Mercedes GLC EQ (2026): Laut Tests eher komfortabel als sportlich
Danach ist das Auto komfortabler, aber auch weniger dynamisch als der BMW iX3. Sprachbedienung und Schnellladen scheinen prima zu sein.
Der Mercedes GLC EQ wurde bereits auf der IAA 2025 vorgestellt. Nun folgen die ersten Tests des elektrischen Mittelklasse-SUVs. Wir haben uns die Berichte von Autocar sowie unserer Kollegen von InsideEVs USA und Motor1 Italien näher angesehen.
Der Mercedes GLC EQ ist das erste Modell auf der neuen Plattform MB.EA, die auch die elektrische C-Klasse tragen wird, die im April in Korea vorgestellt wird. Dieses Pärchen wird gegen den BMW iX3 und den i3 auf Basis der Neuen Klasse antreten. Bislang einzige Version ist der GLC 400 4Matic EQ. Mit seinem 360-kW-Allradantrieb und dem 94-kWh-Akku bietet er in der Normalversion eine WLTP-Reichweite von 673 km. Die Long-Range-Edition für rund 2.800 Euro Aufpreis mit verbesserter Aerodynamik soll es auf "über 700 km" bringen.
Bildergalerie: Mercedes GLC 400 4Matic EQ
Das Design findet Autocar beim GLC EQ dezenter als beim iX3, und zwar "selbst mit diesem Kühlergrill". Erkennbar sei, dass Mercedes versucht, Elektroautos und Verbrenner stärker anzugleichen. So erinnert der GLC EQ deutlich an das Verbrennermodell, das auf einer völlig anderen Plattform basiert, nämlich der Modular Rear Architecture 2 (MRA 2). Eine deutliche Änderung ist jedoch der neue Mercedes-Grill, der im GLC EQ debütiert.
Innen sorge die Plattform für ein gutes Platzangebot, so der Bericht. Es soll deutlich besser sein als im (13 cm kürzeren) Verbrenner-GLC, der größere Radstand sorge für spürbar mehr Beinfreiheit in beiden Sitzreihen. Obwohl die Karosserien fast gleich hoch sind und die Elektroversion eine Batterie im Bauch hat, soll sogar die Kopffreiheit etwas besser sein. Der Kofferraum ist mit 570 Litern bei aufrecht stehenden Fondsitzlehnen etwas kleiner, aber die Elektroversion hat zusätzlich noch einen 128-Liter-Frunk.
| Länge | Breite | Höhe | Radstand | Kofferraum | |
| GLC EQ | 4.845 mm | 1.938 mm | 1.644 mm | 2.972 mm | 570–1.740 Liter 128 Liter Frunk |
| GLC | 4.716 mm | 1.934 mm | 1.640 mm | 2.888 mm | 620–1.680 Liter kein Frunk |
| Differenz | + 13 cm | +/- 0 | +/- 0 | + 8 cm |
Der Innenraum des GLC EQ wirke riesig, hell und luftig. Dazu trage das große Glasdach bei. Die Materialqualität sei luxuriös, die Sitze hervorragend und die Sprachsteuerung könne sogar den Tempopiepser ausschalten. Physische Bedienelemente gibt es nicht allzu viele, aber sie fühlen sich sehr hochwertig an. Allerdings wirkte die von links bis rechts reichende Bildschirmlandschaft auf den Tester allzu aufdringlich: "Das ist einfach zu viel Bildschirm", schreibt Felix Page.
Doch rein technisch gesehen sei die neueste Version des MBUX-Bediensystems eines der schnellsten und beeindruckendsten Infotainmentsysteme, die der Kollege je in einem Auto erlebt habe. Die Funktionen seien auch in Jahren kaum auszuloten, vermutet er. Während der Fahrt lenke die Bedienung aber sehr ab.
