Mehr zur Technik des Tesla Roadster: Bis zu 1.000 kW, 500 km Reichweite und Düsenantrieb
Ein Video zeigt neue Details zum Tesla Roadster: Heckantrieb, ausfahrbarer Heckflügel, Kaltgastriebwerke Gastanks und mehr
Nach der Vorstellung des Tesla Roadster hat wohl so mancher gedacht: Der Vorhang zu und alle Fragen offen. Es fehlten Informationen zu den Kaltgastriebwerken und ihrer Gasversorgung, aber auch zur Dachkonstruktion und zu normalen Elektroauto-Daten wie Antriebsleistung, Akkukapazität, Reichweite und Ladeeigenschaften. Ein paar Fragen konnte TopGear im Gespräch mit Tesla-Chefingenieur Lars Moravia und Chefdesigner Franz von Holzhausen klären.
Das Exterieur hat wenig mit der 2017 vorgestellten Version zu tun. Das keilförmige Design erinnert an den Lotus Esprit, und tatsächlich diente die U-Boot-Variante des Esprit aus dem James-Bond-Film "Der Spion, der mich liebte" als Inspirationsquelle. Wie bei diesem ist die Optik clean und wird von glatten Flächen und klaren Kanten dominiert. Von Holzhausen wollte kein mit Spoilern überfrachtetes Tuning-Auto, sondern eine elegante, einfache Form. Seine Krallen fährt der Roadster erst aus, wenn es nötig ist. Dann wird das Heck durch den ausfahrenden Flügel verlängert oder der Flügel für maximalen Abtrieb aufgestellt.
Zu den Maßen gibt es noch kaum Angaben. Der Radstand misst 2.825 mm, wie es in dem Video heißt. Den Bildern nach sind die Überhänge kurz, sodass das Auto kaum länger als 4,50 Meter sein dürfte, vielleicht ist es sogar kürzer.
Ein Roadster im eigentlichen Wortsinn ist das Auto nicht, aber die beiden Dachfenster können ausgebaut und im Kofferraum verstaut werden. Der Roadster hat also eine T-Top-Dachkonstruktion wie die Chevrolet Corvette C3 und C4.
Die Scheinwerfer verbergen sich unter der kleinen Dreiecksfläche (im Bild unten)
Die angeschalteten Scheinwerfer sind wirklich winzig
Ein bemerkenswertes Detail sind die "Pop Down"-Scheinwerfer: Tagsüber sind sie eingefahren und bündig, bei Dunkelheit fährt eine Klappe davor nach unten. Die Scheinwerfer sollen weniger als 20 mm hoch sein, was uns an die Scheinwerfer des Hyundai Ioniq 3 erinnert, die zwar nicht ganz so winzig, aber doch sehr klein sind.
Die Aerodynamik kann durch viele aktive Elemente verändert werden, wie im Video zu sehen. So gibt es einen Luftauslass vor der Frontscheibe, Luftauslässe hinter den Vorderrädern und den Heckflügel, der bei Bedarf nach hinten und oben ausfährt. Der Flügel wird sogar zum Bremsen verwendet. Auch die Fahrwerkshöhe lässt sich verstellen.
Alle Versionen besitzen eine Carbon-Karosserie mit langem Radstand, in der eine große Batterie untergebracht ist. Zur Speicherkapazität gibt es keine Angaben, aber die Batterie besteht aus zylindrischen Zellen – vermutlich mit dem Formfaktor 4680. Die Zellen werden über S-förmige Kühlbänder an den Längsseiten der Zellen gekühlt. Je nach Variante soll die Reichweite zwischen 500 und 515 Kilometern liegen. Aufgeladen wird mit bis zu 500 kW. Damit soll sich die Batterie in weniger als 15 Minuten von 15 auf 80 Prozent bringen lassen.
Der Antrieb bietet rund 1.000 kW und ist damit deutlich stärker als beim Model S Plaid mit seinen 750 kW. Während die Limousine jedoch einen Allradantrieb mit zwei Motoren hinten und einem vorne hatte, ist der Roadster ein reiner Hecktriebler. An der Hinterachse arbeiten zwei recht kompakte Motoren, was ein Torque Vectoring ermöglicht. Die leichteste Version soll weniger als 1,7 Tonnen wiegen.
