Polestar 4 SUV: Erste Tests beurteilen den Neuling unterschiedlich
Zum Polestar 4 Coupé ohne Heckscheibe kommt nun ein Polestar 4 SUV mit konventionellem Heck.
Das Polestar 4 SUV, sozusagen die geräumigere Version des Polestar 4 Coupé, wurde Anfang September vorgestellt. Nun sind die ersten Tests da. Wir haben uns die Berichte von Autocar und Autobild genauer angesehen.
Zunächst einmal hat das Polestar 4 SUV ein anderes Heck und mehr Kofferraum. Außerdem besitzt diese Variante ein Heckfenster – anders als der altbekannte Polestar 4, der nun Polestar 4 Coupé heißt. Ein konventioneller Innenspiegel ist Serie, optional gibt es den vom Coupé bekannten kamerabasierten Innenspiegel. Fahrwerk und Ausstattung wurden ebenfalls verbessert. Dennoch ist das SUV um 4.000 Euro günstiger als das Coupé:
| Polestar 4 SUV | Polestar 4 Coupé | Unterschied | |
| Preis Rear Motor | 57.900 Euro | 61.900 Euro | 4.000 Euro |
| Preis Dual Motor | 65.900 Euro | 69.900 Euro | 4.000 Euro |
Beide Karosserievarianten gibt es als Hecktriebler mit 200 kW und als Allradler mit 400 kW. Alle Varianten besitzen die gleiche Batterie mit 100 kWh brutto und (laut EV-Database) rund 94 kWh netto.
Exterieur
Die Optik gefällt dem Kollegen von Autocar. Kritisiert wird jedoch die Auswahl an Außenfarben: Wie beim Coupé gibt es nur Weiß, Silber, Grau und Schwarz sowie als einzige wirkliche Farbe ein sehr helles und dezentes Blau. Beim SUV kommen noch matte Varianten der blauen und der grauen Variante hinzu.
Das Polestar 4 SUV ist rund zwei Zentimeter höher als das Coupé, was aber laut Autocar nur an der Dachreling liegt, die beim Polestar 4 serienmäßig ist.
| Länge | Breite | Höhe | Radstand | Kofferraum | |
| Polestar 4 SUV | 4.840 mm | 2.139 mm | 1.556 mm | 2.999 mm | 530–1.665 L 15 Liter Frunk |
| Polestar 4 Coupé | 4.840 mm | 2.139 mm | 1.534 mm | 2.999 mm | 526–1.536 L 15 Liter Frunk |
| Unterschied | identisch | identisch | ca. 2 cm | identisch |
Kofferraum, Interieur und Bedienung
In Sachen Kofferraum zeigen die obigen Daten, dass das voll bepackte SUV rund 130 Liter mehr Gepäck transportieren kann als das Coupé. Beim Coupé kommt wohl die geringe Höhe des Kofferraums hinzu, die durch die Karosserieschräge bedingt ist.
Der Kofferraum des Polestar 4 SUV
Der Kofferraum des Polestar 4 Coupé
Mit 530 bis 1.665 Litern bietet der Polestar etwas weniger Maximal-Kofferraumvolumen als der BMW iX3 (520–1.750 Liter plus 58 Liter Frunk), der Stauraum des elektrischen Mercedes GLC (570–1.740 Liter plus 128 Liter Frunk) ist ebenfalls größer.
Das Interieur wirkt laut Autocar solide und wird mit dem edlen Bridge-of-Weir-Leder (je nach Farbe 3.700 oder 4.000 Euro) noch luxuriöser, so Autocar. Autobild erwähnt zusätzlich, dass es serienmäßig ein Glasdach gibt, das bis zur Heckklappe reicht und sich optional sektorenweise auf intransparent umstellen lässt. Der Autocar-Kollege kritisiert, dass es zu wenig physische Tasten gebe. Er lobt jedoch das Infotainmentsystem mit Google Gemini, das für eine wirklich intelligente Sprachsteuerung sorgt. Im Fond vergrößere sich die Kopffreiheit gegenüber dem Coupé, wo sie bereits großzügig sei.
Autobild stimmt beim Platzangebot zu, hebt zudem noch die neue V2L-Funktion und den neuen Camping-Modus hervor. Mit der neuen Google-Gemini-Sprachbedienung aber war der Kollege nicht zufrieden: Zwar klappte die Temperaturregelung, nicht aber das Umstellen der Transparenz des Glasdachs oder das Ausschalten des Spurhalteassistenten. Das wäre aber wünschenswert, da man viele Einstellungen sonst mühsam am Touchscreen suchen muss – sogar die Lenkradeinstellung.
Antrieb und Fahrwerk
Was den Antrieb angeht, so sei der Hecktriebler "nicht besonders schnell". Dagegen beschleunigt die Dual-Motor-Variante in 3,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Damit spurtet sie genauso rasant wie die 2027 startende Variante M60 xDrive des BMW iX3, während die derzeitige Topvariante des GLC 4,3 Sekunden braucht. In puncto Reichweite bleibt der neue Polestar mit 630 km (bzw. 600 km beim Allradler) gegenüber den beiden Konkurrenten zurück: Der Mercedes schafft bis zu 673 km, als Long Range Edition sogar über 700 km, der BMW wird in der Topversion sogar mit 805 km nach WLTP angegeben.