Das Head-up-Display mit seinen schicken Richtungspfeilen und die Assistenzsysteme seien allerdings sehr gut. Besonders gefiel dem Kollegen die Warnung vor vorausliegenden Schlaglöchern und Bodenwellen.
| Mercedes GLC 400 4Matic EQ | |
| Antrieb | AWD 360 kW (2 PSMs), 800 Nm |
| 0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit | 4,3 Sek. / 210 km/h |
| Akku netto | 94 kWh |
| WLTP-Reichweite | 673 km ("über 700 km" als Long Range Edition) |
| Max. Ladeleistung AC / DC | 11 (optional 22) kW / 330 kW |
| DC-Ladedauer 10-80 % | 22 min |
| Max. Anhängelast | 2.400 kg |
Was Antrieb und Akku angeht, so besitzt der GLC 400 4Matic EQ zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren mit einer Gesamtleistung von 360 kW. Der vordere Motor schaltet sich nur zu, wenn die volle Power gebraucht wird. Eine sparsamere Version mit Heckantrieb soll in Kürze folgen; damit soll die Reichweite näher an 800 km herankommen, schreibt Autocar. Auch eine AMG-Version mit drei Motoren und über 670 kW sei zu erwarten.
Alle Versionen haben ein 800-Volt-System und können mit bis zu 330 kW geladen werden. An 400-Volt-Ladesäulen wie den Tesla Superchargern kann der Wagen nur geladen werden, wenn man den DC-DC-Konverter für 654 Euro Aufpreis bestellt; auch damit kann man laut Konfigurator nur mit 100 kW laden. In Großbritannien ist dieser serienmäßig.
Der gefahrene 400 4Matic wirkte auf den Tester extrem flink. Der 2,5-Tonner beschleunigt in 4,3 Sekunden auf 100 km/h. Ähnlich wie beim Porsche Taycan sei der Schaltvorgang des Zweiganggetriebes an der Hinterachse nicht zu spüren – der Zeitpunkt hängt vom Fahrmodus und diversen anderen Faktoren ab. Aber obwohl der Wagen so gut beschleunigt, fehle es dem Auto an Charakter. Man gebe einmal Vollgas, um den rasanten Sprint auszuprobieren, und dann nie wieder. Der Sportmodus wirkte auf Felix "künstlich nervös und überdreht, mit einer nervtötend ruckartigen Gasannahme".
Insgesamt sei der Wagen stärker motorisiert, als er sein müsste. Der GLC EQ sei ein guter Cruiser mit sanftem Ansprechverhalten des Gaspedals und einer linearen Leistungsabgabe, die ihn bei allen Geschwindigkeiten gut handhabbar mache.
Serienmäßig hat der GLC EQ ein Stahlfahrwerk mit Dämpfern, die sich passiv (das heißt nicht elektronisch gesteuert) an die Fahrbahnoberfläche anpassen. Mit dem "Agility & Comfort"-Paket erhält man die Luftfederung Airmatic mit einstellbaren Dämpfern sowie eine Hinterradlenkung. Das Paket kostet an sich keinen Aufpreis, lässt sich laut Konfigurator aber nur für die Long Range Edition (2.844 Euro) bestellen.
Die Luftfederung gleiche Schlaglöcher sehr gut aus, und auf schlechten Fahrbahnbelägen bleibe der Wagen stets ruhig, schreibt Felix. Die Hinterradlenkung lasse das Auto zudem agiler wirken. Allerdings sei die Lenkung gefühllos und das Fahrwerk etwas schwammig. Der BMW iX3 mit seiner Stahlfederung wirke dynamischer, aber auf schlechten Belägen auch unruhiger, während Mercedes den Akzent auf komfortables und entspanntes Fahren lege.
