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Toyota Corolla Cross EV (2028) als Erlkönig erwischt

Offenbar ist noch eine Lücke zwischen Urban Cruiser und C-HR+ vorhanden

Toyota Corolla Cross EV (2028) Erlkönig
Bild von: Automedia
Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Toyota plant, die nächste Generation des Erfolgsmodells Corolla ab 2028 in China vom Band laufen zu lassen. Zu diesem Zweck entwickeln die Japaner eine flexible Architektur, die unterschiedliche Antriebsformen auf derselben technischen Basis ermöglicht.

Einem Erlkönig-Fotografen nahe dem europäischen Entwicklungszentrum von Toyota ist nun bereits ein Prototyp vor die Linse gelaufen, bei dem es sich offenbar um einen voll-elektrischen Ableger im Stile des Corolla Cross handelt. Noch scheint es sich aber um einen sogenannten "Mule" zu handeln, der neue Technik unter der bekannten Karosserie des aktuellen Corolla Cross verbirgt.

Bildergalerie: Toyota Corolla Cross EV (2028) Erlkönig

Der Corolla wird (auch) rein elektrisch

Damit steht der Dauerbrenner vor der wohl tiefgreifendsten technischen Transformation seiner Modellgeschichte. Erstmals soll die Plattform nicht mehr nur Verbrenner und klassische Hybridantriebe aufnehmen, sondern eben auch rein batterieelektrische Varianten tragen. Die Fertigung soll im Rahmen des Joint Ventures FAW-Toyota erfolgen. Das unterstreicht, dass die Japaner bei einem ihrer weltweit wichtigsten Volumenmodelle künftig noch stärker auf eine Entwicklungsstrategie setzen, die direkt auf den dynamischen chinesischen Markt und dessen hohes Innovationstempo zugeschnitten ist.

Die neue Multi-Pathway-Architektur ist allerdings nicht als reine Elektro-Plattform konzipiert. Toyota bleibt seiner bisherigen Linie treu und strebt weiterhin an, je nach Region flexibel auf unterschiedliche Antriebsformen zu setzen. Statt weltweit starr auf eine einzige Technologie zu bauen, orientiert sich der Konzern an der lokalen Nachfrage, den jeweiligen regulatorischen Vorgaben sowie dem Ausbaugrad der Ladeinfrastruktur.

Toyota Corolla Cross EV (2028) Erlkönig

Toyota Corolla Cross EV (2028) Erlkönig

Bild von: Automedia

Während die Corolla-Basis in China künftig massiv auf den Elektroantrieb ausgerichtet sein dürfte, könnte in anderen Märkten vorerst weiterhin der Vollhybrid die dominierende Rolle spielen. Der Handlungsdruck im Reich der Mitte ist jedoch enorm. Die Verkäufe von Toyota inklusive der Premiummarke Lexus gingen in China zuletzt im August im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 118.449 Fahrzeuge zurück. Neben der allgemeinen Marktunsicherheit setzen vor allem heimische Hersteller die etablierten Marken mit preiswerten Elektroautos, extrem kurzen Entwicklungszyklen und moderner Software unter Zugzwang.

Auch bei der Batterietechnologie verschieben sich die Kräfteverhältnisse spürbar. Der hohe Anteil an günstigen Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) im chinesischen Markt macht es den lokalen Herstellern leicht, Elektroautos mit praxisgerechten Reichweiten zu aggressiven Preisen anzubieten. Toyota muss deshalb nicht nur bei den Antrieben nachlegen, sondern auch bei den Kosten, dem Infotainment und der digitalen Vernetzung deutlich an Tempo zulegen.

Einen ersten Ausblick auf die nächste Modellgeneration gab der Hersteller bereits 2025 mit einer Designstudie. Diese zeigte eine spürbar flachere, dynamischere Karosserie mit glatten Flächen und einer Frontpartie, die visuell perfekt zu einem Elektroauto passt. Im Hintergrund deuteten die Designer damals zudem verschiedene Karosserievarianten an, darunter eine Limousine, ein Steilheck, einen Crossover sowie eine sportliche GR-Version.

Toyota Corolla Concept (2026)

Toyota Corolla Concept (2026)

Bild von: Toyota

Wie viel davon letztlich in die Serie einfließen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass Toyota den seit 1966 angebotenen Corolla keineswegs nur kosmetisch modernisieren will. Mit weit über 57 Millionen verkauften Exemplaren über alle Generationen hinweg ist die Modellreihe schlicht zu wichtig, um Raum für reine Nischen-Experimente zu lassen.

Zu Batteriegrößen, Ladeleistungen, genauen Motorisierungen oder Reichweiten gibt es derzeit noch keine offiziell bestätigten Angaben. Prognosen, die von Reichweiten von mindestens 400 Kilometern sprechen, sind daher vorerst mit Vorsicht zu genießen. Auch Spekulationen über Varianten mit einem oder zwei Elektromotoren bleiben bis auf Weiteres reine Theorie.

Der entscheidende Faktor für den Markterfolg wird sein, ob Toyota konkurrenzfähige Ladezeiten und einen niedrigen Energieverbrauch erzielen kann. Bis zum geplanten Serienstart im Jahr 2028 dürfte schnelles DC-Laden selbst im Kompaktsegment zum absoluten Standard avancieren. Ein klangvoller Name allein reicht längst nicht mehr aus, um gegen die wachsende Konkurrenz aus China, Europa und Südkorea zu bestehen.

Elektro-Corolla auch für Europa?

Offen bleibt zudem, ob ein in China gebauter Elektro-Corolla den Weg nach Europa finden wird. Toyota könnte die Plattform global nutzen, die Fahrzeuge jedoch regional produzieren oder einzelne Varianten aus China importieren. Offizielle Entscheidungen für den europäischen Markt stehen bislang aus.

Toyota Corolla Cross EV (2028) Erlkönig

Toyota Corolla Cross EV (2028) Erlkönig

Bild von: Automedia

Dabei hätte ein elektrischer Corolla auf dem alten Kontinent immenses Potenzial. Der Modellname steht seit Jahrzehnten für Alltagsnutzen, hohe Zuverlässigkeit und überschaubare Unterhaltskosten. Genau diese Kombination vermissen viele Kunden im Elektrozeitalter noch immer, insbesondere in der klassischen Kompaktklasse abseits des SUV-Trends.

Die bisherigen Vorschauen machen zwar deutlich, dass Toyota Design und Proportionen grundlegend verändern möchte. Doch bis zum geplanten Produktionsstart 2028 müssen noch die entscheidenden Eckdaten geklärt werden: finale Freigaben, technische Spezifikationen, Preise und die endgültige Verteilung auf die weltweiten Märkte.