Chef des neuen Unternehmens wird Mate Rimac

Der VW-Konzern ordnet seine Sportwagen-Aktivitäten neu. Dabei entsteht ein kompliziertes Dreier-Konstrukt aus Bugatti, Rimac und Porsche. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet nun über die Details und Hintergründe.

Der Konzern dachte bereits länger über eine Neustrukturierung nach. Vor allem wollte man sich offenbar von Bugatti trennen. Nun wurde eine Lösung gefunden, die den kroatischen Elektro-Sportwagenhersteller Rimac mit einbezieht, an dem Porsche beteiligt ist.

Wenn die Kartellbehörden zustimmen, wird Bugatti im vierten Quartal 2021 in ein Gemeinschaftsunternehmen namens Bugatti-Rimac eingebracht. An der Firma mit Sitz in Zagreb wird Rimac zu 55 Prozent und Porsche zu 45 Prozent beteiligt sein. Porsche zahlt dafür angeblich einen dreistelligen Millionenbetrag an seine Konzernmutter Volkswagen. Chef des neuen Unternehmens wird Mate Rimac.

Porsche soll offenbar von der Elektro-Kompetenz von Rimac profitieren. Die Stuttgarter Marke hat sich angeblich schon für den Taycan technische Unterstützung von Rimac geholt. Porsche vergibt schon immer größere Aufträge an Rimac und will die Zusammenarbeit noch weiter vertiefen. Rimac dagegen soll offenbar von der Marktmacht von Porsche profitieren – vielleicht erhofft man sich Vorteile zum Beispiel beim Einkauf von Batterien und anderen Komponenten.

Unter dem Dach des neuen Unternehmens werden die Marken Bugatti und Rimac zunächst wie gehabt ihre zwei Supersportwagen produzieren: Bugatti den Chiron und Rimac den über 1.900 PS starken Elektro-Supersportler Nevera. "Für die weitere Zukunft sind gemeinsam entwickelte Bugatti-Modelle angedacht", so Porsche. Das Gemeinschaftsunternehmen soll etwa 430 Mitarbeiter haben, 300 in Zagreb und 130 bei Bugatti im elsässischen Molsheim.

VW-Chef Herbert Diess strebt seit Langem nach einer strafferen Struktur des aus zwölf Marken bestehenden Konzerns. Dabei betrachtet er die Luxusmarken und Supersportler-Spezialisten offenbar als entbehrlich. Ein Verkauf von Bugatti, Lamborghini und Ducati stößt aber angeblich auf den Widerstand der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch.

Das Projekt "Rush" (wie die Kooperation zwischen Rimac und Bugatti intern genannt wird) wurde möglicherweise vom badenwürttembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angeleiert. Dieser hat den Firmengründer Mate Rimac angeblich bereits 2018 bei einer Delegationsreise kennengelernt. Offenbar hat ihm die offensive Art des Kroaten gefallen.

Der damals erst 30 Jahre alte Mate Rimac hatte daraufhin auch Porsche von sich überzeugt. "Er hat ein phänomenales Fachwissen und ist ein toller Selfmade-Typ, der mit totaler Begeisterung am Werk ist", so Porsche-Finanzvorstand Meschke. So erwarb Porsche zunächst einen Anteil von 10 Prozent uns stockte diesen im Lauf der Zeit bis auf 24 Prozent auf.

Bildergalerie: Rimac Nevera