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Teslas Cybercab-Launch ist diese Woche: Das muss Tesla noch beweisen

Tesla hat für diese Woche das Cybercab-Launch-Event angesetzt. Dabei sind noch viele entscheidende Dinge völlig unklar

Tesla Cybercab, LA Auto Show 2024
Bild von: InsideEVs

Teslas Cybercab - genau, das Auto mit Scherentüren und ohne Lenkrad ist offenbar bereit für den großen Auftritt.

Das zweisitzige Robotaxi bekommt am kommenden Donnerstag in Austin eine offizielle Premierenveranstaltung, wie der amerikanische Autobauer letzte Woche mitteilte. Wie schnell die Cybercabs tatsächlich auf die Straße kommen – und ob man eines in absehbarer Zeit für 30.000 US-Dollar kaufen kann (wie Elon Musk vor einiger Zeit verlautbarte) –, sind nur einige der offenen Fragen rund um diesen Start. 

Eine zentrale Frage betrifft die Software. Genauer gesagt: Ist Teslas System gut genug? Elon Musk setzt bekanntlich darauf, Tesla allein mithilfe von Kameras zu einem Schwergewicht im Bereich autonomer Fahrzeuge zu machen.

Das Cybercab wurde von Grund auf um diese Wette herum entwickelt. Doch wie zuverlässig Teslas System im großen Maßstab ist, bleibt offen. Viele Fachleute argumentieren, dass Sensor-Redundanz durch Lidar und Radar für die Sicherheit entscheidend sei. Branchenführer Waymo teilte in dieser Woche in einem Blogbeitrag einen kaum verhohlenen Seitenhieb gegen Teslas Strategie aus und erklärte, Kameras seien für sicheres autonomes Fahren im großen Maßstab „nicht genug“.

Bildergalerie: Das Tesla Cybercab im ersten Live-Kontakt mit Sitzprobe

Fairerweise muss man sagen: Teslas Robotaxi-Dienst bietet inzwischen fahrerlose Fahrten im Model Y in Austin und einigen anderen Märkten an und dieser Geschäftsbereich scheint zu wachsen. Auf X erklärte Tesla in dieser Woche, seine „unbeaufsichtigte Flotte“ sei „deutlich größer“ geworden und die Betriebszeiten seien ausgeweitet worden. Auch Ethan McKanna von der Website Robotaxi Tracker hat einen deutlichen Anstieg unbeaufsichtigter Fahrten festgestellt wie The Verge berichtete. 

Auf der anderen Seite verläuft der Robotaxi-Ausbau deutlich schleppender, als Musk einst versprochen hatte. Im vergangenen Jahr sollte er „hyper-exponentiell“ sein und bis Ende 2025 die Hälfte der US-Bevölkerung abdecken. In den jüngsten Telefonkonferenzen zu den Quartalszahlen gab sich Musk ungewöhnlich zurückhaltend und betonte, das Unternehmen gehe langsam vor, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Teslas Robotaxi-Geschäft liegt weiterhin weit hinter Waymo zurück, das Tausende Fahrzeuge in US-Städten betreibt und mehr als 500.000 autonome Fahrten pro Woche absolviert. Bislang hat die Alphabet-Tochter mehr als 322 Millionen fahrerlose Kilometer gesammelt, während Tesla laut der letzten Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen bei ungefähr 612.000 Kilometern liegt. 

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Das Tesla Cybercab hat zwei Sitze, einen großen zentralen Bildschirm und kein Lenkrad. 

Foto: InsideEVs

Auch der Cybercab-Start selbst dürfte womöglich schleppend anlaufen. Ein Grund dafür sind Daten. „Weil es sich um eine neue Fahrzeugplattform handelt“, sagte Musk in Teslas jüngster Telefonkonferenz, „müssen wir Fahrdaten sammeln, die spezifisch für das Cybercab sind, bevor wir viele davon auf die Straße bringen können.“

Genau deshalb wurden landesweit in den USA goldfarbene, von Menschen gefahrene Cybercabs mit nachgerüsteten Lenkrädern gesichtet. Wie lange dieses Projekt dauern wird, bleibt abzuwarten. Denn für Tesla ist auch klar: Die auffälligen, sofort erkennbaren Fahrzeuge würden jeden Fehltritt des eigenen autonomem System besonders sichtbar machen. 

