. Sie sollte eigentlich die Basis für das künftige SUV-Flaggschiff der Marke bilden, das oberhalb des Cayenne positioniert werden soll. Das Modell mit drei Sitzreihen wurde zunächst als Elektroauto kommuniziert, doch Porsche dürfte nun auch im absoluten Hochpreis-Segment auf die Konzern-Architektur PPC (Premium Platform Combustion) setzen und sein größtes SUV mit Verbrennern und Plug-in-Hybriden ausstatten.
Ob auch Bentley diese Plattform nutzen will, muss sich zeigen. Immerhin steckt sie auch in einem Audi A5 und Audi Q5. Ob das der Klientel vermittelbar ist, ist fraglich.
Unterm Strich ist Bentley mit Elektroautos aber nicht fertig. Der Markenchef betonte, dass Hybride und Plug-in-Hybride kurzfristig mehr Aufmerksamkeit erhalten werden, das Unternehmen aber weiterhin den Anspruch hat, auf ein komplett elektrisches Portfolio umzusteigen – sofern die Nachfrage vorhanden ist. „Wir beobachten die Entwicklung und Akzeptanz des EV-Markts sehr genau, insbesondere im oberen Segment. Aber das nächste Auto wird nicht vor 2030 kommen“, sagte Walliser.
Als „erstes echtes Luxus-Urban-SUV der Welt“ angekündigt, wird Bentleys erstes rein elektrisches Serienmodell voraussichtlich auf einer ähnlichen technischen Basis wie der neue Porsche Cayenne Electric stehen. Mit einem Design, das vom auffälligen EXP-15-Konzept beeinflusst ist, soll das Luxus-SUV in der Lage sein, in nur sieben Minuten Ladezeit rund 161 km Reichweite nachzuladen. Konkrete Angaben zu Ladeleistung und Batteriekapazität hat der Hersteller bislang allerdings nicht bestätigt.
Dennoch rechnen wir damit, dass Bentleys E-Modell ähnliche Leistungsdaten wie der Cayenne Electric bietet: Dort soll der Ladestand dank einer maximalen Ladeleistung von 400 kW in nur 18 Minuten von 10 auf 80 Prozent steigen. Die 108-kWh-Batterie des Cayenne ermöglicht laut WLTP eine Reichweite von rund 600 km.
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