Tesla sollte Europa verlieren. Die Daten sagen etwas anderes
Teslas europäische Verkäufe steigen nach einem brutalen Jahr 2025 wieder. Doch die Comeback-Story hat einen chinesischen Haken
Über weite Strecken des Jahres 2025 lautete die Erzählung rund um Tesla in Europa, der Hersteller habe den Faden verloren und befinde sich in einem scheinbar unausweichlichen Abwärtstrend. Die Verkäufe gingen zurück, Käufer hatten so viele Alternativen wie nie zuvor und Elon Musks polarisierende öffentliche Präsenz wurde zunehmend untrennbar mit der Marke verknüpft.
Das wichtigste Produkt, das Model Y, verkaufte sich zwar weiterhin gut, doch die Zahlen sanken – und erstmals wirkte Tesla nicht mehr unangreifbar.
Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert und die Tesla-Verkäufe gehen nicht weiter zurück. Ganz im Gegenteil: Europaweit stiegen die Neuzulassungen im April im Jahresvergleich um 46,5% auf 10.654 Fahrzeuge. Damit verzeichnete Tesla den dritten Monat in Folge Wachstum – nach mehr als einem Jahr mit nahezu durchgehenden Rückgängen.
Allein in der Europäischen Union legten Teslas April-Zulassungen um mehr als 67% auf 9.169 Fahrzeuge zu. Zuvor standen laut Wall Street Journal unter Berufung auf ACEA-Daten bereits Zuwächse von mehr als 84% im März und knapp 12% im Februar zu Buche.
Zu berücksichtigen ist allerdings auch: Teslas Wachstum im April wirkt auch deshalb so eindrucksvoll, weil die Vergleichsbasis so schwach war. Das Unternehmen bewegte sich 2025 lange in die falsche Richtung, während sich der breitere E-Auto-Markt erholte. Die ACEA-Zahlen für 2025 zeigen, dass die EU-Zulassungen von Elektroautos auf 1.880.370 Fahrzeuge stiegen, was einem Marktanteil von 17,4% entspricht – nach 13,6% im Jahr 2024. Anders gesagt: Europa kaufte weiterhin mehr E-Autos, Tesla konnte davon aber nicht profitieren.
Der gesamte europäische Automarkt wuchs im April um 7% auf 1.152.315 Fahrzeuge. Elektrifizierte Autos – BEV, PHEV und Hybride – machten dabei mehr als zwei Drittel aller Zulassungen aus. Das ordnet Teslas Zugewinne ein. Das Unternehmen profitierte von einem sich erholenden europäischen Markt und dem breiteren Trend hin zu elektrifizierten Antrieben.
Reuters nennt zudem erneuerte Förderprogramme und Subventionen sowie höhere Kraftstoffpreise als Faktoren, welche Käufer in Richtung emissionsärmerer Fahrzeuge lenkten. Hierzulande waren die stark gestiegenen Benzinpreise als Folge des Iran-Konflikts sicher das beste Konjunkturpaket für die E-Mobilität.
ACEA zufolge machten batterieelektrische Autos bis April 2026 19,7% des EU-Markts aus – nach 15,3% ein Jahr zuvor. In den ersten vier Monaten des Jahres wurden in der EU 746.899 neue batterieelektrische Pkw zugelassen, mit starkem Wachstum in Italien, Frankreich und Deutschland.
Nun konnte Tesla in den vergangenen Monaten solide Wachstumszahlen vorweisen. Der chinesische Autobauer BYD, einer der aufstrebenden Rivalen in Europa, legte jedoch noch stärker zu. Die April-Zulassungen von BYD sprangen um 114,5% auf 27.008 Einheiten – mehr als das Doppelte von Teslas Europa-Gesamtwert im selben Monat, auch wenn nicht alle dieser BYD-Modelle rein elektrisch waren.
BYD greift zudem Marktbereiche an, die Tesla bislang gar nicht abdeckt. Der neue Dolphin G DM-i ist ein auf Europa zugeschnittener Plug-in-Hybrid-Kleinwagen und verschafft dem chinesischen Hersteller einen Einstieg in ein volumenstarkes Segment, in dem Tesla kein Angebot hat.
Tesla gibt den Kampf allerdings nicht auf. Berichten zufolge entwickeln die Amerikaner nun doch endlich ein kleineres, günstigeres Elektroauto. Dieser preiswertere Elektro-Crossover soll sich demnach in einer frühen Entwicklungsphase befinden und in China gebaut werden. Zwar ist Tesla in der Regel schneller als klassische Autobauer, sobald ein Programm final beschlossen ist – der jüngste Produkt-Takt mahnt jedoch zur Vorsicht.
Über günstigere Modelle spricht das Unternehmen seit Jahren, während sich das untere Ende des E-Auto-Markts in Europa bereits füllt. Dennoch würde ein neues, günstigeres Modell Tesla ein dringend benötigtes Produkt unterhalb des Model Y verschaffen. Bestätigt ist das Fahrzeug bislang nicht, und es gibt keine offizielle Zeitleiste für den Marktstart.
Unter dem Strich
Tesla kollabiert in Europa also nicht mehr. Doch der Markt, den die Marke einst mitgeprägt und angeführt hat, ist deutlich voller geworden – mit stärkeren lokalen E-Autos, einem kräftigeren Vorstoß aus China und mehr Käufern, die über Model 3 und Model Y hinausblicken. Die Zahlen aus dem April zeigen, dass Tesla in Europa weiterhin Zugkraft hat – aber das Tempo gibt der Hersteller offensichtlich nicht mehr vor.
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