Porsche will künftig voll auf die Premium Platform Electric (PPE) setzen. Die Elektroautos der Marke sollen praktisch alle auf dieser Plattform beruhen, während die neue SSP-Plattform den Volumenmarken überlassen wird. Dies wurde nun bei Online-Gesprächen mit Porsche-Managern deutlich, über das nun Automotive New Europe berichtet.

PPE wird seit 2018 von Porsche und Audi gemeinsam entwickelt. Nun wird auch klar, warum das Wörtchen "Premium" darin vorkommt: Bei der Premium-Marke Audi sollen zumindest die gehobenen Modelle auf PPE basieren, bei der Premium-Marke Porsche offenbar mehr oder weniger alle. PPE wird auch die Grundlage für zukünftige Bentley-Modelle ab 2025 bilden, so Automotive News Europe. Die britische Marke will bekanntlich ab 2030 nur noch Elektroautos verkaufen.

Dabei ist allerdings zu bedenken, dass beide Marken auch schon Modelle auf Basis der Plattform J1 auf dem Markt haben, nämlich den Taycan und den e-tron GT. Audi bringt demnächst auch den Q4 e-tron auf Basis des Modularen Elektro-Baukastens (MEB), aber dieses Fahrzeug ist ja als Kompakt-SUV auch kein gehobenes Modell.

Der erste Porsche auf PPE-Basis soll (wie bereits berichtet) die nächste Macan-Generation sein, die in der zweiten Jahreshälfte 2022 in Produktion geht. Unser Titelbild zeigt dieses Modell als Rendering. Der neue Macan erhält ausschließlich Elektroantrieb. Der erste Audi auf PPE-Basis wird (wie im oben verlinkten Artikel ebenfalls schon gemeldet) der Audi Q6 e-tron sein, ein Pendant zum Elektro-Macan.

Auf die kürzlich beim VW Power Day angekündigte neue Scalable Systems Plattform (SSP) will Porsche dagegen verzichten. Diese Plattform sollte nach den Ankündigungen auf dem Power Day eigentlich alle Marken und Segmente abdecken. Außerdem sollte die Plattform ab 2025 eigentlich die einzige Plattform des Konzerns sein und sowohl MEB als auch PPE ablösen. "SSP wird bis 2035 das einzige Rückgrat des Konzerns sein", sagte Diess.

PPE werde für den Premium-Markt eingesetzt, SSP decke die Mainstream-Segmente der VW-Konzernmarken ab, sagte Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold nun in einem Online-Gespräch mit Journalisten, über das Automotive News Europe berichtet. "Es wäre zu teuer, eine einzige Plattform zu entwickeln, die alle Marktsegmente abdeckt, einschließlich derer, die sehr hohe Spezifikationen verlangen", sagte er. Damit widerspricht er offenbar der bisherigen Linie des Konzerns.

Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner sagte in einem separaten Gespräch, SSP im Sinne der Hardware wäre für Porsche nicht das Richtige. Die Zuffenhausener Marke werde allerdings Software- und Technologieelemente von SSP übernehmen.

Bei der Software dürfte es sich um das Betriebssystem VW.OS handeln, von dem beim der letzten Bilanzpressekonferenz die Rede war. Derzeit ist Version 1.1 aktuell, PPE bekommt Version 1.2 und die Version 2.0 wird für SSP eingesetzt. Das Betriebssystem wird von der Car.Software.Org entwickelt, einer eigenständigen Abteilung des VW-Konzerns. Zu dieser Software gehören auch die Grundlagen für autonomes Fahren, datenbasierte Geschäftsmodelle und neue Mobilitätsdienste.

Laut Automotive News Europe erwähnte Audi in seinem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht, dass die Marke "verschiedene PPE-basierte Modellreihen" plane, darunter SUVs, Sportback-, Avant- und Crossover-Modelle, in Segmenten "von der oberen Mittelklasse bis zur Luxusklasse."