Wie der McMurtry Spéirling hat der Tesla Roadster ein Gebläsesystem, mit dem sich der Wagen an die Fahrbahn ansaugt, das heißt: Der Abtrieb wird erhöht, die Traktion verbessert sich. Bei höherem Tempo werden vorn und hinten Schürzen geöffnet, wodurch die unter dem Auto vorbeiströmende Luft durch den Venturi-Effekt für weiteren Abtrieb sorgt.
Der Tesla Roadster soll zunächst in den drei Versionen Performance, Thrust und Rocket angeboten werden. Eine Basisversion soll jedoch noch hinzukommen, wie von Holzhausen in dem Video erklärt. Diese soll über eine Leistung von rund 800 kW und etwa 1.200 Nm verfügen, schätzt TopGear. Damit könnte der Tempo-Sprint in unter zwei Sekunden gelingen. Hier fehlt das Gebläsesystem, es gibt nur eine traditionelle Venturi-Aerodynamik. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 210 mph (rund 338 km/h) liegen.
Die Performance-Version soll 1.000 kW Antriebsleistung, 1.400 Nm Drehmoment, das Gebläsesystem und ein adaptives Fahrwerk bekommen. Klappt man beim Basis- und beim Performance-Modell den hinteren Teil der Karosserie zurück, wird der Kofferraum zugänglich.
Dieses Bild zeigt einen Teil des 200-Liter-Gastanks der Thrust-Version
Die Thrust-Version besitzt statt des Kofferraums einen 200-Liter-Gastank, der offenbar Druckluft oder Stickstoff enthält. Das Gas kann über vier runde Düsen am Heck ausgestoßen werden, was für viel Schub sorgt, der nicht von der Reifenhaftung abhängt. So wird ein Sprint auf 100 km/h in unter einer Sekunde möglich. Das ist allerdings nur für fünf oder sechs Sekunden möglich, dann ist der Tank leer und muss über ein Tanksystem aufgefüllt werden.
Die Rocket-Variante schließlich verzichtet nicht nur auf einen Kofferraum, sondern auch auf den Beifahrersitz. Dort wird ein zusätzlicher 400-Liter-Gastank installiert. Das Gas wird über sechs weitere Düsen an der Front und an den Seiten ausgeblasen, was beim Bremsen und Lenken hilft. Sie lassen sich aber auch nach unten richten, wodurch das Fahrzeug abheben soll.
Alle Fahrzeuge mit 1.000 kW sollen 370 km/h schnell werden. Offenbar werden aber offenbar weitere Varianten entwickelt, die halbe Schallgeschwindigkeit erreichen sollen, also etwa 617 km/h.
Im Cockpit gibt es zwei Sitze mit niedriger Sitzposition und manuell verstellbarer Rückenlehne. Die Position der Lenksäule und der Pedale ist variabel. Die Lenkung erfolgt über ein Steuerhorn und Steer-by-Wire-Technik. Auch gebremst wird über ein Brake-by-Wire-System. In der Mitte gibt es einen Touchscreen, vor dem Fahrersitz am unteren Rand der Frontscheibe gibt es ein weiteres kleines Display, das wohl vor allem das Tempo anzeigt.
Unter dem Strich
Dem Tesla Roadster merkt man an, dass ihn Elon Musk zum Spaß entwickeln ließ. Oder um zu beweisen, dass selbst verrückt klingende Visionen Wirklichkeit werden können. Der Wagen kann mit seinen Gasdüsen tatsächlich fliegen oder zumindest schweben und Sprünge verlängern. Im Alltagsverkehr hat all das natürlich keine Bedeutung. Aber die Technik ist interessant. Deswegen lohnt es sich, das lange Video anzusehen.
Was die normalen Versionen des Roadsters können, also die Basisvariante mit 800 kW und die Performance-Version mit 1.000 kW, ist noch nicht ganz klar. Der Schwerpunkt liegt hier aber wohl auf dem Fahrspaß, weniger auf der Reichweite. Aber mehr als 500 km mag man meist ohnehin nicht sportlich fahren.
Quelle: TopGear
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