Schnellladen: Warum es auch auf Stecker und Kabel ankommt
Nicht jeder 400-kW-Lader liefert dauerhaft die maximale Leistung. Stecker und Kabel können zum begrenzenden Faktor werden
Sie haben einen Xpeng, einen BMW iX3 der Neuen Klasse, einen Smart #5 mit 800 Volt oder einen Zeekr 7X oder 7GT? Dann sollten Sie nicht nur auf die Beschriftung der Ladesäule achten. Denn nicht an allen 400-kW-Ladern kann man erwarten, auch die vollen 400 kW zu bekommen. Der norwegisch-thailändische YouTuber Bjørn Nyland erklärt nun in einem Video, warum man auch auf den Ladestecker und das Kabel achten sollte.
Bei den Ladekabeln unterscheidet man wassergekühlte und solche ohne Wasserkühlung, wie der Kollege ausführt. Die 350-kW-Lader von Ionity, die Tesla-Supercharger V3 und V4 und manche ABB-Lader hätten wassergekühlte Kabel; aber auch diese könnten überhitzen, wenn nämlich die Kühlmittelpumpe versagt. Weiter verbreitet seien nun "trockene" Kabel.
Es gebe zwei wichtige Hersteller: Phoenix Contact und Amphenol. Sie lassen sich anhand des Steckers leicht unterscheiden: Die von Phoenix Contact sind lang und schmal; sie tragen seitlich die Schriftzüge HPC und Phoenix Contact. Die Amphenol-Stecker dagegen sind eher gedrungen und tragen das rundliche Logo des Herstellers an der Seite.
Phoenix-Contact-Stecker
Amphenol-Schnellladestecker
Diese Kabel ohne Wasserkühlung können nicht unbegrenzt hohe Ladeströme übertragen, ohne zu überhitzen. Aber dank eines Boost-Modes können sie manchmal 500 oder sogar 600 Ampere für kurze Zeit übertragen.
Doch dabei können die beiden Schnelllade-Pins des CCS-Steckers überhitzen, wie Bjørn von einem befreundeten Insider erfahren hat. Dann wird die Ladeleistung durch die Säule gedrosselt, bis sich der Stecker abgekühlt hat. Das kann zu Zickzack-Ladekurven führen, wie sie Bjørn kürzlich beim Zeekr 7GT aufzeichnete.

Und nun kommt der Unterschied: Bei Phoenix-Steckern kann die Ladeleistung teilweise über Zeiträume von fast einer halben Stunde gehalten werden – also länger, als schnelle 800-Volt-Autos zum Laden benötigen. Dagegen wird bei Amphenol-Steckern angeblich schon nach wenigen Minuten gedrosselt. Für viele Autos ist das ausreichend, aber offenbar nicht für die am schnellsten ladenden Fahrzeuge.
Abschließend erinnert Bjørn daran, dass man manchmal auch aus einem anderen Grund nicht die volle Leistung einer 400-kW-Säule nutzen kann: Wenn die Säule auf 500 Ampere limitiert ist und die Batterie des Autos zum Beispiel mit 650 Volt arbeitet, erhält man maximal 500 A × 650 V = 325 kW.
Unter dem Strich
Dass Kabel und Stecker überhitzen können, liegt auf der Hand, schließlich fließen hier zum Teil 500 Ampere oder mehr. Das aber kann zu einer enttäuschenden Ladeleistung führen: Obwohl das Auto sehr hohe Ladeleistungen nutzen kann und die Säule zum Beispiel mit 400 kW angegeben ist, werden viel geringere Werte erreicht oder die Ladekurve pendelt hin und her. Laut Bjørn Nyland sollte man auf den Stecker achten: Die von Phoenix Contact seien leistungsfähiger, während die von Amphenol die Ladeleistung früher drosseln. All das betrifft allerdings nur Elektroautos, die eine sehr hohe Ladeleistung über mehr als ein paar Minuten halten können.
Unser Titelbild zeigt einen Porsche Cayenne Electric beim Schnellladen während der Fahrvorstellung mit einem Phoenix-Contact-Stecker.
Quelle: Bjørn Nyland auf YouTube
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