Der Plaid ist gut, aber der Hyundai Ioniq 5 bleibt nach wie vor Spitzenreiter – und zwar deutlich

Das neue Tesla Model S Plaid an einem Supercharger V3: Das könnte eine sehr gute Ladeleistung ergeben. Schließlich soll die Plaid-Version 300 Kilometer Reichweite in nur 15 Minuten nachladen können, und die neueste Version von Superchargern (die erst 2019 eingeführt wurde) ermöglicht 250 kW Ladeleistung pro Fahrzeug.

Eines der ersten Plaid-Exemplare wurde nun von MotorTrend getestet. In der folgenden Ausgabe unserer Schnelllade-Analyse loten wir die Ergebnisse genauer aus. Nach dem Bericht von MotorTrend wurde der Test nach Vorkonditionierung der Batterie und bei einer ziemlich optimalen Umgebungstemperatur von 21 Grad durchgeführt.

Ladekurve

Geladen wurde von 5 auf 95 Prozent Ladestand (SOC). Die Ladekurve erreicht schon bei 10 Prozent das Maximum der am Supercharger V3 möglichen 250 kW. Vermutlich wird die Ladeleistung durch die Ladesäule begrenzt, nicht durch die Batterie:

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Bis etwa 30 Prozent SOC wird dieser Wert gehalten. Danach sinkt die Kurve ziemlich kontinuierlich (das heißt: nicht stufenartig) ab. Auch bei 90 Prozent werden noch fast 50 kW erreicht. Das sind gute Ergebnisse.

Ladedauer: Etwa 27 Minuten für 20-80%

Dem Artikel zufolge dauerte der Ladevorgang von 5 bis 95 Prozent SOC etwa 52 Minuten. Wir schätzen, dass das Laden von 20 bis 80 Prozent SOC etwa 27 Minuten gedauert hat. Das Laden von 10 bis 80 Prozent dürfte rund zwei Minuten länger gedauert haben.

Sind 300 Kilometer in 15 Minuten realistisch?

Wie gesagt soll der Plaid in 15 Minuten die Reichweite um 300 Kilometer (187 Meilen) erhöhen können. Nach den Daten von MotorTrend sollen bei der Version mit 21-Zoll-Rädern 167 Meilen in 15 Minuten geladen werden. Mit den kleineren Rädern ist der Plaid jedoch etwa 16 Prozent sparsamer, denn die EPA-Reichweite mit 19-Zällern liegt bei 405 Meilen, mit 21-Zöllern aber nur bei 348 Meilen. Rechnen wir die 16 Prozent auf die 167 Meilen obendrauf, dann landen wir bei 194 Meilen. Damit ist der von Elon Musk genannte Wert von 187 Meilen in 15 Minuten realistisch.

Durchschnittliche Ladeleistung: 130 kW

Im wichtigen Ladebereich von 20 bis 80 Prozent SOC beträgt die durchschnittliche Ladeleistung 130 kW (schwarz markiert). Das ist wohl der höchste Wert, den Tesla bisher geliefert hat. Fährt man den Akku bis auf 5 Prozent SOC leer und lädt nur bis 70 Prozent, dann kommt man sogar auf 163 kW (erste Spalte, zwei Zeilen höher als die schwarze Markierung): 

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C-Rate: Bis zu 2,5C

Offiziell macht Tesla nie Angaben zur Batteriekapazität seiner Autos. Doch soll das Model S Plaid bei 100 kWh liegen. Geht man von diesem Wert aus, dann kann man die so genannte C-Rate berechnen. Diese gibt an, wie sich die Ladeleistung zur Brutto-Kapazität des Akkus verhält. So wäre 1C erreicht, wenn eine 100-kWh-Batterie in einer Stunde voll geladen würde. Das wäre mit einer durchschnittlichen Ladeleistung von 100 kW möglich. Ist die Ladeleistung doppelt so hoch, wären 2C erreicht. 

Beim Model S Plaid fällt die Rechnung leicht: 250 kW maximale Ladeleistung und 100 kWh Batteriekapazität ergeben eine maximale C-Rate von 2,5C. Die durchschnittliche C-Rate beim Laden von 20 bis 80 Prozent beträgt 130 kW durch 100 kWh, also 1,3C.

Reichweite nachladen: 14,1 km/min nach WLTP

Die durchschnittliche Ladeleistung im Bereich von 20 bis 80 Prozent ist für Langstreckenfahrer natürlich interessanter als der Maximalwert. Aber noch wichtiger ist, wie lange man an der Ladesäule warten muss, bis man zum Beispiel weitere 100 km fahren kann. Mit anderen Worten: Wir wollen wissen, wie schnell man Reichweite nachladen kann.

Dieser Wert hängt vom Stromverbrauch ab, den wir hier aus der offiziellen Reichweite und der Netto-Batteriekapazität berechnen. Beim Model S Plaid mit 21-Zoll-Rädern liegt die EPA-Combined-Reichweite bei 348 Meilen (560 km); die Netto-Batteriekapazität wird von MotorTrend mit 96,7 kWh angegeben. Damit ergibt sich ein Stromverbrauch von 278 Wh/Meile. Teilen wir die durchschnittliche Ladeleistung von 130 kW durch diesen Wert (genau gesagt: 130.000 W geteilt durch 16.680 Wmin/Meile), so erhalten wir 7,8 Meilen pro Minute (oder 12,5 km/Minute).