Autocar lobt das Performance-Paket für den Allradler, das für 4.500 Euro verkauft wird. Es umfasst Federn, aktive Dämpfer und sogar Stabilisatoren mit einem neuen, SUV-spezifischen Setup, welches das 30 kg höhere Gewicht auf der Hinterachse ausgleicht und ein sportlicheres Fahrgefühl als beim 4er Coupé erzeugt, so der Tester. Selbst im Vergleich zum fahraktiven iX3 wirke das 4er SUV deutlich sportlicher. Dennoch soll das Fahrwerk sogar im Sportmodus komfortabel bleiben.
Autobild hat auch die neu kalibrierte Lenkung gut gefallen, die sich in drei Stufen verstellen lässt. Wie bei Autocar wird das (trotz der 22-Zöller des Performance-Pakets) geschmeidige Abfedern gelobt. Zudem bleibe es im Innenraum leise. Einen Unterschied gibt es bei der Beurteilung der Sportlichkeit: Das Allrad-SUV zeige sich im Grenzbereich mit dem ESP im Sportmodus genauso sportlich wie das Coupé. Das hohe Gewicht störe in schnell gefahrenen Kurven genauso wie beim Coupé.
Beim Hecktriebler ist das Fahrwerk laut Autocar weicher abgestimmt, wodurch die vertikalen Bewegungen bei schnell gefahrenen Kuppen oder Senken etwas zu stark ausfallen. Kurven meistere er aber angenehm ruhig und reagiere dabei direkter als der 110 kg schwerere Allradler.
Ansonsten lobt Autocar den geringen Stromverbrauch und die starke Rekuperation. Vielfahrerinnen und -fahrer könnten jedoch von der geringen Ladegeschwindigkeit enttäuscht sein. Hier ein Vergleich der Herstellerdaten des Hecktrieblers im Vergleich mit 800-Volt-Konkurrenten:
| Polestar 4 SUV Rear Motor (ca. 94 kWh) | BMW iX3 40 (82,6 kWh) |
Mercedes GLC 250 (85 kWh) |
|
| Max. DC-Ladeleistung | 200 kW | 300 kW | 320 kW |
| DC-Ladedauer 10–80 % |
30 min | 21 min | 22 min |
| Ladegeschwind. 10–80 % |
2,2 kWh/min | 2,8 kWh/min | 2,7 kWh/min |
| Durchschnittliche Ladeleistung 10–80 % |
132 kW | 165 kW | 162 kW |
| Nachladen | 14,7 km/min | bis 21,2 km/min | 20,6 km/min |
Fazit der Tester
Zusammenfassend findet Autocar, das Polestar 4 SUV sei auch im Vergleich zum BMW iX3 interessant. Was dem Auto an Reichweite und Ladegeschwindigkeit fehlt, machen die hohe Verarbeitungsqualität, der hohe Fahrkomfort, das fantastische Handling und die rasante Dual-Motor-Version wieder wett, so der Tester.
Autobild befindet in seinem Fazit, dass ein fahrdynamischer Unterschied zum Coupé nicht spürbar sei, die Lenkung arbeite sogar präziser. Zusammen mit der echten Heckscheibe, dem größeren Kofferraum und dem um 4.000 Euro niedrigeren Preis sei das neue SUV der bessere Polestar 4.
Wir fügen noch einen kleinen Preisvergleich für den Hecktriebler hinzu, wobei wir uns auf die 800-Volt-Rivalen beschränken, mit denen Autocar vergleicht. Die Rear-Motor-Variante konkurriert mit dem BMW iX3 40, der mit 645 km ähnlich viel Reichweite bietet wie der Polestar (630 km), aber etwas stärker ist. Mit 63.400 Euro kostet der BMW jedoch auch ein paar Tausender mehr. Das Basismodell des Mercedes, der GLC 250, ist mit 260 kW noch stärker und bietet mit 647 km ein wenig mehr Reichweite. Mit 61.500 Euro ist er ein wenig günstiger als der BMW, aber auch dieser ist teurer als der Polestar.
Unter dem Strich
Die Testberichte der Kollegen von Autocar und Autobild ergeben für uns nicht allzu viel Neues. Dass der Kofferraum größer ist, ergibt sich ja bereits aus den Daten, und dass die Heckscheibe ein Plus für die Alltagstauglichkeit ist, haben wir uns auch schon zuvor gedacht. Ähnliches gilt für die Erkenntnisse, dass sich ein Modell mit 3,9-Sekunden-Sprint (wie die Dual-Motor-Version des Polestar 4 SUV) rasant fährt, und dass ein 400-Volt-Auto langsamer lädt als 800-Volt-Rivalen .
Wie bei vielen Autotests wird das Fahrwerk unterschiedlich beurteilt: Der Autobild-Kollege ging offenbar davon aus, dass sich das Coupé sportlicher fahren würde als das SUV, und war positiv überrascht, dass dem nicht so war. Für ihn waren beide Modelle gleich sportlich. Der Autocar-Tester dagegen stellt das verbesserte Fahrwerk des SUVs heraus und fand es deutlich sportlicher als beim Coupé. Am interessantesten waren für uns die Bemerkungen zur (Sprach-)Bedienung von Autobild.
Quelle: Autocar, Autobild, Polestar-Website (Daten)
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