| Mercedes GLC 400 4Matic EQ | BMW iX3 50 xDrive (Serie) | |
| Antrieb | AWD 360 kW | AWD 345 kW |
| 0-100 km/h | 4,3 Sek. | 4,9 Sek. |
| WLTP-Verbrauch | 15,8 kWh | 15,4 kWh |
| WLTP-Reichweite | 673 km | 794 km |
Was die Reichweite angeht, so liegt der GLC EQ hinter dem BMW iX3. Die genaue Reichweite für die Long Range Edition teilt Mercedes zwar nicht mit, aber auf der IAA war von 715 km die Rede. Beim iX3 sind maximal 805 km möglich. Wählt man allerdings im BMW-Konfigurator alle Extras inklusive der aerodynamisch günstigeren Räder ab, landet man bei 794 km (siehe obige Tabelle). Aber auch damit liegt der BMW noch deutlich vor dem Mercedes. Felix glaubt, dass er mit dem GLC EQ ohne große Anstrengung etwa 600 km geschafft hätte. Beim iX3 ermittelten die Autocar-Tester jedoch eine Alltagsreichweite von 700 km.
Die reinen Daten lassen den GLC EQ als die Nummer zwei erscheinen, schreibt Felix. Aber der Wagen biete subjektiv so viel Gutes, um attraktiv zu sein. Alles in allem stuft Felix den GLC EQ als luxuriösen und komfortablen Allrounder ein, der jedoch weniger Reichweite und Fahrdynamik als der BMW iX3 bietet.
Kollege Andrei Nedelea von InsideEVs USA lobt die komfortable Luftfederung, den ruhigen und luxuriösen Innenraum sowie die überraschende Agilität auf anspruchsvollen Strecken. Der Grill ist ihm etwas zu protzig. Innen war er enttäuscht, dass die Luftausströmer nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff bestehen. Der Seitenhalt der Sportsitze der gefahrenen AMG-Line-Version begeisterte ihn. Anders als Felix fand Andrei die Lenkung sportlicher als beim iX3.
Der Mercedes fühle sich aber nicht so schnell an, wie es der Sprintwert erwarten lasse. Der BMW iX3 entfalte seine Leistung schneller, obwohl er 0,6 Sekunden länger für den Normsprint braucht. Bei sportlicher Fahrweise benötigte er 24,5 kWh/100 km, also deutlich mehr als die knapp 16 kWh nach WLTP-Norm.
Er testete die Ladeperformance an einem von Mercedes aufgestellten 400-kW-Lader und lud den Akku in elf Minuten von 14 auf 60 Prozent auf. Die maximale Ladeleistung lag mit 354 kW sogar über dem von Mercedes angegebenen Wert, die durchschnittliche Ladeleistung bei 260 kW.
Giuliano Daniele von Motor1 Italien ergänzt noch, dass sich die Rekuperation in den Stufen D-, D, D+ und D Auto einstellen lässt. Auch One-Pedal-Driving ist damit möglich. Maximal ist eine Rekuperation mit 300 kW möglich. Unsere Vermutung ist, dass diese 300 kW aber nur beim Tritt aufs Bremspedal erreicht, nicht im Schub. Das Gewicht von 2,5 Tonnen zusammen mit dem komfortablen Fahrwerk bedingt laut Daniele eine eher entspannte als sportliche Fahrt. Die Stromverbräuche lagen bei seinem Test zwischen 22 und 25 kWh/100 km.
Unter dem Strich
Im Großen und Ganzen bestätigen die drei Testberichte des Mercedes GLC EQ unsere Erwartungen. Das Auto wirkt zumindest in der Testversion mit Luftfederung eher komfortabel als sportlich. Bei der Lenkung sind die Meinungen geteilt, genauso wie beim Design, insbesondere dem großen Grill und den von links bis rechts reichenden Displays. Die Sprachbedienung scheint jedoch sehr gut zu funktionieren, genauso wie das Schnellladen. Uns hat bei der erneuten Beschäftigung mit dem GLC EQ am meisten überrascht, dass an 400-Volt-Säulen nur mit maximal 100 kW geladen werden kann, und auch das nur optional.
Quelle: Autocar, InsideEVs USA, Motor1 Italien
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