Plattform SSP startet 2025 und soll Modelle aller Segmente tragen

Bei der Bekanntgabe der Konzernergebnisse gab der VW-Konzern heute auch einen Ausblick auf die Elektroauto-Neuheiten des Jahres 2021. Vielleicht noch interessanter waren jedoch die Aussagen zur Plattformstrategie.   

Die Pläne zur Markteinführung neuer Modelle waren größtenteils bereits bekannt. So will die Kernmarke VW wird den ID.5 auf den Markt bringen, also die coupéhafte Version des ID.4. In China starten 2021 der ID.4 Crozz, der ID.4 X (wohl das Auto, das wir bisher als ID.4 GTX bezeichnet haben) und der ID.6 mit drei Sitzreihen. Bei Audi ist der Q4 e-tron zu erwarten.

Bilanz-Pressekonferenz des VW-Konzerns am 16. März 2021

Skoda bringt wohl eine coupéhafte Version des Enyaq iV auf den Markt, auch wenn diese nicht erwähnt wurde, und bei Cupra startet der Born auf Basis des ID.3. Porsche bringt zuerst die Kombiversion des Taycan namens Cross Turismo. Auf der IAA im September könnten die Zuffenhausener dann schon einen Ausblick auf die nächste Macan-Generation als reines Elektroauto zeigen.

Außerdem legte VW einen Schwerpunkt auf das Thema Plattformen. Auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MEB) sollen bis 2022 konzernweit 27 Modelle angeboten werden. Bereits 2022 kommen erste Fahrzeuge auf Basis der Premium Platform Electric (PPE) auf den Markt – mit mehr Beschleunigung, höheren Reichweiten und kürzeren Ladezeiten, so der Konzern. Dabei dürfte es sich um den Porsche Macan und den Audi Q5/Q6 e-tron handeln, wie dieses Chart vom vergangenen November nahelegt:

Porsche Macan mit Elektroantrieb und Audi Q5 e-tron für 2021 bestätigt

Neue Plattform SSP ab 2025 – für alle Marken und Segmente

Bis 2025 will der Konzern dann Modelle auf Basis der neuen Scalable Systems Platform (SSP) entwickeln, die so flexibel sein soll, dass darauf Modelle aller Marken gebaut werden können. Außerdem soll SSP so skalierbar sein, dass sie für alle Segmente passt. Dabei meint der Konzern aber wohl Einstiegs-, Volumen- und Premium-Segment, nicht die Segmente A bis F, denn dass ein großer Elektro-Bentley auf der gleichen Plattform aufsetzen soll wie ein Nachfolger des VW e-Up ist kaum vorstellbar.

Das Thema Plattformen geht im VW-Konzern jedoch künftig über die Baukästen MEB, PPE und SSP hinaus. Es soll auch die Batterie umfassen. So wird der Konzern ab 2023 eine Einheits-Batteriezelle einführen, die in 80 Prozent aller Elektroautos des Konzerns genutzt werden soll. Dadurch sollen die Kosten für Batteriezellen im Einstiegssegment um 50 Prozent sinken, im Volumensegment um 30 Prozent.

Betriebssystem VW.OS in den Versionen 1.1 bis 2.0

Auch beim Thema Konnektivität und Software im Fahrzeug strebt Volkswagen Synergieeffekte über alle Marken an. Die Grundlagen dafür liefert die 2020 gegründete Car.Software-Org. mit dem Betriebssystem VW.OS. Die Version 1.1 arbeitet schon heute in den MEB-Autos.

Bilanz-Pressekonferenz des VW-Konzerns am 16. März 2021

Die Version 1.2 folgt mit der Plattform PPE, während die Plattform SSP dann schon Version 2.0 nutzt. Bis dahin soll der Anteil selbst entwickelter Software im Fahrzeug von heute 10 Prozent auf 60 Prozent steigen. Die Car.Software-Org. entwickelt auch die technischen Grundlagen für das autonome Fahren sowie für datenbasierte Geschäftsmodelle und neue Mobilitätsdienste, so VW.

Das vierte Element der neuen Plattform-Roadmap besteht aus Mobilitätsdienstleistungen. Hierunter fallen unter anderem der Ridepooling-Service Moia, das Carsharing-Angebot WeShare oder flexible Abo-Angebote der Volkswagen Bank.

"Auch in der neuen Welt der Mobilität wird Volkswagen der Plattform-Champion sein. Unsere Roadmap definiert dafür einen klaren Fahrplan. So beschleunigen wir unsere Transformation zum software-getriebenen Mobilitätskonzern." (Herbert Diess)

Außerdem legte VW detaillierte Zahlen zur Geschäftsentwicklung der Marken und Regionen im vergangenen Geschäftsjahr vor. Finanzvorstand Frank Witter meldete trotz der Corona-Pandemie ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen von über 10 Milliarden Euro. Der größte Einzelmarkt China erwies sich dabei als Stabilitätsanker. In Nordamerika arbeitet Volkswagen nach der Dieselkrise mit neuen, auf den US-Markt zugeschnittenen Modellen an einem Comeback.

Bilanz-Pressekonferenz des VW-Konzerns am 16. März 2021

Jeder zehnte VW in Westeuropa ist elektrifiziert

In Europa stieg mit der Markteinführung des ID.3 vor allem der Absatz von E-Autos stark an. Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge an den Auslieferungen in Westeuropa erhöhte sich auf 10,5 Prozent (2019: 1,9 Prozent). Damit belegt der Konzern im reinen Elektro-Segment in Westeuropa den Spitzenplatz mit einem Anteil von rund 25 Prozent, so die Wolfsburger.

Allerdings hat der Konzern den CO2-Flottengrenzwert nach aktuellem Stand knapp um rund 0,8 g/km verfehlt. Finale Ergebnisse werden durch die EU im Jahresverlauf bekannt gegeben. Im Jahr 2021 will der Konzern das CO2-Ziel aufgrund des deutlich steigenden Anteils elektrifizierter Fahrzeuge aber erreichen.

Konzernweit 60 Prozent Elektroautos im Jahr 2030

Bis spätestens 2025 will der Konzern "Weltmarktführer für E-Mobilität werden". Dazu plant das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren Investitionen in Höhe von rund 46 Milliarden Euro in die Elektromobilität und die Hybridisierung. Bis 2030 soll der Anteil rein elektrischer Fahrzeuge in Europa auf bis zu 60 Prozent steigen. Die Kernmarke VW hatte kürzlich für 2030 ein Ziel von 70 Prozent genannt. Die Festlegung auf einen festen Zeitpunkt für das Ende der Verbrenner-Technologie lehnte der Konzern allerdings ab. 

Im Finanz-Ausblick für 2021 geht der Konzern von einer deutlichen Belebung des Geschäfts gegenüber 2020 aus. In den Folgejahren will VW schnellstmöglich wieder 7 bis 8 Prozent operative Umsatzrendite erzielen. Dazu beitragen sollen ein erhöhter Absatz (dank einer erwarteten wirtschaftlichen Erholung), aber auch niedrigere Fixkosten. Das Ziel des neuen Finanzvorstands Arno Antlitz (eigentlich erst ab 1. April im Amt) ist, "die ambitionierte Transformation des Volkswagen Konzerns solide zu finanzieren." Was angesichts von Plänen wie der Errichtung von sechs Batteriefabriken nicht ganz leicht sein dürfte.

Bildergalerie: VW-Konzern: Bilanzpressekonferenz im März 2021