Chinas meistverkauftes Elektroauto driftet richtig gut
Die Studien Geely EX2 Track und EX2 Street sollen das Tuning- und Spaß-Potenzial von Elektroautos zeigen
Chinas meistverkauftes Auto, der Geely EX2 (in einigen europäischen Märkten auch E2), hat weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt: als absolut brauchbares kleines Elektroauto für vergleichsweise wenig Geld.
Mit 4,13 Meter Länge ist er etwas größer als ein VW ID. Polo (4,05 Meter), zählt dort, wo er angeboten wird, häufig zu den günstigsten neuen Elektroautos. Die fahrdynamischen Qualitäten gehören allerdings nicht unbedingt zu seinen ausgewiesenen Stärken. Ich bin in diesem Jahr selbst einen EX2 gefahren und fand das Erlebnis angenehm, aber nicht besonders spannend.
Dieser Umstand ist jedoch nicht in Stein gemeißelt. Geely hat den EX2 vor Kurzem auf dem brasilianischen Markt eingeführt und im vergangenen Monat beim Festival Interlagos zwei sportlichere Konzeptversionen vorgestellt. Die Veranstaltung dreht sich um schnelle Autos und Demonstrationsrunden auf der Rennstrecke, bietet Herstellern aber auch eine Bühne für Premieren. In diesem Jahr debütierten dort die Konzepte EX2 Street und EX2 Track.
Geely EX2 Street
EX2 Street: näher an einer möglichen Serie
Der EX2 Street ist von den beiden Varianten diejenige, die näher an einem möglichen Serienprodukt scheint. Von außen ist er an der Tieferlegung und den recht rennsportlich aussehenden 17-Zoll-Rädern zu erkennen. Im Innenraum tauschte man Kunstleder gegen echte Tierhaut, außerdem wurde der helle Dachhimmel durch eine dunklere Ausführung aus Alcantara ersetzt.
EX2 Track: Käfig, Gurte und Drift-Optik
Der EX2 Track geht noch einen Schritt weiter. Zunächst fällt die Lackierung mit aggressiven, zugleich fast comicartigen Grafiken auf; ein gezacktes Maul mit Zähnen an der Front passt gut zum Geely-EX2-Logo im Comic-Stil. Der EX2 Track liegt genauso tief wie sein Schwestermodell EX2 Street, die indigofarbenen Räder stechen jedoch deutlicher heraus.
Der Innenraum wurde von der Rückbank befreit und mit einem Überrollkäfig versehen. Die noch vorhandenen Sitze verfügen über Fünfpunktgurte. Hinzu kommt eine hydraulische Handbremse mit einem auffallend langen Hebel. Der 85 kW starke Motor und die 40-kWh-Batterie bleiben unverändert, doch Geely zufolge machen eine höhere Fahrwerksstabilität und eine angepasste Abstimmung den Wagen deutlich geeigneter für den Einsatz auf der Strecke.
Der EX2 Track ist offensichtlich nicht nur Show, sondern auch jede Menge "Go". In sozialen Medien war bereits zu sehen, wie der EX2 Track die Reifen qualmen lässt und Donuts dreht.
Viele kleine und günstige Elektroautos, etwa der BYD Seagull, haben Frontantrieb und eignen sich kaum dafür, quer bewegt zu werden. Der Geely EX2 dagegen hat Hinterradantrieb, Einzelradaufhängung und Scheibenbremsen an allen vier Rädern. Auf dem Papier klingt das nach genau den richtigen Zutaten, um bei entsprechender Fahrweise den Lebemann raushängen zu lassen. Der brasilianische YouTube-Kanal ACF kam vor etwa einem Monat zu einem ähnlichen Ergebnis.
Keine Serienpläne, aber ein wichtiges Signal
Geely betont, dass EX2 Track und EX2 Street nicht für die Produktion vorgesehen sind. Dennoch zeigen sie, was bei der Individualisierung von Elektroautos möglich ist – und das ist durchaus relevant.
Derzeit haben Elektroautos noch immer den Ruf, seelenlose und langweilige Alltagsgeräte zu sein. Sportlich ausgelegte E-Autos gibt es zwar, doch sie sind teuer. Der Geely EX2 startet in Deutschland bei 19.900 Euro. Wenn sich ein solches Auto mit einigen Anpassungen in ein lebhaftes Tracktool verwandeln lässt, zeigt das: Tuning-Kultur und Fahrspaß müssen mit dem Aufstieg der Elektromobilität nicht zwangsläufig verschwinden.
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