Rechnen wir mit der (optimistischeren) WLTP-Reichweite von 628 km, so ergibt sich ein Stromverbrauch von 15,4 kWh/100 km oder 154 Wh/km oder 9.240 Wmin/km. Teilen wir die 130.000 Watt durch den letztgenannten Wert, so erhalten wir 14,1 km/Minute.

Vergleich mit Model 3 und Ioniq 5

Vergleichen wir nun mit den Ladeergebnissen des Model 3 am Supercharger V3 und denen des Hyundai Ioniq 5 an einer Ionity-Säule. Beginnen wir mit den Ladekurven. Das Model S Plaid (rote Kurve) ist danach deutlich besser als das Model 3 Long Range (blau und grün):

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Der Hyundai Ioniq 5 hat eine völlig andere Ladekurve; er ist am Angang schlechter als der Plaid, ab 35 Prozent SOC aber besser.

Interessant ist der Vergleich der C-Raten. Wie die Grafik zeigt, wird der Akku im Plaid nicht so stark belastet wie im Model 3:

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Der Grund für die höheren C-Raten des Model 3 könnte laut Mark Kane darin liegen, dass der Plaid zylindrische Zellen vom Typ 18650 verwendet, während das Model 3 die 2170er-Zellen verwendet. Das ist für uns nicht plausibel, denn die dickeren 2170-Zellen sind schwerer zu kühlen.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass die Ladeleistung des Plaid durch den V3-Charger auf 250 kW begrenzt. Möglicherweise könnte das Auto auch deutlich mehr erreichen. Mit 300 kW wäre der Wagen auch im 3C-Club.

Hier die Ladeleistung der betrachteten Modelle in einer Vergleichstabelle:

Model S Plaid, Model 3 LR und Ioniq 5 im Vergleich
Modell Antrieb /
Batterie
(brutto, kWh)
Lade-
leistung
(maximal)
Lade-
leistung
(20-80%)
C-Rate
(max.
C-Rate
(20-80%)
Lade-
dauer
(20-80%)
Reichweite
nachladen
(WLTP)
Tesla Model S Plaid

AWD
100 kWh
250 kW 130 kW 2,5 1,3 27 min 14,1 km/min
2021 Tesla Model S LR

AWD
100 kWh
250 kW 130 kW 2,5 1,3 27 min 14,6 km/min
Tesla Model 3 LR
von 2021 am SC V3
AWD
80 kWh
250 kW 106 kW 3,1 1,3 26 min 14,9 km/min
Tesla Model 3 LR
von 2019 am SC V3
AWD
75 kWh
250 kW 113 kW 3,3 1,5 24 min 15,6 km/min
Hyundai Ioniq 5
(73 kWh)
AWD
77 kWh
224 kW 170 kW 2,9 2,2 15 min 18,8 km/min

Was das Reichweite-Nachladen angeht, so ist der Hyundai Ioniq 5 nach wie vor an der Spitze. Das Model S Plaid ist im Vergleich hier sogar am langsamsten. 

In der Tabelle ist auch das Model S Long Range zu finden. Dessen Werte haben wir aus den Ladeleistungen des Model S Plaid errechnet, indem wir die höhere Reichweite von 652 Kilometern nach WLTP eingesetzt haben. So ergibt sich logischerweise ein besserer Wert für das Nachladen von Reichweite.

Fazit

Unsere Analyse hat gezeigt: Das Tesla Model S Plaid lässt sich ziemlich schnell laden, vor allem am Anfang des Ladeprozesses, wo 250 kW erreicht werden – wobei möglicherweise auch noch deutlich mehr Ladeleistung möglich ist. 

Die maximale Ladeleistung steht allerdings nur von 10 bis 30 Prozent SOC zur Verfügung. Durchschnittlich sind es nur 130 kW, was nicht schlecht ist, aber zum Beispiel weniger als die 150 kW des Audi e-tron, die 151 kW des Taycan und erst recht weniger als die 170 kW des Hyundai Ioniq 5.

Der Ioniq 5 lädt auch Reichweite deutlich schneller nach als der Plaid. Das dichte Supercharger-Netz kann diesen Vorteil von Hyundai vielleicht teilweise kompensieren. Allerdings ist in Deutschland unseres Wissens erst der Supercharger V2 im Einsatz, wo maximal mit 150 kW geladen wird. Und da der Plaid vor allem durch die hohe Ladeleistung zu Beginn punktet, könnte es sein, dass an diesen Säulen wieder der Hyundai die Nase vorne hat.

[Anmerkung: Der Originalartikel von Mark Kane wurde nicht nur übersetzt, sondern auch gestrafft und deutlich modifiziert. So haben wir statt der EPA-Reichweite die WLTP-Reichweite des Model S Plaid für die Berechnungen benutzt. Außerdem kommen wir zu einem etwas anderen Fazit, in dem der Plaid nicht ganz so gut wegkommt wie bei Mark.]

Bildergalerie: Tesla Model S Plaid (2021)