Dass der technisch faszinierende Lightyear One tatsächlich 2022 in Serie geht, wird immer wahrscheinlicher. Das holländische Startup hinter dem 150.000-Euro-Wagen hat nun weitere 62 Millionen Euro an Kapital eingesammelt. Zu den größten Investoren gehörte der niederländische Versicherungskonzern Dela.

Damit hat die Firma eine weitere Hürde genommen. Kürzlich wurde bekannt gegeben, dass das Auto von Valmet in Finnland gebaut wird. Außerdem übernimmt Lightyear eine Fabrik für Solardächer in den Niederlanden, wo schon Equipment und Personal bereitsteht, um die für das Solar-Elektroauto wesentliche Solardach zu fertigen, wie die Firma im Juli mitteilte.

Bildergalerie: Lightyear One (Juni 2019)

Ende Juni hat der Lightyear One auch einen Härtetest in Sachen Reichweite bestanden: Er erzielte eine Reichweite von 710 Kilometern, und das bei einer Geschwindigkeit von 85 km/h. Und das mit einer nur 60 kWh großen Batterie. Das heißt, der Stromverbrauch ohne Ladeverluste und ohne die Stromerzeugung per Solarzellen lag bei lediglich 8,5 kWh/100 km. Dabei halfen der hervorragende cW-Wert von 0,20 und das Solardach.

Zum Vergleich: Der Mercedes EQS soll in der sparsamsten Version 770 km schaffen, braucht dazu aber eine 108-kWh-Batterie und hat einen Stromverbrauch von rund 16 kWh. Der Lucid Air schafft sogar 837 km nach der strengen EPA-Norm, der Stromverbrauch liegt hier bei etwa 14 kWh, Angaben zur Akkugröße gibt es nicht. Auch diese beiden Modelle brillieren bei der Aerodynamik: Der Mercedes ist mit cW-Wert von 0,20 derzeit der Rekordhalter bei den Serienautos – der Lightyear wird die Rekordmarke wohl ebenfalls erreichen. Der Lucid Air liegt mit 0,21 nur knapp dahinter.

Ähnlich wie der Lucid Air in der Topversion wird der Lightyear One aber richtig teuer: 150.000 Euro stehen im Raum – und die Mehrwertsteuer kommt noch oben drauf. Und dabei ist der Tempo-100-Sprint in "unter 10 Sekunden" alles andere als rekordverdächtig.

Spannend wird es nochmal, wenn der Lightyear One im Jahr 2022 wirklich auf dem Markt ist. Denn dann will die Firma preisgünstigeres Modell entwickeln:

"Unsere Finanzierungsrunde ist sowohl für private als auch für öffentliche Investitionen noch offen, da wir uns auf die Massenproduktion eines zweiten solarelektrischen Fahrzeugs vorbereiten. Wir planen, mit diesem neuen Massenmarktmodell im Jahr 2024 in Produktion zu gehen." (Lightyear) 

Die Pläne für das günstigere Solar-Elektroauto hatte Lightyear bereits im Januar offiziell bestätigt, nachdem entsprechende Pläne gerüchteweise bekannt geworden waren. Damals hieß es, Lightyear wolle ab 2023 bereit sein, mehr als 100.000 Autos pro Jahr zu fertigen. Das entsprechende Modell sollte bei rund 50.000 Euro liegen.

"Durch die Aufstockung seiner Kerntechnologie geht Lightyear davon aus, um 2023 in der Lage zu sein, eine Massenproduktion von mehr als 100.000 Autos pro Jahr zu starten. Der prognostizierte Verkaufspreis kann für diese zukünftigen Modelle bis zu 50.000 Euro betragen." (Lightyear im Januar 2021)