Am Mittwoch enthüllte Volkswagen mit großem Tamtam das erste GTX-Modell: den VW ID.4 GTX. Doch ähnlich wie es nicht nur einen VW Golf GTI gibt, sondern auch einen Polo GTI und früher auch einen VW Up GTI und Scirocco GTI, so wird auch der ID.4 GTX nicht alleine bleiben. Offiziell angekündigt ist bereits der ID.5 GTX.

Naheliegend wäre natürlich auch ein ID.3 GTX. Gerüchte über ein Topmodell der Baureihe mit Allradantrieb gibt es schon länger. Teilweise wurde angenommen, dass es sich um einen ID.3 R handeln wird, aber dieses Gerücht dürfte nun vom Tisch sein, da das Kürzel GTX für die stärksten Elektromodelle stehen soll. Zumindest einstweilen, denn in der Verbrenner-Welt wurde der stärkere Golf R ja auch viel später eingeführt als der Golf GTI.

Bildergalerie: VW ID.4 GTX (2021)

Gegenüber AutoExpress hat der VW-Vertriebschef Klaus Zellmer nun bestätigt, dass die Einführung eines ID.3 GTX geprüft werde:

"Wir versuchen immer, konsistent zu sein mit allem, was wir in der Vergangenheit getan haben. Seien Sie versichert, wir prüfen das. Bisher wurde jedoch noch keine Entscheidung getroffen." (Klaus Zellmer)

Bis 2030 will Volkswagen 70 Prozent seines Absatzes in Europa mit Elektroautos abdecken, so Zellmer. "Wir müssen also nicht nur mit dem Bau von Elektroautos beginnen, sondern auch mit dem Aufbau der Marke für Elektroautos. Ich denke, das begehrteste Derivat in der Modellpalette wird der GTX sein."

Zellmer verwendete den Ausdruck "the most aspirational derivative". Damit kann das begehrteste Modell gemeint sein. Die meistverkaufte Variante wird die GTX-Variante wohl nicht sein, schon wegen der Preise: Der ID.4 GTX liegt bei knapp über 50.000 Euro. Vermutlich meinte Zellmer eher so etwas wie das Modell mit der größten Strahlkraft, so etwas wie ein Imageträger.

Das wird bestätigt durch folgendes Zitat, in dem er dasselbe Wort aspirational noch einmal verwendete:

"Wir möchten eine Auswahl bieten und eine Auswahl, die anspruchsvolle (aspirational) Fahreigenschaften kombiniert – etwas leistungsstärkere Dual Motors, das heißt Allradantrieb, etwas mehr Höchstgeschwindigkeit. Das ist für die Leute da draußen, die auf dem Markt nach etwas mehr suchen. Der ID.4 und künftig der ID.5 GTX sind hoffentlich eine gute Wahl."

Technisch wäre eine ID.3 GTX wohl leicht zu machen: Da er wie der ID.4 GTX auf dem Modularen Elektrobaukasten (MEB) basiert, passt der Allradantrieb mit 220 kW auch in den kleineren ID.3. Dazu käme die große 77-kWh-Batterie. Die Reichweite läge bei rund 500 km.

Die Frage ist also eher eine Marketing-Frage. Dabei ist zu bedenken, ob so ein Modell in die Konzern-Landschaft passt. Im zweiten Halbjahr 2021 startet der Cupra Born, der sportlich positioniert wird und deshalb den 220-kW-Antrieb ebenfalls bekommen könnte.

Außerhalb des Konzerns wird der ID.3 GTX gegen den Polestar 2 mit Allradantrieb antreten. Dieser hat mit 300 kW mehr Leistung und eine vergleichbare Reichweite (480 km). Der Preis liegt bei rund 48.000 Euro. Der ID.3 GTX müsste wohl günstiger sein, auch weil der Polestar im Premiumbereich antritt.

Ein weiterer Rivale wäre das Tesla Model 3 mit "Dualmotor". Die Version Long Range ist mit 613 km WLTP-Reichweite dem VW deutlich überlegen, dürfte mit 4,4 Sekunden auch deutlich schneller sprinten – denn der ID.4 GTX wird mit 6,2 Sekunden angegeben und ein ID.3 GTX käme wohl nicht viel unter 6 Sekunden. Der Tesla gibt es ab 50.970 Euro, wobei aber 3.000 Euro Herstelleranteil schon abgezogen sind. Das Model 3 wäre also kein Problem, da es zwar besser, aber auch teurer wäre.  

Damit sind wir bei der Preis-Frage: Wie viel würde ein ID.3 GTX kosten? Derzeit bietet VW drei 77-kWh-Varianten des ID.3 an, die allesamt einen 150-kW-Heckantrieb haben: Pro S (ab knapp 42.000 Euro), Tour 5 (5 für fünf Sitze, ab knapp 48.000 Euro und Tour (vier Sitze, ab knapp 50.000 Euro). Je nach Ausstattung dürfte der ID.3 GTX zwar unter den 50.415 Euro des ID.4 GTX, aber sicher über 42.000 Euro liegen. Wegen des Polestar 2 sind allerdings 48.000 Euro eine Obergrenze. Damit wären wir bei 42.000 bis 48.000 Euro. Wir sind gespannt, ob wir richtig liegen.

Bildergalerie: Polestar 2 (2021)