Interessant wäre außerdem: Was ist in Bezug auf das kabellose Laden passiert? Tesla hatte angekündigt, die Fahrzeuge würden induktiv laden – ähnlich wie ein Smartphone –, mutmaßlich damit sie mit möglichst wenig menschlichem Eingriff und entsprechend geringeren Kosten betrieben werden können. Außerdem zeigte Tesla ein Video, in dem ein Saugroboter ein Fahrzeug reinigt.

Zuletzt war jedoch wenig über die Infrastruktur oder Logistik zu hören, die für den Betrieb der Cybercabs nötig wäre, und darüber, was konkret gebaut wird. Cybercabs wurden zudem bei Tests mit einem konventionellen Ladeanschluss gesichtet; möglicherweise haben sich die Pläne also geändert. 

Man sollte jedoch nicht vergessen, dass der Betrieb eines Uber-ähnlichen Robotaxi-Netzwerks immer nur ein Teil von Teslas Versprechen war. Musks Kernbotschaft – der Grund, warum Teslas Marktkapitalisierung mehr als zehnmal so hoch ist wie die von General Motors – lautet, dass dieses Unternehmen auch jedes Privatkundenauto selbst fahren lassen wird. 2024 sagte Musk, jeder werde ein Cybercab für 30.000 US-Dollar kaufen und es dem Tesla-Netzwerk hinzufügen können, um nebenbei Geld zu verdienen. Derzeit gibt es kein Fahrzeug, das man mit Level-4-Fähigkeiten kaufen kann; das wäre also ein enormer Meilenstein. 

Unklar ist, ob die Veranstaltung in der kommenden Woche Aussagen zum öffentlichen Verkauf enthalten wird. Oder zur seit Jahren angekündigten Vision, autonom fahrende Privatfahrzeuge anzubieten. Das für Kunden verfügbare Full Self-Driving ist über die Jahre erkennbar besser geworden, trägt aber weiterhin den Zusatz „(Supervised)“ und scheitert bisweilen auf beunruhigende Weise an grundlegenden Fahraufgaben.

Tesla Cybercab Robotaxi

Das Cybercab wurde bei Testfahrten im ganzen Land mit einem Lenkrad gesichtet. Musk sagt, das liege daran, dass Tesla Cybercab-spezifische Daten sammeln müsse.

Foto: Motor1.com

Hinzu kommt die Frage, wie ein Fahrzeug ohne Ausstattungen, die üblicherweise nach den US-amerikanischen Sicherheitsstandards für Kraftfahrzeuge vorgeschrieben sind – etwa Bremsen, Außenspiegel und Lenkrad –, legal verkauft oder eingesetzt werden kann.

Das zu Amazon gehörende Unternehmen Zoox erhielt kürzlich von der US-Regierung eine Ausnahmegenehmigung, um über zwei Jahre hinweg bis zu 5.000 seiner toasterförmigen Pods kommerziell einzusetzen, denen solche Merkmale ebenfalls fehlen. Unmöglich ist es also nicht. Unklar ist jedoch, ob Tesla ebenfalls eine solche Ausnahmeregelung anstrebt oder einen anderen Weg geht, etwa durch eine Eigenerklärung, dass das Fahrzeug die einschlägigen Vorschriften erfüllt, um das Cybercab straßenzulassungsfähig zu machen.

Das Cybercab kommt also bald – in welcher Form auch immer. Wie viel von Musks großer Vision damit tatsächlich Realität wird – die klare Dominanz im Robotaxi-Geschäft und selbstfahrende Autos in jeder Garage –, dürfte sich erst mit etwas mehr Zeit zeigen.